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Halo 5 Guardians im Test: Ballerorgie statt episches Abenteuer

Der Master Chief ist ein Verräter, altbekannte außerirdische Schnattermonster und ihre schweren Brüder greifen wieder an: In Halo 5 Guardians tobt erneut ein galaktischer Krieg – bei dem die Armeen beider Seiten aber oft wegen Kleinkram wie ungenügenden Munitionsmagazinen vor Problemen stehen.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Halo 5 Guardians (Bild: Microsoft)
Artwork von Halo 5 Guardians Bild: Microsoft

Sehr viel wissen wir nicht über den Master Chief. Er trägt gerne Rüstung, heißt eigentlich John-117, ist angeblich rund 30 Jahre alt und natürlich die Hauptfigur der Halo-Serie. Kann dieser hochdekorierte Kriegsheld, der im Auftrag des United Nations Space Command immer wieder sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, ein Verräter sein? In Halo 5 Guardians gibt es diesen Verdacht!

Unser Job ist es je nach Mission, entweder als Master Chief zusammen mit den drei Spartan-Supersoldaten Linda, Kelly und Fred unsere eigenen Ziele zu verfolgen... Oder in der Rolle eines gewissen Jameson Locke zusammen mit ebenfalls drei Elitekriegern den Master Chief und sein Team zu verhaften. In Guardians steuern wir Locke in etwas mehr als der Hälfte der Einsätze, den Master Chief im Rest – spürbare Unterschiede zwischen den beiden gibt es aber nicht.

Halo 5 Guardians – Fazit
Halo 5 Guardians – Fazit (01:53)

Über die Handlung der Kampagne wollen wir hier keine weiteren Details verraten – dabei gibt es bis auf das Finale eigentlich keine allzu großen Überraschungen. Wer übrigens die Ereignisse aus den Vorgängerspielen nicht mehr im Gedächtnis hat, darf mit Verständnisschwierigkeiten rechnen. Die Zwischensequenzen protzen zwar mit schicker Grafik und sehenswerten Effekten, aber das Storytelling wirkt über weite Strecken wirr und unmotiviert. Kaum eine der vielen Figuren wird auf interessante Art vorgestellt.

Seltsamerweise gilt das ausgerechnet für die Feinde nicht: Ein Teil der außerirdischen Monster, die sich im Verlauf der Kampagne auf den Master Chief oder auf Locke stürzen, sind bereits aus den Vorgängern bekannt. Natürlich gibt es wieder die lustig schnatternden Covenants, die mit Minen in den Ärmchen auf uns zu watscheln – nur, dass die Biester in Guardians wesentlich detailreicher aussehen und um Lichtjahre besser animiert sind als bei ihrem Auftritt im ersten Halo.

Auch die Aliens mit Schutzschilden sind wieder dabei, dazu kommen dann aber auch ein paar neue und vor allem einige härtere Gegner, mit denen wir uns teils lange Feuergefechte liefern. Die teils groß angelegten Massenschlachten gehören zu den Stärken von Halo 5. Wie in den Vorgängern oder in Destiny können wir nicht stur in einer Ecke lauern. Wir müssen uns ständig bewegen, Minen und sonstigen Nachschub sammeln, den feindlichen Schüssen ausweichen und eine gute Feuerposition suchen – am besten alles gleichzeitig. Klasse!

Wir finden die Kämpfe spannend, aber in einem Punkt sind wir mit dem Spieldesign nicht ganz einverstanden: Die Waffen – ein großer Teil ist aus den Vorgängern übernommen worden – haben immer noch recht kleine Magazine. Das führt dazu, dass wir in den größeren Kämpfen ständig nach herumliegenden Kanonen mit Restmunition suchen müssen. Auf Dauer ist das nervig.

Master Chief kann Klimmzüge

Alternativ dazu können wir die Feinde im Nahkampf mit einem Fausthieb ausschalten oder den neuen Donnerknall auf den Boden verwenden – was angesichts der hochgerüsteten Armeen auf beiden Seiten aber irgendwie nicht so recht ins Szenario passen mag. Neu ist übrigens auch, dass wir uns an Felsvorsprüngen oder Ähnlichem emporziehen können, was etwas mehr Flexibilität beim Leveldesign erlaubt hat.

Halo 5 Guardians – Trailer (Launch)
Halo 5 Guardians – Trailer (Launch) (02:53)

Die Einsätze der rund acht Stunden langen Kampagne sind meist linear angelegt. Wir sind in Tunnelsystemen unterwegs, aber auch in Raumschiffen und auf sehenswerten vereisten und grünen Planetenoberflächen. Ab und zu dürfen wir in Vehikel wie den Banshee-Gleiter oder den Warthog-Jeep klettern und selbst steuern. Gelegentlich gibt es kleine Besonderheiten wie eine Armada versteckter Scharfschützen, die wir nach und nach ausschalten müssen – aber meist ist Ballern pur angesagt.

Wenn wir zu viele Treffer eingesteckt haben, hilft uns übrigens auf Knopfdruck und mit etwas Glück einer unserer Kollegen wieder auf die Beine. Nur wenn unser Alter Ego von Feinden umstellt ist oder alle unsere Begleiter ebenfalls ausgeschaltet sind, müssen wir vom letzten Checkpoint neu anfangen. Das ist übrigens ebenso wie die vier Schwierigkeitsgrade recht fair – erst die beiden höheren sind dann tatsächlich für erfahrene Spieler.

