Halal-Netz: Iran sperrt Google, Yahoo und Hotmail

Iranische Internetnutzer sollen in Kürze keinen Zugang mehr zu internationalen Websites haben: Im Mai 2012 startet die erste Phase des nationalen Kommunikationsnetzes, das die Regierung in Teheran im vergangenen Jahr angekündigt hat.
Ab Mai werde ein Teil der ausländischen Webangebote gesperrt, berichtet die Onlinewirtschaftszeitung International Business Times(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf Reza Taghipour, den iranischen Minister für Information und Kommunikationstechnik. Nicht mehr nutzbar sind dann die Angebote von Google, Yahoo und Hotmail. Andere ausländische Websites bleiben einstweilen noch verfügbar.
In dieser Phase werden dann eigene Angebote wie ein E-Mail-Dienst und eine Suchmaschine eingeführt. Um den E-Mail-Dienst nutzen zu können, müssen sich die Bürger online registrieren(öffnet im neuen Fenster) – mit Namen, Adresse und der Nummer ihres Ausweises.
Internet ab August durch Intranet ersetzt
Endgültig wird das Internet ab August durch das iranische Intranet ersetzt. Dann dürfen die Provider praktisch nur noch den Zugang zu iranischen Websites zulassen. Ausländische Websites werden dann bis auf wenige Ausnahmen, die die Behörden benennen, blockiert. Damit Nutzer nicht trotzdem auf Umwegen ausländische Seiten besuchen, will die Regierung zudem gegen Proxy-Server vorgehen.
Das Intranet solle ein "echtes Halal-Netzwerk" werden, erklärte ein Regierungsvertreter im vergangenen Jahr. Darüber sollen also nur Inhalte abgerufen werden, die in Einklang mit islamischem Recht stehen. Die Erprobungsphase des Netzes begann im vergangenen Sommer. Banken, Behörden und Unternehmen werden voraussichtlich auch weiterhin Zugang zum Internet haben.
Nachtrag vom 11. April 2012, 12:32 Uhr
Die iranische Regierung hat die Berichte über eine Sperrung des Internets im Land ab August und die Ersetzung durch ein eigenes Intranet zurückgewiesen. Dieser Bericht sei falsch und nähre lediglich die Propaganda aus dem Westen, teilte das Ministerium für Information und Kommunikationstechnik laut der Nachrichtenagentur AFP(öffnet im neuen Fenster) mit. Die Erklärung sei auf der Website des Ministeriums veröffentlicht worden, die aus dem Ausland nicht zugänglich ist. Die Pläne für ein nationales Kommunikationsnetz existieren dennoch.