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Happy Public Domain Day: Was 2025 alles gemeinfrei wurde

Immer am ersten Tag des Jahres werden urheberrechtlich geschützte Werke gemeinfrei. Welche Werke das sind, ist aber manchmal etwas kompliziert.
/ Gottfried Hofmann
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La Famille du peintre (Die Familie des Malers) heißt dieses Bild von Henri Matisse. (Bild: Wikimedia Commons)
La Famille du peintre (Die Familie des Malers) heißt dieses Bild von Henri Matisse. Bild: Wikimedia Commons

In den meisten Ländern der Welt werden Inhalte gemeinfrei, wenn deren Autor vor mehr als 50 (Teile Afrikas, Asiens und Kanada) oder 70 Jahren (Europa, Australien) verstorben ist. Damit wird immer das gesamte Oeuvre gemeinfrei. Wenn man also wissen möchte, ob ein Werk in Deutschland gemeinfrei ist, muss man feststellen, wer der Autor ist, ob er noch lebt und falls nein, ob er schon seit mehr als 70 Jahren tot ist. Bei Werken mit mehreren Urhebern wird das natürlich kompliziert.

In Deutschland und Europa gemeinfrei sind seit 2025 unter anderem die Veröffentlichungen des britischen Informatikpioniers Alan Turing. Sein Aufsatz On computable numbers, with an application to the Entscheidungsproblem (PDF)(öffnet im neuen Fenster) bildet die theoretische Basis für heutige Computer und auch das Gerät, auf dem dieser Artikel gelesen wird, ist eine Implementierung einer sogenannten Turingmaschine und die Programme, die darauf laufen, wurden mit einer Turing-vollständigen Programmiersprache entwickelt.

Henri Matisse, Frida Kahlo, Skeleton Dance

Ebenfalls gemeinfrei wurden in Deutschland die Bilder des französischen Malers Henri Matisse(öffnet im neuen Fenster) und der mexikanischen Malerin Frida Kahlo(öffnet im neuen Fenster) . Letztere werden in ihrem Heimatland Mexiko erst in 30 Jahren gemeinfrei werden, denn Mexiko ist mit 100 Jahren nach dem Tod des Urhebers das Land mit den weltweit längsten Schutzfristen.

Das bedeutet, dass man, wenn man ein Bild von Frida Kahlo verwendet, das Werk nicht in Mexiko veröffentlichen sollte. Bei einer Veröffentlichung im Internet sollte es ausreichen, wenn man sich nicht an ein mexikanisches Publikum richtet. Auf einer deutschen Seite mit deutschem Text wie Golem.de sollte es keine Probleme geben(öffnet im neuen Fenster) .

Ausnahme USA: Frei nach 95 Jahren nach Veröffentlichung

In den USA hingegen zählt in den meisten Fällen das Erscheinungsdatum plus 95 Jahre, einfach und pragmatisch. Daher ist beim Copyright-Vermerk neben dem © immer eine Jahreszahl. 2025 wurde dort unter anderem der Skeleton Dance von Walt Disney und Ub Iwerks gemeinfrei, ein Klassiker des Trickfilms(öffnet im neuen Fenster) .

In Europa darf Popeye heute schon Spinat essen, in den USA erst ab 2027

Auch wurde in den USA im Jahr 1929 zum ersten Mal ein Comic mit Tim beziehungsweise Tintin aus Tim und Struppi des belgischen Comicautors Hergé veröffentlicht. Damit ist die Figur dort ab jetzt gemeinfrei, während die Europäer noch bis zum Jahr 2054 warten müssen, da Hergé im Jahr 1983 verstarb.

Sonderfall Popeye

Anders sieht es bei Popeye dem Seemann aus, der im gleichen Jahr in den USA zum ersten Mal auftauchte. Da sein Autor E. C. Segar 1938 im Alter von nur 43 Jahren starb, sind seine Comics und damit auch der Charakter Popeye in Deutschland und Europa schon seit 2009 gemeinfrei, und zwar alle von Segar gezeichneten und getexteten Comics.

In den USA sind nur diejenigen gemeinfrei, die im Jahr 1929 erschienen sind. Damals aß Popeye aber noch keinen Spinat, sondern holte seine übermenschlichen Kräfte aus dem Streicheln einer Feder. Spinat stand bei Popeye erst 1931 auf dem Speiseplan(öffnet im neuen Fenster) .

Sprich: In Europa darf Popeye heute schon Spinat essen, in Amerika erst ab 2027. Hier erkennt man den Nachteil des amerikanischen Systems. Bei Werken, die über mehrere Jahre veröffentlicht wurden, tröpfeln einzelne Facetten erst nach und nach in die Public Domain, was bedeutet, dass man als Autor, der sie verwenden möchte, vorsichtig sein muss.

Die Copyright-Detektive

Im Falle von Popeyes Leibspeise könnte es aber einen Lichtblick geben. Denn zur Zeit der Veröffentlichung des Strips musste in den USA das Copyright nach 28 Jahren erneuert werden.

Interessierte haben in den einschlägigen Archiven gesucht und keinen Hinweis darauf gefunden, dass das auch geschehen war. Es könnte also sein, dass Popeye weltweit, mit Ausnahme vom oben genannten Mexiko, Spinat essen darf. Offenbar ist auch das US-Urheberrecht nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Gottfried Hofmann(öffnet im neuen Fenster) ist Trainer, Entwickler und Consultant für die freie 3D-Software Blender. Er studierte Informatik an der FAU Erlangen-Nürnberg, wo er seine Diplomarbeit am Lehrstuhl für Open Source Software gemacht hat. Neben seiner Website www.BlenderDiplom.com, wo er Tutorials und Artikel zu Blender veröffentlicht, hat er auch schon den ein oder anderen Codebeitrag zu Blender geleistet.


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