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H-1B-Visum: Nur wenige Deutsche erhalten US-Visum für Hochqualifizierte

Die USA verlangen inzwischen 100.000 US-Dollar für ein H-1B-Arbeitsvisum. US-Präsident Trump wirft der IT-Branche Missbrauch und Manipulation vor.
/ Friedhelm Greis
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US-Präsident Donald Trump unterzeichnet die neuen Visa-Regeln im Weißen Haus. (Bild: Andrew Harnik/Getty Images)
US-Präsident Donald Trump unterzeichnet die neuen Visa-Regeln im Weißen Haus. Bild: Andrew Harnik/Getty Images

Die hohe Gebühr bei der Erteilung von Arbeitsvisa in den USA dürfte nur geringe Auswirkungen für deutsche Informatiker haben. Statistiken der zuständigen US-Einwanderungs- und Ausländerbehörde USCIS zufolge verfügen derzeit etwa 1.000 Fachkräfte aus Deutschland über das Arbeitsvisum H-1B. Das entspricht einem Anteil von 0,3 Prozent der erteilten Arbeitserlaubnisse.

Die US-Regierung hatte am 19. September 2025 überraschend mitgeteilt , für die Erteilung eines H-1B-Visum künftig eine Gebühr von 100.000 US-Dollar zu verlangen. Laut Angaben der USCIS(öffnet im neuen Fenster) betrifft das nur Anträge, die nach dem 21. September 2025 gestellt wurden. Anders als zunächst dargestellt, ist die Gebühr nicht jährlich, sondern nur einmal zu entrichten.

Trump kritisiert IT-Branche

In einer Proklamation(öffnet im neuen Fenster) begründete US-Präsident Donald Trump die hohe Gebühr damit, dass das H-1B-Programm missbraucht worden sei, "um amerikanische Arbeitnehmer durch schlechter bezahlte, weniger qualifizierte Arbeitskräfte zu ersetzen, anstatt sie zu ergänzen" . Der umfangreiche Ersatz US-amerikanischer Arbeitnehmer "durch den systematischen Missbrauch des Programms hat sowohl unsere wirtschaftliche als auch unsere nationale Sicherheit untergraben" .

Trump wirft der IT-Branche vor, das Visa-Programm "manipuliert" und US-Amerikanern im IT-Bereich "erheblichen Schaden" zugefügt zu haben. "Der Anteil der IT-Fachkräfte im H-1B-Programm stieg von 32 Prozent im Geschäftsjahr 2003 auf durchschnittlich mehr als 65 Prozent in den vergangenen fünf Geschäftsjahren" , heißt es in der Erklärung.

Vor allem indische Firmen nutzen Visum

Der Statistik des USCIS zufolge(öffnet im neuen Fenster) nahm der indische IT-Dienstleister Tata Consultancy seit 2009 rund 100.000 Mal das Visaprogramm in Anspruch. Es folgen weitere indische Firmen wie Cognizant (92.500 + 69.000), Infosys (87.500) und Wipro (77.000). In den Top Ten befinden sich zudem Microsoft (52.000), Google (45.000) und Amazon (43.000).

Von dem Programm profitierten daher vor allem Fachkräfte aus Indien. Der USCIS-Statistik von 2024 zufolge(öffnet im neuen Fenster) (PDF) erhielten Inder rund 284.000 der 400.000 ausgestellten oder verlängerten H-1B-Visa, was einem Anteil von 71 Prozent entspricht. Fast 47.000 Visa wurden an Chinesen erteilt (11,7 Prozent). Es folgen mit großem Abstand spezialisierte Arbeitskräfte aus den Philippinen (5.258), Kanada (4.227) und Südkorea (3.987). Bei allen anderen Ländern liegt der Anteil unter einem Prozent.

Aus Deutschland verfügten demnach 1.030 Personen im Jahr 2024 über ein solches Visum, darunter 362 Frauen. Damit liegt Deutschland auf Platz 20 in der Statistik. Im Jahr 2024 wurden rund 141.000 neue Visa erteilt, darunter 621 für deutsche Staatsbürger.

US-Regierung lässt Schlupfloch offen

Rein rechnerisch könnte die US-Regierung durch die neue Gebühr jährliche Einnahmen in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar erzielen. Das setzt jedoch voraus, dass die Firmen bereit sind, für einen neuen ausländischen Mitarbeiter diese zusätzliche Summe zu zahlen.

Allerdings hält sich die US-Regierung noch ein Schlupfloch offen, um die Gebühr aussetzen zu können. So kann das Innenministerium auf die Gebühr für einzelne Personen oder für ein ganzes Unternehmen verzichten, "wenn die Einstellung dieser Ausländer als H-1B-Fachkräfte im nationalen Interesse liegt und keine Gefahr für die Sicherheit oder das Wohlergehen der Vereinigten Staaten darstellt" .

Nach Einschätzung des Portals The Verge(öffnet im neuen Fenster) könnte die US-Regierung diese Ausnahmeregel nutzen, um Firmen oder Institutionen wie Universitäten Zugeständnisse abzuringen. Ebenso wie die Zölle sei auch die Gebühr ein Verhandlungsinstrument.


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