• IT-Karriere:
  • Services:

Hannover: Die Sommer-Cebit wird teuer

Die Cebit wird in den Sommer verlegt. Das ist ein mutiger, richtiger, aber auch riskanter Schritt. Noch ist nämlich völlig unklar, wer die Kosten für den Eventcharakter der Großveranstaltung tragen soll.

Ein IMHO von Nico Ernst veröffentlicht am
Cebit 2017
Cebit 2017 (Bild: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Wir haben uns nur um ein Jahr geirrt. Nach der ersten Cebit mit Schwerpunkt auf Fachbesucher schrieben wir, die nächste Messe werde entscheidend dafür sein, ob das Konzept weitergeführt werde: "Die nächste Cebit zählt." Gemeint war damit die Ausgabe 2015, tatsächlich war aber offenbar erst die Cebit 2016 trotz leicht gestiegener Besucherzahlen so alarmierend, dass der Veranstalter in diesem Jahr eine Konzeptänderung verkündet - und zwar nicht nur eine Rückkehr zur Zielgruppe der Privatbesucher, sondern auch eine Neuausrichtung. Die Messe rückt in den Sommer und soll mit Festivalflair neuen Charme entfalten. Das Konzept könnte funktionieren - aber nur wenn Aussteller, Land, Stadt und Branchenverbände bereit sind, dafür viel Geld auszugeben.

Tragen die Aussteller die Neuausrichtung mit?

Stellenmarkt
  1. Deutsche Welle, Bonn
  2. SIZ GmbH, Bonn

Mit wem man 2016 und 2017 auch sprach: Thema auf der Cebit sind nicht vor allem die dort gezeigten Innovationen - weil es zu wenige davon gibt -, sondern die Entwicklung der Messe an sich. Zahlreiche Unternehmen, die früher riesige Stände in den Entertainment-Hallen hatten, darunter MSI, bleiben inzwischen der Messe ganz fern. Selbst riesige Konzerne wie Microsoft sind jetzt nicht mehr mit einer eigenen großen Präsenz vertreten. Andere, wie Asus, schlüpfen unter das Dach eines Distributors und verstecken sich im strikt nur Fachbesuchern zugänglichen Bereich "Planet Reseller". Dieser Trend zum möglichst günstigen Partnerstand war schon in den vergangenen Jahren zu beobachten. Die Aussteller sparen also schon länger.

Mit dem neuen Konzept aber wird die Messe für sie teurer: Parallel zur Cebit sollen Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden - natürlich erst nach dem Ende der Ausstellungszeit um 18 Uhr. Messe-AG-Chef Oliver Frese spricht von "Eventcharakter", was zeigt, dass die Cebit auf ihre Kritiker hört, darunter Golem.de. Schon 2014 schrieben wir über die Messe: "Es ist dieser schwierige Spagat zwischen der Business-to-Business-Messe (...) und dem Event-Charakter, den jede Messe heute haben muss."

Die Frage ist nur, wer das bezahlen soll. Denkbar wäre, mit einem Cebit-Ticket auch vergünstigten Eintritt zu den Abendveranstaltungen zu geben. Dann könnten Fachbesucher den Rummel links liegen lassen, und für Konsumenten wären sowohl Messe als auch Konzertbesuch interessant. Dazu müssen die Aussteller dann aber doch wieder mehr Geld für imposante Stände, Showprogramme, Gewinnspiele und Werbegeschenke in die Hand nehmen, um die Messe wieder für Privatbesucher attraktiv zu machen. In den vergangenen drei Jahren war die Messe so konsequent auf Fachbesucher ausgerichtet, dass die als "Beutelratten" verspotteten Kugelschreibersammler kaum noch zu finden waren. Wenn die Konsumenten wieder bedient werden sollen, müssen die Aussteller das Risiko der erneuten Neuausrichtung mittragen.

Das bessere Wetter nutzen

Wünschenswert wäre das, denn der bunte Gemischtwarenladen, den die Cebit bis etwa 2010 darstellte, wo vom Bürostuhl über die CRM-Software bis zum Overclocking-PC alles zu finden war, hatte durchaus seinen Reiz. Es gab schlicht für jeden Technikinteressierten etwas zu entdecken, auch wenn die Messe und die Region Hannover mit in der Spitze rund 800.000 Besuchern deutlich an ihre Grenzen stießen. Solche Besucherzahlen lassen sich mit egal wie großem Aufwand sicher nicht mehr erreichen, dazu gibt es inzwischen zu viele verschiedene Events, an denen man auch per Livestream teilhaben kann.

Das Problem, dass die Cebit zwischen den in chronologischer Reihenfolge jedes Jahr stattfindenden Veranstaltungen CES, MWC, Computex, Gamescom und Ifa wie eingekeilt erscheint, löst auch der neue Termin nicht. Aber er bietet die Chance, das im Juni deutlich bessere Wetter zu etwas zu nutzen, an das sich noch kein großer Veranstalter von Businessevents in Deutschland gewagt hat: ein Festival.

