Halbleiterfertigung: Wie investiert man sinnvoll Milliarden an Förderung?

Indien will Milliardensummen in den Bau neuer Chipfabriken stecken, Kritiker zweifeln am Sinn dieser Investition. Die Debatte ist auch für die EU interessant.

Eine Analyse von Johannes Hiltscher veröffentlicht am
Staatliche Subventionen sollen sich auszahlen, aber wie werden sie in der komplexen Halbleiterbranche am besten investiert?
Staatliche Subventionen sollen sich auszahlen, aber wie werden sie in der komplexen Halbleiterbranche am besten investiert? (Bild: Pixabay)

Werke zur Halbleiterfertigung, kurz Fabs, sind derzeit weltweit ein beliebtes staatliches Investitionsobjekt. So verwundert es nicht weiter, dass auch Indien ein Subventionsprogramm im Wert von 10 Milliarden US-Dollar zur Ansiedlung von Halbleiterfertigung im Land aufgelegt hat. Dabei handelt es sich auch um ein Prestigeprojekt der hindu-nationalistischen Regierung von Premier Narendra Modi, der das Land zu einer Hightech-Nation machen will.

Inhalt:
  1. Halbleiterfertigung: Wie investiert man sinnvoll Milliarden an Förderung?
  2. Nationale Alleingänge kaum möglich

Wie die Financial Times berichtet, gibt es allerdings durchaus prominente Stimmen, die den Sinn einer Konzentration auf Halbleiterfertigung bezweifeln. Eine davon ist die von Raghuram Rajan, ehemaliger Berater der indischen Regierung und früherer Leiter der indischen Zentralbank. Er hält Investitionen in die Ausbildung von Chipentwicklern für sinnvoller. So könne mit dem Geld mehr bewirkt werden. Anstatt wenige Tausend Arbeitsplätze in Fabs zu schaffen, könnten Zehntausende Ingenieure ausgebildet werden.

Die indische Regierung will zudem den Aufbau von Werken für ältere Prozessknoten unterstützen. Um staatliche Förderung zu erhalten, genügt eine Fertigung mit 65 nm Strukturgröße. Hier wird weniger Geld verdient als mit den modernsten Prozessen, die Margen reichen nicht an die fast 50 Prozent von TSMC heran. Führende Halbleiterentwickler wie ARM hingegen sind ähnlich profitabel, und das ohne milliardenteure Fabs.

Lohnt sich die Investition?

Angesichts der geringeren Profitabilität und der Konkurrenz zu etablierten Herstellern in Asien stellt sich die Frage, ob die neu aufgebauten Fabs ohne Subventionen langfristig bestehen können. Zwar will die indische Regierung mit den im Land gefertigten Halbleitern in erster Linie von Importen unabhängiger werden, konkurrenzfähig müssen sie dennoch sein.

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Zudem ist für Halbleiterfertigung mehr als nur die Fab erforderlich: Funktionierende Infrastrukturen für Transport und Energieversorgung sind ebenso wichtig. Und hier hat Indien nach Einschätzung des ehemaligen Zentralbankleiters Rajan noch einigen Nachholbedarf. Er sieht hierin auch den Grund, weshalb Unternehmen bislang mit Investitionen in Hightech-Fertigung in Indien trotz niedriger Löhne zurückhaltend gewesen seien.

Während die Bedeutung der Energieversorgung sofort einleuchtet, steht der Transport meist nicht im Fokus. Dennoch stellt er einen wichtigen Aspekt der Fertigung dar: Vorprodukte wie Wafer und Chemikalien müssen zur Fab, die fertigen Wafer danach zum Packaging. Hier erst werden sie zum endgültigen Chip, der in Mobiltelefone, Computer oder Autos verbaut werden kann.

Im Packaging sieht Christopher Miller von der Tufts University in Massachusetts ebenfalls Potenzial für die Subventionen der indischen Regierung. Hier spielten Personalkosten eine größere Rolle als in der Halbleiterfertigung, Indien könne sich mit seinen niedrigen Löhnen international abheben.

Beim Packaging sind zudem die Investitionssummen geringer. Mit dem vorhandenen Geld könnte der Bau von mehr Werken unterstützt und so mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.

Es wird klar: Die komplette Wertschöpfungskette der Halbleiterfertigung zu nationalisieren, ist quasi unmöglich. Die Fabs sind lediglich ein Teil, wenn auch der mit der meisten Aufmerksamkeit. Vielmehr geht es darum, eine attraktive Nische im komplexen Ökosystem zu finden – auch für Europa.

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Nationale Alleingänge kaum möglich 
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