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Handelskrieg: Gedrosselte Hardware für China gegen US-Beschränkungen

Nvidia, Alibaba und Biren versuchen, ihre Chips an US-Handelsbeschränkungen anzupassen. Dafür beschneiden sie deren Leistung.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
In China verkauft Nvidia nur noch eine langsamere Variante des A100-Beschleunigers, um US-Handelsbeschränkungen einzuhalten. (Bild: Nvidia, Flickr; Montage: Golem.de)

Nach der letzten Runde an Handelsbeschränkungen (g+) darf aktuelle Hardware nicht mehr nach China importiert werden, chinesische Hersteller haben Probleme, ihre Chips im Ausland fertigen zu lassen. Um trotzdem bereits fertig entwickelte und in Taiwan gefertigte Chips nutzen zu können, sollen Unternehmen wie Alibaba oder Biren nun deren Leistung drosseln.

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Denn obwohl Chips wie Birens BR100 nicht in den USA gefertigt werden, ist Hersteller TSMC gezwungen, sich an die Handelsbeschränkungen zu halten. Andernfalls riskiert der weltweit größte Auftragsfertiger, selbst auf einer Sanktionsliste des US-Handelsministeriums zu landen und Zugang zu US-Technologie zu verlieren.

Und diese Liste ist der Hebel, mit dem die US-Regierung chinesischen Firmen die Fertigung ihrer Produkte in Taiwan unmöglich machen will: Jedes Produkt, für dessen Herstellung US-Technologie genutzt wird, unterliegt den Beschränkungen, ohne US-Technologie sind moderne Halbleiter nicht zu fertigen.

Laut dem oben verlinkten Bericht von Ars Technica soll Biren die Verbindung zwischen zwei GPUs verlangsamt haben: Statt 640 GByte/s soll sie nur noch 576 GByte/s übertragen. Das US-Handelsministerium hat 600 GByte/s, bidirektional und über alle Schnittstellen als zulässige Grenze für den Export nach China festgelegt. Darüber hinaus müsste Biren aber auch die Rechenleistung seines Chips deutlich verringern: Bei 8-Bit-Integern soll der 2.000 Teraops erreichen, die US-Regierung erlaubt lediglich 600.

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Gedrosselte Nvidia-GPUs für China

Auch US-Unternehmen schränken ihre Hardware ein, um den chinesischen Markt nicht ganz aufgeben zu müssen: So bietet Nvidia in China neuerdings eine A800 getaufte Rechengrafikkarte an. Auch wenn der Name nach mehr Leistung klingt, handelt es sich um eine abgespeckte A100. Die Spezifikation des Exportmodells ist, bis auf ein Detail, gleich – NVLink überträgt Daten zwischen zwei Karten nur mit 400 GByte/s statt 600 GByte/s.

Ob eine nachträgliche Beschränkung der Übertragungsrate zwischen zwei Chips genügt, um die US-Beschränkungen zu umgehen, ist allerdings fraglich. Denn auch die A800 würde, sofern nicht auch die Rechenleistung beschnitten wurde, mit 624 Int-8-Terops zu schnell rechnen. Zudem ist unklar, ob die Veränderungen permanent sind oder rückgängig gemacht werden können.

Letzteres würde die US-Regierung wohl kaum akzeptieren und mit weiteren Verschärfungen der Exportbeschränkungen reagieren. Denkbar ist noch, die Entwurfssoftware weiter einzuschränken. Aktuell ist nur Software für den Entwurf von Schaltungen mit Gate-all-around-Fets (GAAFETs) von den Exportbeschränkungen betroffen. Denkbar wäre eine Erweiterung auf alle nicht-planaren Transistorarchitekturen, also auch Finfets. Die sind aktuell bereits bei Maschinen für die Halbleiterfertigung erfasst.