Dieses Wort verwendet nun auch die Messe AG und spricht damit aus, dass sie verstanden hat, warum vergleichsweise neue Events wie die SXSW im texanischen Austin so erfolgreich sind. Es liegt an der Mischung aus Technik, Messe, Konferenzprogramm und Kultur. Das ist kein wildes Sammelsurium, sondern bringt Menschen zusammen, die sich für Technik, ihre kreative Anwendung und auch ihre Auswirkungen begeistern können oder sie kritisch betrachten wollen. Und das macht den Spaß, den auch die neue Cebit endlich wieder machen soll. Aber das ist eben auch ein teurer Spaß.

Von der größten Technikmesse zum größten Technikfestival?

Es scheint am Tag nach der Ankündigung eines neuen Konzepts für die Cebit nur eine Möglichkeit zu geben: Das Land Niedersachsen, die Stadt Hannover und sämtliche Branchenverbände müssen sich auch finanziell dafür einsetzen, die Cebit zu etwas zu machen, was sie noch nie war. Die Cebit war nicht nur die größte Computermesse, sondern schlicht die größte Messe der Welt. Warum soll daraus nicht das größte Technikfestival werden? Es bleibt ein Jahr Zeit, auch die Games-, Netz- und Nerdkultur dabei einzubinden. Und das kann nur der Anfang sein.

Wenn die Cebit wieder wachsen soll, muss sie sich gegenüber vielen Aspekten öffnen, die sie lange missbilligt und bisweilen sogar bekämpft hat - eine Fehlentscheidung, denn am Ende des Tages ist jeder Fachbesucher auch Konsument. Das lässt sich nutzen. Man muss es nur wirklich wollen. Viele weitere Chancen wird die Cebit nach der jetzigen Kehrtwende nicht mehr haben. Und es wäre schade, wenn es sie einmal nicht mehr geben würde. Das Schicksal der eingestellten Messen Systems (München) und Comdex (Las Vegas) hat die Cebit nicht verdient.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de

MeinSenf 25. Mär 2017

Wer die seltsamen Gestalten an den Passkontrollen dieser inneren Veranstaltung gesehen...

LordSiesta 24. Mär 2017

Ich meinte eher das Wetter. Bei über 30 Grad in langen Hosen rumzustehen dürfte nicht...

LinuxMcBook 24. Mär 2017

Es gibt eine ganze Halle nur für Firmen, die Mitarbeiter suchen...

LinuxMcBook 24. Mär 2017

Wenn es nicht mehr gefühlt je 100 Aussteller mit einem 1x1 Meter Stand gibt, dann bin...

TC 23. Mär 2017

Huch? Ich bin letzes Jahr völlig spontan am vorletzen Tag auf die IMH und es gab noch...


Folgen Sie uns
       


Apple TV Plus ausprobiert

Wir haben uns Apple TV+ auf einem Apple TV angeschaut. Apples eigener Abostreamingdienst lässt viele Komfortfunktionen vermissen.

Apple TV Plus ausprobiert Video aufrufen
Kaufberatung (2020): Die richtige CPU und Grafikkarte
Kaufberatung (2020)
Die richtige CPU und Grafikkarte

Grafikkarten und Prozessoren wurden 2019 deutlich besser, denn AMD ist komplett auf 7-nm-Technik umgestiegen. Intel hat zwar 10-nm-Chips marktreif, die Leistung stagniert aber und auch Nvidia verkauft nur 12-nm-Designs. Wir beraten bei Komponenten und geben einen Ausblick.
Von Marc Sauter

  1. SSDs Intel arbeitet an 144-Schicht-Speicher und 5-Bit-Zellen
  2. Schnittstelle PCIe Gen6 verdoppelt erneut Datenrate

Kailh-Box-Switches im Test: Besser und lauter geht ein klickender Switch kaum
Kailh-Box-Switches im Test
Besser und lauter geht ein klickender Switch kaum

Wer klickende Tastatur-Switches mag, wird die dunkelblauen Kailh-Box-Schalter lieben: Eine eingebaute Stahlfeder sorgt für zwei satte Klicks pro Anschlag. Im Test merken unsere Finger aber schnell den hohen taktilen Widerstand.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Keychron K6 Kompakte drahtlose Tastatur mit austauschbaren Switches
  2. Charachorder Schneller tippen als die Tastatur erlaubt
  3. Brydge+ iPad-Tastatur mit Multi-Touch-Trackpad

Support-Ende von Windows 7: Für wen Linux eine Alternative zu Windows 10 ist
Support-Ende von Windows 7
Für wen Linux eine Alternative zu Windows 10 ist

Windows 7 erreicht sein Lebensende (End of Life) und wird von Microsoft künftig nicht mehr mit Updates versorgt. Lohnt sich ein Umstieg auf Linux statt auf Windows 10? Wir finden: in den meisten Fällen schon.
Von Martin Loschwitz

  1. Lutris EA verbannt offenbar Linux-Gamer aus Battlefield 5
  2. Linux-Rechner System 76 will eigene Laptops bauen
  3. Grafiktreiber Nvidia will weiter einheitliches Speicher-API für Linux

    •  /