• IT-Karriere:
  • Services:

Handelskrieg: Zartbittere Zeiten für Chinas Technikbranche

"Bitterkeit essen" heißt es in China, wenn schlechte Zeiten überstanden werden müssen. Doch so schlimm wie Donald Trump es darstellt, wird der Handelskrieg mit den USA für Chinas Technikbranche wohl nicht werden.

Eine Analyse von Finn Mayer-Kuckuk veröffentlicht am
Chinas Staatspräsident Xi Jinping wird im Handelskrieg mit China nicht allzu viel Bitterkeit essen müssen.
Chinas Staatspräsident Xi Jinping wird im Handelskrieg mit China nicht allzu viel Bitterkeit essen müssen. (Bild: FREDERIC J. BROWN/AFP via Getty Images)

Als sich die USA Anfang 2017 im Handelskrieg gegen China positionierten, zeigte sich die Regierung in Peking selbstbewusst und zuversichtlich - nach außen hin. Doch im Gebäude des zentralen Planungsministeriums NDRC herrschte Alarmstimmung, wie sich chinesische Wirtschaftsjournalisten heute erzählen. Denn den Beamten der Technikabteilungen war klar, was jeder Chef eines chinesischen Technikkonzerns bestätigen konnte: Die eigene Produktion war und ist in erschreckendem Maße auf Hard- und Software aus den USA angewiesen.

Inhalt:
  1. Handelskrieg: Zartbittere Zeiten für Chinas Technikbranche
  2. China hat große Ressourcen
  3. So bitter wird es nicht werden

Das betrifft nicht nur das vielzitierte Beispiel Huawei, sondern die ganze Branche. China importiert 84 Prozent seiner Chips. Von den 16 Prozent, die aus dem Inland kommen, ist rund die Hälfte von ausländischen Firmen wie Samsung oder Intel vor Ort hergestellt. Bleiben acht Prozent aus unangreifbar eigener Fertigung. Ein lächerlicher Anteil für den größten Elektrostandort der Welt. Auch Firmen wie Hikvision, einer der Weltmarktführer für Überwachungskameras, oder BBK Electronics (Oneplus, Oppo, Vivo), einer der größten Smartphonehersteller der Welt, droht ein Totalausfall, falls die Amerikaner ihre Lieferungen einstellen.

Der Ansatz von US-Präsident Donald Trump liegt also nahe - zumindest aus Sicht eines harten Verhandlers aus der Immobilienbranche: Indem er den chinesischen Unternehmen das entzieht, was sie dringend brauchen, könnte er sie gefügig machen. Als Nebeneffekt würde er die Entwicklungspläne des asiatischen Aufsteigers torpedieren. Schließlich wagte sich die Planungsbehörde in den vergangenen Jahren mit ehrgeizigen Zielen vor.

Die National Development and Reform Commission, so der volle Name des Ministeriums, hatte ursprünglich 2049 als das Jahr angepeilt, in dem China mit den westlichen Ländern im Wesentlichen gleichzieht. Ein wichtiger Meilenstein wäre dann 2025 liegen, wenn sich bereits konkrete Ergebnisse der Aufwertung zeigen sollen. Das Programm mit dem Namen Made in China 2025 musste für die Befürworter von "America First" um Trump wie eine Drohung klingen. Sie stehen nicht allein da. Auch die deutsche Industrie diskutiert heftig, was technische Eigenständigkeit der Chinesen für ihre Stellung im globalen Wettbewerb bedeuten würde.

Stellenmarkt
  1. Schweizerische Bundesbahnen SBB, Bern (Schweiz)
  2. Wilhelm Reuss GmbH & Co. KG, Berlin

Doch Trump hat bei seinem Angriffsplan in mehrfacher Hinsicht nicht mit den chinesischen Firmen gerechnet. Einerseits geht es einem guten Teil der Technikbranche weiterhin glänzend, denn sie stützt sich auf einen riesigen Binnenmarkt mit zahlungskräftigen, loyalen Kunden. Andererseits könnte der Druck aus den USA die technologische Aufholjagd der Chinesen beschleunigen, statt sie aufzuhalten. Präsident Xi Jinping hat bereits ein Milliardenprogramm für "mehr Eigenständigkeit" angekündigt. Zwar wird in absehbarer niemand die USA überholen. Doch zunächst geht es nur darum, funktional die nötigen Fähigkeiten zu entwickeln, die für eine Mehrheit der Produkte erforderlich sind.

Die USA dominieren bei Technik

Die Technikdominanz der USA ist ebenso deutlich sichtbar wie fest verankert. Unter den 100 wichtigsten Unternehmen der IT-Branche kommen 65 aus den USA. Die modernsten Prozessoren stammen von Intel, AMD und Nvidia, Spezialchips von Qualcomm; Software kommt von Microsoft, Oracle oder Google; Facebook und Twitter sind die global tonangebenden Sozialnetze; Apple wiederum hat längst eine exzellente vertikale Integration umgesetzt - sprich Hardware und Software aus einer Hand.

