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Halbleiterbranche: Gemischte Aussichten für 2023

AMD und Intel planen weniger Prozessoren. Globalfoundries erwartet kurzzeitig geringere Nachfrage, ASML und Bosch hingegen weiteres Wachstum. Ein Blick auf die Hintergründe.
/ Johannes Hiltscher
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Die sich abzeichnende Rezession wird Unternehmen der Halbleiterbranche sehr unterschiedlich betreffen. (Bild: Pixabay)
Die sich abzeichnende Rezession wird Unternehmen der Halbleiterbranche sehr unterschiedlich betreffen. Bild: Pixabay

Unterschiedlicher könnten die Nachrichten kaum sein: Während AMD und Intel aufgrund der sich andeutenden Rezession weniger Prozessormodelle für 2023 planen (via Tom's Hardware(öffnet im neuen Fenster) ) baut Bosch seine Produktion(öffnet im neuen Fenster) weiter aus und rechnet mit steigender Nachfrage. Erklären lassen sie diese Nachrichten allerdings recht einfach anhand der jeweiligen Kunden.

Wie mehrere Medien unter Berufung auf den für gewöhnlich gut informierten Bilibili-Kanal ECSM_Official berichten, soll AMD die für 2023 geplanten Zen-4-Prozessoren mit 3D V-Cache lediglich als Modelle mit sechs und acht Kernen planen. Intel will den Informationen zufolge Meteor Lake auf 2024 verschieben, zumindest auf dem Desktop. Die Notebook-Prozessoren sollen wie geplant 2023 auf den Markt kommen. Auf dem Desktop bliebe es dann im kommenden Jahr bei einem Refresh von Raptor Lake, erwartet wird ein Core i9-13900KS .

Beide Unternehmen scheinen entsprechend mit größerer Sparsamkeit privater Kunden zu rechnen. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten ist das verständlich, auf einen neuen Prozessor lässt sich leichter verzichten als auf eine geheizte Wohnung. Anders sieht es bei Unternehmen aus, die spezialisierte Halbleiter für die Industrie fertigen.

Nischen wachsen weiter

Globalfoundries schaut nach eigenen Angaben optimistisch in die Zukunft: Bei der Präsentation der Geschäftszahlen des dritten Quartals 2022(öffnet im neuen Fenster) sagte CEO Thomas Caulfield, einige Kunden hätten zwar ihre Bestellmengen reduziert, allerdings nur für das erste Halbjahr 2023. CFO Dave Reeder hält es daher für möglich, dass es bereits in der zweiten Jahreshälfte für sein Unternehmen und dessen Kunden wieder bergauf geht.

Noch sorgenfreier sieht Bosch in die Zukunft: Dort rechnet die Unternehmensführung mit anhaltendem Wachstum und hält am geplanten Ausbau der Fertigungskapazitäten in Dresden und Reutlingen fest. Wachstumstreiber sind hier, ebenso wie bei GF, Spezialhalbleiter, vor allem für die Automobilbranche.

Hier liegt auch der Grund für die optimistischen Aussichten von GF und Bosch: Sie schwimmen beide auf einer Welle stark steigender Nachfrage, besonders seitens der Automobilindustrie. Der seit Jahren anhaltende Trend zu mehr Prozessoren und Sensoren in Fahrzeugen wird ergänzt durch die steigende Nachfrage nach Leistungshalbleitern für Elektroautos. GF und Bosch sind also beide in einem Bereich aktiv, in dem ein Absatzrückgang den Aufwärtstrend zwar abschwächt, aber nicht bricht. Der Consumer-Markt hingegen wächst deutlich schwächer, hier dreht der Trend viel schneller.

ASML geht es wie immer prächtig

Vollkommen unbeeinflusst von den Rezessionserwartungen zeigte sich ASML bei der Präsentation der Geschäftszahlen des dritten Quartals 2022(öffnet im neuen Fenster) (via Computerbase(öffnet im neuen Fenster) ). Das Unternehmen verzeichnet eine anhaltend starke Nachfrage nach seinen Belichtungsmaschinen, die sogar die eigenen Erwartungen übertraf. Der Grund ist einfach: Kunden ordern mehr Maschinen, als das Unternehmen bauen kann, weshalb ASML permanent wächst und sogar dazu überging, Maschinen erst beim Kunden fertigzustellen .

Das niederländische Unternehmen stellt damit eindeutig eine Ausnahme dar, zeigt aber: Je weiter ein Unternehmen vom Endkunden entfernt und je spezieller seine Nische ist, desto weniger wirken sich kurzfristige Konjunktureinbrüche aus. Von einem nachhaltigen Umsatzrückgang geht in der Halbleiterbranche niemand aus, weshalb auch alle Halbleiterfertiger an ihren geplanten Investitionen festhalten – wenn auch mit kleinen Abstrichen.


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