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Guild Wars 2: 60 Minuten Action und drei Tage Ohnmacht

Großangriff auf unser Dorf, verschlossene Festungstore, ein riesiger Bossgegner und drei Tage Ohnmacht bestimmen die erste Stunde als Krieger in Guild Wars 2. Das MMORPG setzt mit einem furiosen Start neue Akzente im Genre. Golem.de hat es am offiziellen Starttag ausprobiert.
/ Peter Steinlechner
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Guild Wars 2 (Bild: Arena.net)
Guild Wars 2 Bild: Arena.net

Ein Adliger mit viel Charisma, der immer zum Zirkus wollte, das aber irgendwie nie geschafft hat – dies ist unsere Rolle am Ende der Charaktererstellung von Guild Wars 2(öffnet im neuen Fenster). Schon ein paar Klicks vorher haben wir uns entschlossen, zumindest die erste Stunde des MMORPGs von Arena.net(öffnet im neuen Fenster) als menschlicher männlicher Krieger zu verbringen. Dazu kamen noch ein paar weitere Entscheidungen: Unser Adliger ist ziemlich groß, hat schicke graue Haare und einen Bart, trägt keinen Helm und wurde als Kind von Balthasar gesegnet, dem Gott des Krieges. So richtig klar ist uns zwar nicht, was die jeweilige Wahl langfristig bedeutet – etwa die Sache mit dem Zirkus. Aber das wird sich schon noch zeigen, und fürs Erste sind wir ganz zufrieden, weil wir uns dank der zahlreichen Optionen halbwegs in dem Typ da auf dem Bildschirm wiederfinden.

Guild Wars 2 – Gameplay aus den ersten 60 Minuten
Guild Wars 2 – Gameplay aus den ersten 60 Minuten (02:37)

Das anschließende Intro mit schönen Grafiken stimmt zum einen gut auf die neuen Abenteuer in der Fantasywelt Tyria ein. Zum anderen greift es offenbar auch Elemente aus der Charaktergenerierung auf, indem es etwa auf den Aspekt des Adels eingeht. Anschließend stehen wir in der Welt. Nebenbei können wir nun endlich mal auf die Optionen zugreifen, um ein paar Grafikeinstellungen anzupassen. Ob das irgendwie auch vorher geht, haben wir bislang nicht herausgefunden. (Nachtrag: Ein Leser hat uns auf ein kleines Zahnrad-Symbol am linken oberen Bildschirmrand hingewiesen, das in der Charakter-Generierung zu den Optionen führt).

Shaemoor heißt die Gegend, in der wir mitten in der Nacht und bei Sturm und Regen landen. Über einem Korporal Beirne leuchtet ein grüner Stern, also wird er wohl wissen, was wir tun sollen. Und tatsächlich: Er schickt uns ins Gasthaus, um mit einem Feldwebel zu sprechen. Den Weg dorthin erkennen wir ohne Probleme auf der vergleichsweise großen Karte am unteren Bildschirmrand. Unterwegs treffen wir einen Dorfbewohner, den wir per Dialog ebenfalls in die Kneipe schicken. Dafür kassieren wir gleich ein paar Erfahrungspunkte.

Im Gasthaus sprechen wir den Feldwebel an, und Guild Wars 2 wechselt in einen Dialog-Modus. Wir sehen uns und unser Gegenüber vor einem 2D-Hintergrund, zur Sprachausgabe wird außerdem der Text eingeblendet. Wir sollen zum nächsten Wegpunkt flitzen, aber auf dem Weg dorthin sehen wir uns noch ein bisschen um und stolpern unversehens in den ersten Kampf.

Das erste Scharmützel

Wir kämpfen gegen einen Tamini-Bogenschützen und lernen: Die Tamini sind Mischlinge aus Mensch und Pferd. Und sie müssen ziemlich doof sein – denn erstens mögen sie uns nicht, obwohl wir durchaus nett sind. Zweitens greifen sie uns an, obwohl sie nicht den Hauch einer Chance haben. Mit einfachen Attacken über die Zifferntasten schlagen wir zurück und gewinnen nach wenigen Augenblicken.

