Handy und Internet: Kunden ärgern sich über neue O2-App

Anmeldeprobleme und eine träge reagierende App sind nicht die einzigen Dinge, die O2-Kunden an der neuen App stören. Kunden mit mehreren SIM-Karten zu einem Tarif erhalten nicht mehr die Informationen, die sie gerne möchten, und bei der Buchung von Prepaid-Guthaben soll es ebenfalls nicht rundlaufen. Telefónica veröffentlichte Mitte Februar 2024 eine neue App zur Verwaltung von Verträgen sowie zur Konfiguration und für Informationen zu Tarifen.
Unmittelbar nach dem Erscheinen der App gab es in Apples App Store(öffnet im neuen Fenster) , in Googles Play Store(öffnet im neuen Fenster) sowie in etlichen(öffnet im neuen Fenster) O2-Foren(öffnet im neuen Fenster) Fehlerberichte von Kunden. Fehlerberichte werden laut Telefónica an die zuständigen Abteilungen weitergeleitet. Dennoch hat sich nach fast drei Monaten kaum etwas gebessert. Bis Ende April 2024 war es noch möglich, die alte O2-App zu verwenden, die wurde allerdings von Telefónica abgeschaltet, ohne alle Funktionen der alten App auch in der neuen O2-App anzubieten.
Die Abschaltung der alten App begründete ein Unternehmenssprecher Golem.de folgendermaßen: "Im Rahmen der digitalen Transformation von O2 Telefónica und der weiteren Verbesserung unserer konvergenten Omnichannel-IT sind in verschiedenen Prozess- und Infrastrukturbereichen Neuerungen erforderlich, um noch bessere und individuellere Kundenerlebnisse zu bieten."
Telefónica findet die neue O2-App besser
Telefónica selbst gibt an, dass die neue O2-App "mehr und bessere Funktionen" bieten würde. Außerdem sollen Kunden "schneller und einfacher" Funktionen und Einstellungen finden und vornehmen können. Etliche Kunden beklagen das genaue Gegenteil: Sie kritisieren, dass Funktionen nicht mehr zu finden seien und diese nur mühsam aufgerufen werden könnten. Kunden wünschen sich auch aus diesem Grund die alte O2-App zurück.
Kunden beklagen Anmeldeprobleme, so dass sie die App gar nicht mehr nutzen könnten. Laut Telefónica-Kundendienst sollen solche Probleme behoben werden können, indem der Standard-Browser geändert wird, der vom Kundendienst mehrfach falsch als Standart(!sic)-Browser aufgeschrieben wurde. Ein Telefónica-Sprecher sagte dazu: "Die neue App verwendet den Custom Tab Mechanismus zur Darstellung von Webviews. Diese Technik wird von den gängigen Browsern unterstützt."
O2-App lädt mitunter langsam
In eigenen Tests von Golem.de zeigte sich, dass die einzelnen Bereiche der App immer wieder langsam oder eben auch gar nicht laden. Ein Unternehmenssprecher räumte ein, dass es in "der Anfangszeit" "teilweise zu längeren Ladezeiten" gekommen sei. "Unsere aktuellen Daten zeigen eine sehr gute Performance der neuen App" , so das Unternehmen.
Weggefallen sind sehr viele Informationen rund um den Datenverbrauch vor allem im Zusammenspiel mit mehreren SIM-Karten. In der alten App wurde angezeigt, wie viele Tage bis zum Ende des Abrechnungszeitraums verbleiben. Außerdem gab es eine Schätzung des Datenvolumens im laufenden Abrechnungszeitraum, was Kunden half, besser abzuschätzen, ob das ungedrosselte Datenvolumen ausreichen wird. Diese Informationen wurden alle ersatzlos gestrichen, wie Golem.de bestätigen kann. Es ist nicht bekannt, ob Telefónica diese Funktionen in die neue App integrieren wird.
Weniger Informationen zu mehreren SIM-Karten
Wer einen O2-Tarif mit Connect-Option besitzt und mehrere SIM-Karten damit nutzt, hatte in der alten App eine Übersicht des Datenverbrauchs der einzelnen SIM-Karten. Diese Ansicht gibt es nach Recherchen von Golem.de in der neuen App gar nicht mehr. Laut Telefónica-Kundendienst soll diese Ansicht zu einem späteren Zeitpunkt auch in der neuen O2-App nutzbar sein. Seit drei Monaten wurde dieses Versprechen nicht eingelöst und es ist unklar, wie lange es noch dauern wird, bis die Funktion nachgereicht wird.
Ein Unternehmenssprecher räumt auf Nachfrage ein, dass in der neuen O2-App Funktionen fehlten, dabei würde es sich aber nur um "wenige kleinere Funktionen" handeln. In der Ankündigung zur neuen O2-App fehlt jeder Hinweis dazu(öffnet im neuen Fenster) , dass Funktionen fehlen würden. Das Unternehmen würde "kontinuierlich" die Rückmeldungen der Kundschaft berücksichtigen, um die App zu verbessern.
Zu den weiteren berichteten Einschränkungen gehört, dass die neue App nicht mehr alle Verträge etwa zu Partnerkarten anzeigt. Die Buchung von Datenvolumen funktioniere nicht und die Nutzung des Priority-Bereichs sei nur möglich, indem sich Kunden jedes Mal neu anmelden müssen. Das Einsehen von PIN und PUK sei abgeschaltet worden und Prepaid-Aufladungen sind umständlicher als in der alten App realisiert. Viele der fehlenden Funktionen in der neuen O2-App sind über die O2-Webseite weiterhin verfügbar.
Nachtrag vom 4. Juli 2024
Die neue O2-App erlaubt auf Android-Geräten standardmäßig keine Screenshots mehr. Diese können zwar erstellt werden, sind aber nur schwarz und enthalten keine Daten der App. Telefónica erklärte Golem.de dazu auf Nachfrage, dass sich die Screenshot-Funktion wieder aktivieren lässt: Dazu muss in den Profileinstellungen der O2-App in den Sicherheitseinstellungen die Aufnahme von Screenshots und Videoaufnahmen genehmigt werden.



