Auswirkungen der Beschränkungen

Kurzfristig werden die Beschränkungen diverse Unternehmen in China in arge Bedrängnis bringen. Auch dürften sie ausländische Halbleiterhersteller von Investitionen in der Volksrepublik abhalten, da sie ebenfalls unter die Genehmigungspflicht fallen dürften und unklar ist, ob die US-Regierung ihnen Exporte genehmigt. Dagegen spricht, dass nach den Maschinen das Personal, das sie bedienen kann, die wichtigste Komponente ist. Aus Sicht der US-Regierung dürfte jede Maschine in China eine Möglichkeit zur Ausbildung einheimischer Fachkräfte bieten.

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Über die langfristigen Auswirkungen gehen die Meinungen auseinander. Allgemein wird eine deutliche Steigerung der Investitionen der chinesischen Regierung in Halbleiterfertigung und Prozessorentwicklung erwartet, wodurch einige Analysten China am Ende unabhängiger und seine Wirtschaft gestärkt sehen. Dass chinesische Unternehmen über das nötige Know-how verfügen, zeigen Prozessoren wie Loongson oder die x86-CPUs von Zhaoxin und die Rechenbeschleuniger von Biren.

Ohne Fertigung sind Chip-Designs nutzlos

Allerdings haben alle zuvor genannten Halbleiter ein Problem: Für die Fertigung sind die Unternehmen auf ausländische Fabs angewiesen. Die 7-nm-Chips der Biren-GPGPUs können Unternehmen wie SMIC nicht herstellen, hierfür wären sie auf importierte Maschinen angewiesen. Denn trotz Subventionen in Milliardenhöhe gelang es chinesischen Herstellern bislang nicht, beispielsweise geplante 28-nm-DUV-Belichtungsmaschinen zu entwickeln. Daneben werden allerdings noch Dutzende weitere Maschinen, Chemikalien und Fachwissen benötigt.

Auch die bestehende Software wird zum Problem: Anwendungen, die für Nvidias Cuda-Umgebung entwickelt wurden, müssen zeitaufwändig konvertiert und sehr wahrscheinlich neu optimiert werden. Diese Komplexität, so ein Teil der Beobachter, sei von einem einzigen Land nicht zu bewältigen – nicht einmal von China. Der Aufwand kommt einem neuen großen Sprung nach vorn gleich.

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Aber auch für die USA und ihre Verbündeten haben die Beschränkungen Auswirkungen: Mit China fällt ein großer Markt weg. Nvidia allein erwartet für 2022 aufgrund der zuletzt verhängten Exportbeschränkungen Umsatzeinbußen von 400 Millionen US-Dollar. Auch die anderen betroffenen Unternehmen werden die Auswirkungen der Handelsbeschränkungen zu spüren bekommen. Kurzfristig werden die weltweiten Subventionspakete die Auswirkungen abmildern, langfristig dürfte aufgrund geringerer Nachfrage der Ausbau der Fertigungskapazität in der Halbleiterbranche aber abflachen.

Am Ende könnte eine Art eiserner Vorhang der Computerhardware stehen, der die technologische Entwicklung weltweit ausbremst. Diese als Decoupling (g+) bezeichnete Abkopplung der chinesischen Technologiesphäre wird mit jeder weiteren Einschränkung des Handels seitens der USA wahrscheinlicher – während gleichzeitig eine Richtungsänderung in der Außenpolitik der Volksrepublik China unwahrscheinlich ist. Wirtschaftlich schadet der Konflikt beiden Parteien und dem Rest der Welt.

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 Halbleiter & AI: Schwere Zeiten für Halbleiterbranche und HPC in China
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BluePhoenix 15. Sep 2022 / Themenstart

@Rizzo Vielen Dank für die Erläuterungen. Ich werde das auf jeden Fall im Hinterkopf...

minnime 15. Sep 2022 / Themenstart

Welcher Teil der Geschichte war das, wann war das. Interessiert mich wirklich.

minnime 15. Sep 2022 / Themenstart

Die Menschheit war noch nie "so weit", das sind inhärente Funktionsprinzipien des...

Ihwubocu 14. Sep 2022 / Themenstart

Wenn das tatsächlich 99% der Unis betrifft, bin ich wohl ausnahmsweise mal Teil der 1...

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