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Hannover: Spenderherz wegen Drohnen an Flughafen in Gefahr

Am 2. Weihnachtstag haben Drohnen den Flughafen Hannover blockiert und so den Transport eines Spenderherzens verzögert.
/ Andreas Donath
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Zum Glück ist der Organtransport gut gegangen. (Bild: Pexels)
Zum Glück ist der Organtransport gut gegangen. Bild: Pexels

Die Situation war dramatisch: Ein Transplantationsteam wartete auf den Start, das Spenderherz lag transportbereit in der Kühlbox. Dann kam die Nachricht – Flughafensperrung wegen Drohnen, wie die Hannoversche Allgemeine berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Am 26. Dezember ist am Flughafen Hannover zwischen 21.47 Uhr und 0.16 Uhr kein einziges Flugzeug abgefertigt worden. Denn mindestens vier bis fünf Drohnen kreisten im Luftraum. Sieben Maschinen mussten ausweichen, zwei Flüge fielen komplett aus, heißt es beim NDR.(öffnet im neuen Fenster)

45 Minuten Verzögerung

Für das Organteam wurde es kritisch. Die Ärztin Theresa Holst, die das Herz im Auftrag der Deutschen Stiftung Organtransplantation begleitete, telefonierte mit der Bundespolizei. Eine Sondergenehmigung für den medizinischen Eilflug? Fehlanzeige. "Wir haben dadurch rund 45 Minuten verloren" , berichtete Holst dem NDR.(öffnet im neuen Fenster) . Bei Spenderherzen kommt es auf jede Minute an. "Wenn wir noch fünf Minuten länger hätten warten müssen, hätten wir das Herz wohl in die Tonne werfen müssen."

Der Grund: Durch Sauerstoffmangel entstehen bei zu langer Wartezeit irreversible Schäden am Herzmuskel. Das Organ wird unbrauchbar. In der Medizinischen Hochschule Hannover wartete bereits das OP-Team auf das Herz. Für den Patienten wäre der Ausfall fatal gewesen. Menschen auf der Warteliste von Eurotransplant sind schwer krank und erfüllen strenge Kriterien. Selbst in dringenden Fällen dauert die Wartezeit oft Monate, manchmal bis zu zwei Jahre. Immer wieder sterben Patienten, bevor ein passendes Organ verfügbar wird.

Rettung in letzter Sekunde

Als der Flughafen schließlich wieder freigegeben wurde, ging alles sehr schnell. Das Team startete dem Zeitungsbericht nach sofort, nach der Landung ging es mit Blaulicht zur MHH. Die Operation verlief erfolgreich. Woher das Spenderherz stammte, gab Holst aus Datenschutzgründen nicht bekannt – es darf keine Verbindung zwischen Spender und Empfänger entstehen.

"An die Drohnenflieger, die gestern Abend den Flughafen Hannover lahmgelegt haben: Wegen eurer Aktion wären wir beinahe nicht rechtzeitig bei unserem Patienten angekommen" , schrieb die Ärztin auf Instagram(öffnet im neuen Fenster) . Solche Aktionen gefährden zeitkritische medizinische Flüge und damit Menschenleben.

Ermittlungen laufen

Wer die Drohnen am zweiten Weihnachtstag starten ließ, ist noch unklar, heißt es in dem Zeitungsbericht. Die Bundespolizei ermittelt. Eine Sprecherin wollte sich zu den laufenden Untersuchungen nicht äußern. "Das Verhalten der Drohnenpiloten löst bei mir großes Unverständnis aus" , sagte Holst. Auch wenn vermutlich nicht davon auszugehen sei, dass die Piloten wussten, dass sie einen Organflug behinderten.


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