Halbleiterkrise: Kommt jetzt der Blackscreen?

Displays aller Art könnten bald knapp und teuer werden. Schuld daran ist aber nicht etwa ein Mangel an High-End-Komponenten. Was fehlt, ist digitale Dutzendware.

Eine Analyse von Nikolaus Ebbinghaus veröffentlicht am
Ohne OLED-Panels kann es keine weiteren Bildschirme mehr geben.
Ohne OLED-Panels kann es keine weiteren Bildschirme mehr geben. (Bild: Pixabay.com/Montage: Golem.de/Pixabay License)

Die Coronakrise ist nicht zuletzt auch eine Versorgungskrise: Was einst beim Klopapier begann, griff schnell um sich und hat längst auch die High-Tech-Branche erfasst. Aktuelle Spielekonsolen gibt es fast nur zu Wucherpreisen auf Ebay, während die Autoindustrie mittlerweile sogar ganze Fabriken stilllegen muss, nur weil bestimmte Bauteile fehlen. Aber auch bei Monitoren, Fernsehern und Smartphones spricht man von Engpässen.

Die Rede ist von den Bildschirmtreibern, Display Driver Integrated Circuits (DDICs) genannt, die nicht etwa mit Gerätetreibern zu verwechseln sind, die mit der Installationssoftware eingerichtet werden. Vielmehr handelt es sich um Halbleiter, die in jedem Gerät stecken, das über ein Display verfügt.

Hierzu zählen neben Monitoren auch Fernseher, Smartphones und Smartwatches, ebenso Tablets und allerlei technisches und medizinisches Gerät. Aber auch viele Autos kommen heutzutage nicht mehr ohne Display aus, weshalb die aktuelle Lieferkrise bei den DDICs bereits volkswirtschaftlich relevante Ausmaße erlangt hat.

Unterschieden werden DDICs unter anderem nach Größe, Endprodukt und Technologie. So stecken Large DDICs zum Beispiel in PC-Monitoren und TVs, Small & Medium DDICs in kleineren und mittelgroßen Geräten wie Uhren, Smartphones, Tablets und Notebooks.

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In den meisten Fällen handelt es sich um einfache LED-DDICs, doch setzen sich bei Produkten mit Touchscreen zunehmend Lösungen mit Touch and Display Driver Integration (TDDI) durch, bei denen die Eingabefunktion gleich mitgeliefert wird. Dadurch werden zusätzliche Bauteile und Produktionsschritte eingespart, zudem soll die Reaktionszeit von TDDI kürzer sein.

Darüber hinaus spielen neben den noch vorherrschenden LCD-Bildschirmtreibern mit LED-Hintergrundbeleuchtung Lösungen für die fortschrittlichen AMOLED-Bildschirme eine immer größere Rolle. Diese benötigen keine gesonderte Hintergrundbeleuchtung, da die Active Matrix Organic Light Emitting Diodes ihr eigenes Licht erzeugen.

Das Ergebnis ist eine verbesserte Bildqualität, zudem lassen sich auf AMOLED-Basis auch biegsame Displays herstellen. Allerdings ist diese Technologie noch nicht völlig ausgereift, weshalb oft noch immer auf die bewährte anorganische LED-Technologie gesetzt wird.

Die Branche der Namenlosen

Die Angaben zu den Umsätzen der Branche schwanken stark, doch handelt es sich mit Sicherheit um einige Milliarden US-Dollar.

In wenigen Jahren könnte sogar ein zweistelliger Milliardenumsatz erzielt werden. Dennoch sind selbst die Namen von Branchenführern mit zweistelligem Marktanteil wie Novatek, Himax (PDF) (beide Taiwan) oder LX Semicon (Südkorea) kaum jemandem geläufig.

Eine Ausnahme stellt zwar Samsung Display dar, ein Subunternehmen von Samsung und die Nummer 2 hinter Novatek, doch verdankt dieser Konzern seinen Bekanntheitsgrad ganz anderen Produkten. Allerdings haben die aktuellen Lieferengpässe durchaus auch etwas mit Samsung zu tun, wie wir später noch sehen werden.

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Darüber hinaus existiert noch ein gutes Dutzend mittlerer Anbieter mit einem einstelligen Marktanteil, gefolgt von zahlreichen weniger bedeutenden Herstellern.

Aber trotz ihrer Allgegenwart verzeichneten die Hersteller von Display Drivern (PDF) bis kurz vor der Coronakrise nur bescheidene Gewinne oder schrieben gar Verluste. Aufgrund geringer Nachfrage stockte damals der Absatz, so dass sich die Lager füllten und ein heftiger Preiskampf ausbrach.

Die Margen sanken zum Teil auf weniger als 20 Prozent, was äußerst wenig ist in der Halbleiterbranche, wo das Doppelte und mehr durchaus die Regel ist und sicher auch notwendig, um die hohen Entwicklungskosten zu erwirtschaften. Dementsprechend fielen auch die Börsenkurse verschiedener Anbieter und manche fokussierten sich gar auf andere Produkte.

So entschied sich der US-amerikanische Anbieter Synaptics Ende 2019 sogar, sein mobiles TDDI-Geschäft in Asien an eine chinesische Investmentgesellschaft zu veräußern, um sich auf AMOLED und andere, profitablere Bereiche zu konzentrieren. Konkurrenten wie Himax suchten ihr Heil in der Diversifikation. So investierte man in Sensing-Technologie, Microdisplays und AI, um die einseitige Abhängigkeit von den Display Drivern zu verringern.

Doch sollte die Durststrecke viel früher enden als erwartet.

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Corona als Retter der Display-Driver-Industrie 
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EDL 27. Dez 2021 / Themenstart

Wenn die DDR nicht so ideologisch verbohrt und diktatorisch gewesen wäre, sich...

UserNo.1 15. Dez 2021 / Themenstart

Wir hatten bis vor 2 Jahren die perfekte Globalisierung: Durch immer größer werdende...

zampata 15. Dez 2021 / Themenstart

Ich weiß nicht ob das eine Option für dich ist aber in den nvidia Treiber kannst du einen...

Eheran 15. Dez 2021 / Themenstart

Oder weil es: 1. Größere Prozesse sind. 2. Nicht aus einem Die, sondern 3 kleinere...

Thargon 14. Dez 2021 / Themenstart

Natürlich kann man auch mit hochwertigen Fertigungstechniken hohe Ströme schalten. Nur...

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