Halbleiterbranche: Schnelles Ende des Irankriegs könnte Chipkrise verhindern
In der Halbleiterbranche herrscht Anspannung: Der Krieg Israels und der USA gegen den Iran und die Blockade der Straße von Hormus führen zu Engpässen in der Versorgung mit Helium und Erdgas. Durch die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran kann Katar beides nicht mehr exportieren. Helium steht dabei oft im Zentrum der Aufmerksamkeit, da Katar zuletzt einen Anteil von rund einem Drittel am Weltmarkt hatte.
Nachzulesen ist dies etwa in einem Bericht des Fachmagazins Gasworld (PDF)(öffnet im neuen Fenster). In der Halbleiterbranche ist Helium als Kühlmittel und Inertgas teils unersetzbar, dennoch gibt sich die Branche bislang gelassen. So sagte etwa Terry Tsao, Präsident des Branchenverbands Semi Taiwan, der Zeitung Taipei Times(öffnet im neuen Fenster), vorerst erwarte die Branche keine Chip-Knappheit. Und Gasworld ordnet die jüngsten Preissprünge bei Helium ein(öffnet im neuen Fenster): Die beträfen nur den Spot-Markt, der lediglich zwei bis vier Prozent des gehandelten Heliums ausmache.
Sie seien damit noch kein Alarmsignal, da es zuletzt eine Überkapazität in der Heliumproduktion gegeben habe. Eine wichtige Einschränkung gibt es allerdings: Würden iranische Angriffe weitere Produktions- und Logistikeinrichtungen beschädigen, könnten die Auswirkungen gravierend werden. Aktuell sind die Anlagen in Ras Laffan beschädigt, die 80 Prozent des katarischen Heliums liefern. Ihre Reparatur könne, so Gasworld, bis zu fünf Jahre dauern.
Halbleiterhersteller erwarten keine direkten Auswirkungen
Durch den Ausfall von Ras Laffan sei mit einer Heliumunterversorgung von 10 bis 15 Prozent zu rechnen – man habe bereits Schlimmeres gesehen. Die Halbleiterhersteller erwarten hierdurch keine direkten Auswirkungen, sollte der Irankrieg innerhalb von vier bis sechs Wochen beendet werden.
Infolge der Coronapandemie sei die Lagerhaltung ausgebaut worden, was helfe, kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Die Lieferkette für Helium sei bereits diversifiziert worden, zudem sei in den vergangenen Jahren die Wiederverwendung des Gases verbessert worden. Durch die Überproduktion der vergangenen Jahre sind zudem wohl Heliumreserven vorhanden, die Produktionsausfälle eine Weile kompensieren können.
Ein großes Problem könnte hingegen die Versorgung mit Brom werden, das etwa für Ätzmittel verwendet wird. Mehr als zwei Drittel des am Weltmarkt gehandelten Broms kommen aus Israel(öffnet im neuen Fenster). Ein Angriff Irans auf die entsprechende Infrastruktur könnte daher weitreichende Auswirkungen haben.
Dass Halbleiter teurer werden, ist allerdings ziemlich wahrscheinlich.
Kostensteigerung durch Gasknappheit
Der Grund dafür ist der Einbruch beim Export von Erdgas von der arabischen Halbinsel. Die Halbleiterbranche ist in der gesamten Lieferkette enorm energieintensiv. Durch die weltweite Vernetzung werden Vor- und Zwischenprodukte zudem viel transportiert. Einige Prozessschritte wie die Raffinierung von Metallen oder die Herstellung von Wafern sind nur mit Gas möglich, da nur so die erforderlichen Temperaturen erreicht werden.
Durch den zumindest zeitweisen Wegfall eines signifikanten Anteils der weltweiten Gasversorgung ist mit Kostensteigerungen zu rechnen. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt bereits(öffnet im neuen Fenster), die aktuelle Krise könne die Ölkrise der 1970er-Jahre in den Schatten stellen. Wie bereits angedeutet, wird ein Teil der Kapazität durch Schäden an der Infrastruktur auf Jahre ausfallen.
Eskalation des Kriegs droht, die Lage zu verschlimmern
Und die Situation könnte noch kritischer werden, wenn der Iran weiter gezielt Energieinfrastruktur auf der arabischen Halbinsel angreift. Das drohte die Führung des Landes in Reaktion auf ein Ultimatum von US-Präsident Donald Trump bereits an(öffnet im neuen Fenster).
Eine weitere Eskalation könnte die Lage somit noch verschlimmern. Fielen der gesamte Heliumexport sowie signifikante Anteile des Erdgasexports aus dem Mittleren Osten langfristig weg, müssten auch Halbleiterhersteller die Produktion drosseln.
Die Welthandelsorganisation (WTO) hält allerdings auch einen Einbruch der Nachfrage für möglich. Die Organisation rechnet für 2026 bereits mit einem Einbruch des Welthandels(öffnet im neuen Fenster), insbesondere, da durch die US-Zollpolitik Bestellungen vorgezogen worden seien. Preissteigerungen oder weitere Lieferengpässe im Halbleiterbereich könnten zudem den KI-Boom abschwächen.
Der war 2025 nicht nur maßgeblich für das Wachstum der US-Wirtschaft, sondern auch für das des Welthandels. Steigende Preise für Hardware und Energie sowie öffentlicher Druck infolge von Energiepreissteigerungen(öffnet im neuen Fenster) könnten den Ausbau von Rechenzentren verlangsamen und so auch zu einem Einbruch der Nachfrage nach Halbleitern führen.
- Anzeige Hier geht es zu The Apprentice - The Trump Story bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.