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Hacking Team: Saudi-Arabien wollte Spyware-Firma kaufen

Saudi-Arabien verhandelte mit Hacking Team offenbar über den Kauf der Firma – das geht aus den geleakten E-Mails des Unternehmens hervor. Bedenken hatte Hacking Team offensichtlich nicht.
/ Hauke Gierow
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Hacking Team wirbt damit, Verschlüsselung zu knacken. Doch die Firma wurde selbst gehackt. (Bild: Screenshot der Hacking-Team-Seite, Golem.de)
Hacking Team wirbt damit, Verschlüsselung zu knacken. Doch die Firma wurde selbst gehackt. Bild: Screenshot der Hacking-Team-Seite, Golem.de

Warum nur die Überwachungstechnik aus dem Westen kaufen und nicht gleich die ganze Firma? Das dachte sich offensichtlich Prince Bandar bin Sultan, der damalige Chef des saudischen Geheimdienstes, im Jahr 2013. In den geleakten Hacking-Team-E-Mails finden sich Hinweise darauf, dass Vertreter des saudischen Königshauses mit der Überwachungstechnikfirma aus Mailand über eine Kontrollmehrheit des Unternehmens verhandelt haben. Der Preis wurde mit rund 37 Millionen Euro festgelegt. Letztlich kam der Deal nicht zustande, weil Bandar bin Sultan als Chef des Geheimdienstes abgesetzt wurde – sein Nachfolger war an der Übernahme offensichtlich nicht interessiert.

Die Verhandlungen liefen über einen Mittelsmann, den in Großbritannien lebenden syrischen Geschäftsmann Wafic Said. Die E-Mails zeigen, dass die Hacking-Team-Manager mit großer Energie verhandelten und bereits an einem "Letter of Intent" arbeiteten, um den Verkauf vorzubereiten. Sie verhandelten auch mit mehreren Fondsmanagern und Buchhalterfirmen über finanzielle Details des Deals und den Prozess der Due Dilligence. Auch logistische Vorbereitungen für Firmenpräsentationen und Visa für Reisen wurden im Detail erörtert.

Hacking-Team-Chef David Vincenzetti dachte den E-Mails zufolge nicht nur an das große Geld durch die Übernahme. Eine neue Firma – in den E-Mails Newco oder Halo genannt – solle in einem Staat angesiedelt sein, der nicht Mitglied des internationalen Wassenaar-Abkommens sei.(öffnet im neuen Fenster) Das Wassenaar-Abkommen regelt seit Dezember 2013 nicht mehr nur den Export von klassischen Rüstungs- und Dual-Use-Gütern, sondern auch den Export von Überwachungstechnologien. Offensichtlich fürchteten Vincenzetti und seine Kollegen durch das Abkommen Probleme beim Verkauf ihrer Technologien(öffnet im neuen Fenster) .

Der Pressesprecher von Hacking Team, Eric Rabe, dementierte bei ITWorld(öffnet im neuen Fenster) , dass die Gespräche mit Saudi-Arabien jemals kurz vor dem Abschluss gestanden hätten. Er betonte aber, dass Länder wie Saudi-Arabien enge Verbündete des Westens seien und sie aus diesem Grund Werkzeuge haben müssten, um Kriminalität und Terrorismus zu bekämpfen. Das Missbrauchspotenzial schätzt er offensichtlich eher gering ein: "Wenn deine Technologie an ein repressives Regime verkauft wird, heißt das nicht automatisch, dass sie auch benutzt wird, um Dissidenten zu terrorisieren und die Demokratie zu unterdrücken," sagte er.

Mehr als 800 E-Mails zu Projekt Halo

Dass die Verhandlungen nur oberflächlich und tatsächlich ohne konkretes Abschlussziel geführt wurden, erscheint unglaubwürdig. Eine Suche in den unter anderem von Wikileaks veröffentlichten Hacking-Team-E-Mails nach dem Namen des Projekts – Halo – gibt 850 E-Mails aus(öffnet im neuen Fenster) .

Wie eng die Partnerschaft zwischen den USA und Saudi-Arabien ist, zeigt sich auch darin, dass der ehemalige US-Botschafter in Italien, Ronald Spogli, in die Verhandlungen involviert gewesen sein soll. Er soll laut ITWorld indirekt an Hacking Team beteiligt sein. "Es ist paradox, dass Hacking Team seine gesamte Firma nach Saudi-Arabien hätte verkaufen können, wenn sie juristische Probleme mit dem Verkauf von Spyware in einige Länder hatten" , sagte Marco Lillo, der italienische Journalist, der die Verbindungen in den E-Mails entdeckt hatte.


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