Halbleiterfertigung: ASML geht es trotz Handelsbeschränkungen prächtig

Überraschungen gibt es bei Bilanzpressekonferenzen von ASML eigentlich nie – abgesehen davon, wie sehr das Unternehmen seine eigenen Erwartungen übertroffen hat. Die Vorstellung der Unternehmenszahlen für das vierte Quartal sowie das Gesamtjahr 2022(öffnet im neuen Fenster) ist da keine Ausnahme. Gegenüber 2021 stieg der Umsatz um 14 Prozent auf rund 21,2 Milliarden Euro, die Marge liegt bei 50,5 Prozent. Gleichzeitig sind aktuell noch Bestellungen im Umfang von 40 Milliarden Euro offen.
Weiterhin machen EUV-Maschinen, die Licht im untersten Wellenlängenbereich des ultravioletten Spektrums (g+) nutzen, einen Großteil des Umsatzes aus: Mit den 54 verkauften Geräten setzte ASML ebenso viel um wie mit 263 verkauften DUV-Anlagen.
Im laufenden Jahr soll die Produktionskapazität auf 60 EUV- und 375 DUV-Maschinen steigen, bis 2026 sollen jährlich 90 EUV- und 600 DUV-Belichter gebaut werden. Die Gewinnung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter sei die größte Herausforderung bei der Kapazitätssteigerung, erklärte CEO Peter Wennink.
Auch für das bereits laufende Jahr 2023 erwartet Wennink weiteres Wachstum, um 25 Prozent soll der Umsatz gegenüber 2022 steigen. Anders als in den vergangenen Jahren wird bei den DUV-Maschinen für ältere Fertigungsprozesse höheres Wachstum erwartet als bei EUV.
Auch noch nicht serienreife Geräte werden bereits verkauft: Für die nächste Generation von EUV-Belichtern mit hoher numerischer Apertur (High-NA) habe man mittlerweile Bestellungen aller fünf Unternehmen, die bereits EUV nutzten, sagte Wennink. Davon will ASML spätestens 2026 20 Stück pro Jahr bauen können.
Zwei Jahre Lieferzeit für eine Lithografiemaschine
Für das konstante Wachstum trotz des aktuell schwachen Halbleitermarkts nannte Wennink zwei Gründe: Zunächst betreffe der derzeitige Umsatzrückgang hauptsächlich den Consumer-Bereich, also Halbleiter für Smartphones , Prozessoren und Grafikkarten .
Seitens der Automobilbranche sei die Nachfrage ungebrochen stark, weshalb Fertigungskapazitäten weiter ausgebaut würden. Da hier großenteils ältere Prozesse zum Einsatz kommen, wird bei den DUV-Anlagen ein stärkeres Umsatzwachstum erwartet.
Der zweite Grund für die konstant hohe Nachfrage liegt laut Wennink in der langen Lieferzeit der Maschinen: Zwei Jahre müssten Kunden auf die komplexen Geräte warten. Bis dahin erwarteten die Halbleiterhersteller längst wieder bessere Zeiten. Daher könne es sich, so Wennink, keiner leisten, auf bestellte Geräte zu verzichten: "Wenn ein Hersteller seine Bestellung storniert, sagt der nächste, danke, die nehmen wir."
Kaum Einschränkungen in China
Auf Nachfrage ging CEO Wennink auch auf die Situation in China ein. Die USA versuchen verstärkt, das Land von jeder auch nur halbwegs modernen Fertigungstechnologie abzuschneiden. Bei der Wartung und Instandhaltung habe man bislang keine Probleme, da die meisten in China tätigen Mitarbeiter Einheimische oder Europäer seien, sagte Wennink. US-Bürgern ist die Arbeit bei Halbleiterfertigern in China verboten (g+) .
Lediglich einige Ersatzteile könnten langfristig zum Problem werden, doch auch hier beziehe man den Großteil aus Europa, erklärte der CEO. Auf lange Sicht könne es aber passieren, dass einige Maschinen außer Betrieb genommen werden müssten. Auf politischer Ebene werde man als Unternehmen nicht einbezogen, versuche aber, die eigene Erfahrung einzubringen. Und die besage: Globalisiert funktioniert die Halbleiterbranche für alle am besten .