Neben dem Einzelspielermodus bietet Halo 5 einen sehr umfangreichen Multiplayermodus. Ein Highlight ist die Möglichkeit, in der Kampagne nicht mit den computergesteuerten drei Kameraden, sondern mit menschlichen Mitstreitern anzutreten. Viele Umgebungen sind darauf ausgelegt, dass sich das Team dann etwa zu verschiedenen Positionen vorarbeitet, um die KI-Gegner von dort aus unter Beschuss zu nehmen. Schade: Einen Splitscreenmodus gibt es in Halo 5 gar nicht mehr, sondern nur noch Multiplayer per Internet und mit (bezahltem!) Gold-Abo bei Xbox Live.

Die kompetitiven Multiplayermodi hat das Entwicklerstudio 343 Industries(öffnet im neuen Fenster) in zwei Bereiche unterteilt. Zum einen gibt es unter "Arena" Spielarten wie Team Arena, Jeder gegen Jeden und Ausbruch. Zum anderen gibt es die neuen "Kriegsgebiete": Dabei handelt es sich um Schlachten mit 18 bis 24 Teilnehmern, die auf bislang drei Karten um die Macht und damit um Punkte kämpfen.

Das Besondere ist, dass neben den beiden von Menschen gelenkten Teams noch eine dritte, von der KI gesteuerte Fraktion auf dem Schlachtfeld mitmischt. Wir fanden die Kämpfe beim Anspielen sehr gelungen und würden uns nicht wundern, wenn sich der Modus langfristig etabliert. Der Editor für neue Maps – also die Schmiede – soll übrigens im Dezember 2015 als Download für die Xbox One erscheinen.

Grafik und Fazit

Die Grafik macht einen guten Eindruck. Halo 5 läuft nach Angaben der Entwickler durchgehend mit einer Bildrate von 60 fps – wenn auf dem Bildschirm viel los ist, skaliert dafür die intern verwendete Auflösung nach unten. Ruckler wegen Überforderung der CPU haben wir nicht festgestellt.

Halo 5 Guardians – Trailer (Schmiede)
Halo 5 Guardians – Trailer (Schmiede) (01:41)

Dafür gab es ganz selten Wartepausen beim Nachladen von Daten, wenn wir in neue Bereiche gewechselt sind – wir fanden das nicht sehr problematisch. Eher gestört hat uns, dass weit entfernte Objekte und Gegner mit sichtlich weniger Polygonen dargestellt werden, was in Guardians tatsächlich recht stark auffällt.

Halo 5 Guardians ist exklusiv für die Xbox One erhältlich und kostet rund 60 Euro. Die Entwickler hatten einige Tage vor Veröffentlichung vage Andeutungen über eine PC-Version gemacht – Publisher Microsoft hat dann aber klargestellt, dass es keine Umsetzung geben wird. Hierzulande erscheint das Spiel vollständig lokalisiert, die englische Tonspur befindet sich aber ebenfalls auf der Disc und kann über die Regionaleinstellungen aktiviert werden. Das Spiel hat von der USK eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit

Früher haben wir in Halo die Menschheit gerettet, in Teil 5 geht es eher um so etwas wie das polizeiliche Führungszeugnis des Master Chief – jedenfalls, wenn wir die schwach erzählte Handlung richtig verstanden haben. Story und Kampagne von Guardians sind aus Sicht von Einzelspielern eine kleine Enttäuschung. Epische Momente gibt es selten und wenn, dann meist in Zwischensequenzen. Wir hätten es auch spannender gefunden, grundsätzlich den Master Chief zu steuern und etwa wirklich auf einer Flucht zu sein.

Die Massenkämpfe gegen teils Dutzende von Feinden machen wegen der schicken Effekte und des interessanten Gegnerverhaltens viel Spaß – hier entfaltet Halo oft seine wahre Stärke. Allerdings sind auch die Gefechte kein ganz ungetrübtes Vergnügen. Uns stört zum Beispiel, dass wir zu oft über das Schlachtfeld rennen und Waffen mit Munition suchen müssen statt heldenhaft zu kämpfen – für die großen Gegnermengen und Areale sind die Magazine zu klein.

Ein Lob haben sich die Entwickler allerdings dafür verdient, dass die Kampagne von Halo 5 auch zu viert im Koop spielbar ist. Die großen und oft verwinkelten Umgebungen sind prima für eingespielte Teams ausgelegt und erlauben vielfältige Vorgehensweisen. Allerdings dürfte das längst nicht alle Fans für den entfallenen Splitscreen-Modus entschädigen.

Davon abgesehen macht der Multiplayermodus einen guten Eindruck. Beim Anspielen hat uns die große Vielfalt gefallen – trotzdem wirkt das Ganze übersichtlich und zugänglich. Allerdings haben wir Zweifel, ob sich Halo 5 langfristig in der Szene neben dem ähnlich gestrickten, aber unserer Auffassung nach inzwischen besseren Destiny etablieren kann.


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