Zwar hat China heute durchaus eine aufstrebende Halbleiterfertigung durch Foundries wie SMIC und HLMC, doch der Schwerpunkt liegt auf günstiger Massenware wie Speicherchips in vergleichsweise geringen Mengen. Es ist kein Wunder, dass das Land hier hinterherhinkt. Als bei Texas Instruments und Intel in den 60er Jahren die ersten Chips auf Basis von Silizium-Halbleitern entstanden, arbeitete sich China an der Kulturrevolution ab und trieb die verbliebenen Mathematik-Professoren als Volksfeinde durch die Straße.

Nach dem Ende der ideologischen Periode in den späten 70er Jahren stand die naturwissenschaftliche Ausbildung an Chinas Universitäten auf deutschem Oberstufenniveau. Informatik existierte als Fach praktisch nicht. Es ist eher ein Wunder, wie schnell Chinas Tüftler nach diesen politischen Rückschlägen wieder aufgeholt haben.

Nicht nur China hinkt hinterher

Auch Länder, die keine solchen Nachteile hatten, sind heute weit vom US-Niveau entfernt. Selbst Japan, Heimat von Weltmarktführern wie Renesas, Toshiba oder Sony, kann bei weitem nicht alles selbst und nutzt Prozessoren von Intel und Handy-Chips von Qualcomm. Das stolze Technikland Deutschland hat kaum noch eigene Halbleiterfertigung, zu den wenigen Ausnahmen gehört Bosch mit der neuen RB300-Fab, denn Globalfoundries in Dresden ist kein deutsches Unternehmen. Ein Lieferstopp durch China oder die USA würde hierzulande einen wesentlichen Teil der Fabriken zum Stillstand bringen, schließlich gibt es kein hochentwickeltes Produkt mehr ohne logische Steuerung.

China steht also unter gewaltigem Druck, die eigene Halbleiterindustrie in möglichst kurzer Zeit von der Mittelklasse auf die untere Oberklasse aufzuwerten. Das ist schwer - wirklich schwer, weil die Technik dazu wirklich haarig ist. Doch wenn ein Land so eine Aufgabe stemmt, dann China. Die Instrumente aus staatlicher Förderung und Steuerung sowie privatem Unternehmergeist und der Mobilisierung von Fachkräften sind längst erprobt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
China hat große Ressourcen 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Hardware-Angebote

elidor 22. Nov 2019

Auch bei Software ist Deutschland auf dem Weltmarkt nicht ganz uninteressant. Teamviewer...

ultim 12. Nov 2019

Ich bin gerade von einer großen Reihe von Firmenbesuchen in Kina zurückgekommen. Wir...

axotier 12. Nov 2019

Tencent hat 2012/2013 48,4% der ausstehenden Shares an Epic Games gekauft. Seitdem halten...

Ipa 12. Nov 2019

Dafür stürzen die Verkäufe schon Monate zuvor auf ein Rekordtief weil die Leute auf die...

davidflo 11. Nov 2019

... und ich dachte in China essen sie Hunde(suppe)! SCNR :)


Folgen Sie uns
       


Mario Kart Live - Test

In Mario Kart Live fährt ein Klempner durch unser Wohnzimmer.

Mario Kart Live - Test Video aufrufen
Vivo X51 im Test: Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera
Vivo X51 im Test
Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera

Das Vivo X51 hat eine gute Kamera mit starker Bildstabilisierung und eine vorbildlich zurückhaltende Android-Oberfläche. Der Startpreis in Deutschland könnte aber eine Herausforderung für den Hersteller sein.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Software-Entwicklung Google veröffentlicht Android Studio 4.1
  2. Jetpack Compose Android bekommt neues UI-Framework
  3. Google Android bekommt lokale Sharing-Funktion

CalyxOS im Test: Ein komfortables Android mit einer Extraportion Privacy
CalyxOS im Test
Ein komfortables Android mit einer Extraportion Privacy

Ein mobiles System, das sich für Einsteiger und Profis gleichermaßen eignet und zudem Privatsphäre und Komfort verbindet? Ja, das geht - und zwar mit CalyxOS.
Ein Test von Moritz Tremmel

  1. Alternatives Android im Test /e/ will Google ersetzen

Philips-Leuchten-Konfigurator im Test: Die schicke Leuchte aus dem 3D-Drucker
Philips-Leuchten-Konfigurator im Test
Die schicke Leuchte aus dem 3D-Drucker

Signify bietet mit Philips My Creation die Möglichkeit, eigene Leuchten zu kreieren. Diese werden im 3D-Drucker gefertigt - und sind von überraschend guter Qualität. Golem.de hat eine güldene Leuchte entworfen.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Smarte Leuchten mit Kurzschluss Netzteil-Rückruf bei Philips Hue Outdoor
  2. Signify Neue Lampen, Leuchten und Lightstrips von Philips Hue
  3. Signify Neue Philips-Hue-Produkte vorgestellt

    •  /