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Handelskrieg: ASML darf weiter Maschinen nach China liefern

Die USA wollen China von moderner Chipfertigung abschneiden. Die niederländische Regierung aber stellt Bedingungen, ASML profitiert.
/ Johannes Hiltscher
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Geht es nach der US-Regierung, fliegen ASMLs Maschinen bald nicht mehr nach China. (Bild: ASML)
Geht es nach der US-Regierung, fliegen ASMLs Maschinen bald nicht mehr nach China. Bild: ASML

Eigentlich will die US-Regierung chinesischen Unternehmen wie der Shanghai Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) den Zugang zu moderner Halbleiterfertigung unmöglich machen. Mit der jüngsten Verschärfung der Handelsbeschränkungen (g+) sollten auch Immersionslithografiesysteme nicht mehr nach China exportiert werden dürfen. Vorbereitet hat die US-Regierung dies bereits länger , doch die niederländische Regierung will nicht einfach mitmachen(öffnet im neuen Fenster) .

Denn für das niederländische Unternehmen ASML würde damit ein durchaus wichtiger Markt wegbrechen: Je nach Anzahl gelieferter Maschinen macht ASML zwischen 10 und 20 Prozent seines monatlichen Umsatzes in China – ausschließlich mit den deutlich günstigeren DUV-Belichtern. Damit ist China für ASML das drittwichtigste Exportland nach Taiwan und Südkorea.

Die DUV-Belichtungsmaschinen, die aktuell Streitpunkt zwischen den USA und den Niederlanden sind, eignen sich zumindest für halbwegs aktuelle Fertigungsprozesse. SMIC hat damit einen 7-nm-Prozess aufgebaut , nachdem bereits TSMC zuvor für seinen ersten 7-nm-Prozess beim fernen UV-Licht blieb . Bereits hier wird allerdings die Belichtung mit extrem ultraviolettem (EUV) Licht ökonomisch interessant, bei noch kleineren Strukturen unverzichtbar. EUV-Belichter darf ASML bereits seit 2019 nicht mehr nach China liefern .

Starke Verhandlungsposition

Die niederländische Regierung weiß, dass sie ihre Kooperation mit Forderungen an die USA verbinden kann: "Die USA können uns solche Änderungen nicht einfach aufzwingen. An diesen Gesprächen beteiligen wir uns souverän" , sagte Handelsministerin Liesje Schreinemacher der niederländischen Zeitung NRC Handelsblad.

Denn auch die USA sind auf ASMLs Maschinen angewiesen: Ohne EUV-Belichtung sind bereits aktuelle Prozessknoten undenkbar. Die Drohung, nicht kooperative Unternehmen auf eine Sanktionsliste zu setzen, ist im Fall von ASML ziemlich hohl: Außer den Niederländern kann niemand diese Maschinen bauen, Intels neuen Fabs etwa in Ohio würde das wichtigste Werkzeug fehlen. Wie die niederländischen Forderungen aussehen, sagte Schreinemacher nicht, die USA wollen allerdings zeitnah weiterverhandeln(öffnet im neuen Fenster) .

Selbst wenn ASML dann seine Exporte nach China weiter einschränken muss, wird das Unternehmen dies verschmerzen können: ASML hat Mühe, die eingehenden Bestellungen abzuarbeiten , trotz Rezession wird weiteres Wachstum erwartet . Ein fast vollständiges Wegbrechen des chinesischen Marktes würde das anhaltende Wachstum lediglich dämpfen.


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