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Halbleiterfertigung: Indien investiert 10 Mrd. US-Dollar in Chip-Fabs

Wie andere Länder subventioniert Indien den Bau von Halbleiterfabriken . Die erste Fab entsteht für drei Milliarden US-Dollar, weitere folgen.
/ Johannes Hiltscher
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Die India Semiconductor Mission soll Halbleiterfertigung ins Land holen. (Bild: Wikimedia Commons, Montage: Golem.de)
Die India Semiconductor Mission soll Halbleiterfertigung ins Land holen. Bild: Wikimedia Commons, Montage: Golem.de / CC0 1.0

Die indische Regierung unter Premier Narendra Modi will das Land als Hochtechnologiestandort ausbauen: Dafür stellt die India Semiconductor Mission (ISM) umgerechnet zehn Milliarden US-Dollar bereit, die als Subventionen gezahlt werden. Angesichts der 43 Milliarden Euro des European Chips Act erscheint das wenig. Bedenkt man jedoch, dass Indiens BIP lediglich etwa 15 Prozent des BIP der EU beträgt (2,46 Billionen vs. 17,371 Billionen Euro), ist es ein enormer Betrag.

Laut dem Ministerium für Elektronik und IT(öffnet im neuen Fenster) wurden bis Februar 2022 fünf Anträge eingereicht. Am weitesten fortgeschritten sind die Pläne des International Semiconductor Consortium (ISMC): Das Joint Venture von Tower Semiconductor, das von Intel übernommen wird , und Next Orbit Ventures aus Abu Dhabi will für drei Milliarden US-Dollar die erste Fab bauen(öffnet im neuen Fenster) . Sie soll in Mysuru(öffnet im neuen Fenster) im Bundesstaat Karnataka(öffnet im neuen Fenster) entstehen und 1.500 Arbeitsplätze schaffen. Gefertigt werden sollen analoge Schaltkreise, auf die Tower spezialisiert ist, in einem 65-nm-Prozess. Finanziert wird das Projekt durch Next Orbit, Tower ist Technologiepartner(öffnet im neuen Fenster) .

Strukturgrößen von 65nm sind für eine ISM-Förderung die Mindestanforderung. Abhängig von der gefertigten Strukturgröße werden bis zu 50 Prozent der Investitionen subventioniert(öffnet im neuen Fenster) , dafür muss mit 28nm oder weniger produziert werden. Neben Halbleiterfertigung soll die ISM Fabriken zur Fertigung von Displays(öffnet im neuen Fenster) ins Land holen. Auch hier übernimmt der Staat bis 50 Prozent der Kosten, maximal jedoch 120 Milliarden Rupien (etwa 1,5 Milliarden Euro).

Geplantes Investitionsvolumen über 20 Milliarden US-Dollar

Andere Unternehmen wollen noch deutlich mehr investieren. Der indische Konzern Vedanta will im Joint Venture mit Foxconn Werke für Displays und 28-nm-Halbleiter aufbauen. Mindestens 8,4 Milliarden US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) sollen investiert werden. Einem anderen Bericht zufolge(öffnet im neuen Fenster) könnte die Investition auf bis zu 20 Milliarden erhöht werden. Mit IGSS Ventures aus Singapur(öffnet im neuen Fenster) hat ein drittes Unternehmen Interesse bekundet, hier sind noch keine Details bekannt. Es fertigt Galliumnitridhalbleiter. Laut Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) laufen auch Gespräche mit Intel und TSMC, um diese zum Aufbau von Fabs in Indien zu bewegen.

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Neben der Fertigung sollen in Indien auch eigene Chip-Designs entstehen, wie The Register berichtete(öffnet im neuen Fenster) . In diesem Bereich sind bereits Firmen wie Sankalp(öffnet im neuen Fenster) (ebenfalls in Karnataka) oder Wipro(öffnet im neuen Fenster) aktiv, allerdings nur als Dienstleister. Mit dem Shakti fertigte das Indian Institute of Technology 2018 zwar eine eigene RISC-V-CPU, konkurrenzfähig ist die allerdings noch nicht. Das Ziel aber ist klar: Indien will nicht die Werkbank der Elektronikwelt sein, sondern die margenstarke Entwicklung und Fertigung selbst abdecken.


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