Nicht alle lehnen die Methoden von Anonymous ab

Regel Nummer sechs lautet: "Schaffe mehr Möglichkeiten in der Welt. Bauen statt Zerstören" und bezieht sich auf zwei aktuelle Phänomene. Geuter fordert: "Wir bauen keine Waffen." Selbstverständlich ist das nicht. Insbesondere in den USA sind Anwerbeversuche durch Militär und Geheimdienste an der Tagesordnung. In der deutschen Szene wird über solche Vorfälle schon länger diskutiert, auch auf der Sigint ist es ein Thema.

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Zweitens grenzt sich Geuter damit erneut von Blockaden und anderen Mitteln ab, die Anonymous-Aktivisten als Werkzeug nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Geuter betont, dass Hacker etwas Positives, Konstruktives für die Gesellschaft leisten sollen.

Auch eine Handlungsempfehlung für seine Ethik hat er formuliert, da ihm eine solche in dem bisherigen Konzept fehlt: "Wenn du zwei oder mehr dieser Regeln brichst, ist es eine schlechte Idee."

Neue Ethik zu apolitisch?

Noch am Sonntag hat er den Text in einem Etherpad veröffentlicht, wo er kollaborativ bearbeitet werden kann und soll. Erste Kritiken, Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge sind dort bereits zu sehen.

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Ob es überhaupt eine gänzlich neue Hackerethik braucht und wenn ja, wie diese aussehen wird, ist in der Szene umstritten. Frank Rieger, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs, sagt: "Wir sind mit der alten Hackerethik bislang gut gefahren." Der neue Ansatz sei ihm "zu apolitisch". "Mir fehlt der Aspekt der Dezentralisierung, wie er in unserer Hackerethik steht. Mit den neuen Regeln könnte man auch ein weiteres Google bauen."

Rieger gibt aber dann doch zu, dass eine explizite Abgrenzung zu den Angriffen aus dem Anonymous-Dunstkreis nötig sei: "Wir zerstören nicht. Aber wir mussten auch erst lernen, dass Denial-of-Service-Attacken, also das Lahmlegen von Websites und damit Kommunikationsmitteln, kein akzeptables Werkzeug sind. Früher dachten auch wir, als virtuelle Sitzblockade seien solche Angriffe in Ordnung." Zumindest ein Update der bestehenden Hackergrundsätze hält er also für sinnvoll.

Die Regel "Bauen statt Zerstören" lobt auch Stephan Urbach. Er hält es aber für möglich, dass eine neue Ethik mit solchen Regeln eine Spaltung der Szene zur Folge haben könnte: "Wir haben ja gerade schon eine Identitätskrise." Urbach und Rieger wissen, dass es viele Hacker gibt, darunter auch so prominente wie den US-Amerikaner Jacob Appelbaum, die Blockade- und Racheaktionen im Namen von Anonymous wohlwollend gegenüberstehen. "Die tun wenigstens was", laute deren Argument, sagt Rieger.

Er und Urbach mögen viele Aspekte des Geuter-Entwurfs unterschiedlich bewerten, in diesem Punkt aber sind sie sich einig: Ein Hacker sollte mit seinen Fähigkeiten etwas Positives, Konstruktives bewirken, nicht destruktiv arbeiten. Und die Öffentlichkeit solle von diesem Selbstverständnis erfahren, um alte und neue Vorurteile abzulegen.

Urbach sagt: "Die alte Hackerethik war auch dazu da, den Menschen die Angst vor Computern zu nehmen. Die neue ist dazu da, den Menschen die Angst vor uns zu nehmen."

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 Hackerethik: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?
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