Weil das fast zu einfach war, suchen wir Streit mit zwei Tamini-Kriegern. Die sind eigentlich kein Problem, aber wir wollen herausfinden, was beim Tod unseres Charakters passiert, und wehren uns nicht. So lernen wir eine der kleinen Besonderheiten von Guild Wars 2 kennen. Als die Gesundheitspunkte weg sind, sterben wir nicht wirklich, sondern gehen zu Boden und kämpfen dann mithilfe von vier eingeblendeten, blutroten Symbolen um unser Überleben, was ziemlich gut klappt. Anschließend heilen wir uns, stehen dann wieder quietschlebendig da und setzen den eigentlichen Auftrag fort.

Der nächste Wegpunkt markiert das riesige Tor einer riesigen Festung. Leider ist das Tor verschlossen – und wir bekommen den Hinweis, dass sich das nur ändert, wenn wir gemeinsam mit ein paar NPC-Soldaten und anderen menschlichen Mitstreitern einen Großangriff der Tamini abwehren. Das dauert ein paar Minuten, ist aber gut machbar, weil die Zentaur-Wesen – doof wie sie sind – nicht im größeren Trupp, sondern in Zweier- oder bestenfalls Dreier-Verbänden angreifen.

Riesenmoster, Hardware und vorläufiges Fazit

Innerhalb der Festung weist uns ein Pfeil den nächsten Einsatzort. Wieder sind Tamini unterwegs, aber jetzt haben sie offensichtlich gelernt und greifen mit allen verfügbaren Kräften an. Sehr viel bringt das allerdings nicht, nach ein paar wilden Minuten haben wir auch diese Schlacht geschlagen.

Guild Wars 2 – Trailer (Veröffentlichungstermin)
Guild Wars 2 – Trailer (Veröffentlichungstermin) (00:49)

Dann allerdings stockt uns kurz der Atem. In einer Zwischensequenz zeigt uns das Programm, wie aus einem benachbarten Hügel erst zwei riesige Knochenhände herauswachsen und dann auch der Rest eines offensichtlich magischen Monsters. Eigentlich wäre das die Gelegenheit, die Flucht zu ergreifen, aber als heldenhafter Krieger tun wir das natürlich nicht. Sondern stürzen uns mit gezückter Klinge in den Kampf.

Auf Aufforderung von Guild Wars 2 konzentrieren wir uns auf die Gliedmaßen des Biestes und sehen, dass der rote Lebensbalken unseres Gegners zwar langsam, aber stetig abnimmt. Zum Glück sind wir nicht alleine im Kampf, sondern wieder gemeinsam mit zahlreichen KI-Kameraden und menschlichen Kollegen. Irgendwann hat das Gemetzel ein Ende, das Riesenmonster explodiert in einer gewaltigen Druckwelle und wir verlieren für geschlagene drei Tage das Bewusstsein – außerdem haben wir den als Tutorial gedachten Einstieg geschafft.

Wir erwachen in einer Gaststätte, dürfen eine Belohnung aussuchen und treten dann ins Freie. Na endlich – jetzt stehen wir in einer scheinbar friedlichen Welt, in der eine Sonne über lauschige Hügel scheint, Bäume im Wind wehen und vermutlich auch irgendwo Vögel zwitschern. Geht doch!

Kartenansicht bei Missionsvergabe

An der frischen Luft wartet schon ein Wachposten, der weitere Aufträge für uns hat. Das macht er allerdings nicht per Text. Stattdessen zeigt das Programm bei seinen Ausführungen die Welt von oben und markiert auf dieser Karte ein paar wichtige Ziele, so dass wir sie später leichter wiederfinden und gleich mal ein Gefühl dafür bekommen, was wo ist.

Unsere Stunde ist fast um, also werfen wir nur noch einen kurzen Blick auf das, was sich in der Nähe befindet. Wir sehen Händler, bei denen wir wahrscheinlich unsere bei den Tamini erbeuteten Gegenstände verhökern können. Auf einer Brücke sehen wir, dass ein Kampf gegen Räuber tobt, dem wir uns anschließen könnten. Und ums Eck ist ein Bauernhof, dem wir beim Kampf gegen sehr großes Ungeziefer helfen könnten und bei dem wir außerdem per Wassereimer das Stroh befeuchten sollen – offenbar gibt es in Guild Wars 2 mehr als genug zu tun!

Hardware und Verfügbarkeit

Guild Wars 2 läuft unter Windows XP mit dem Service Pack 2 sowie mit Vista und Windows 7. Es setzt mindestens einen Intel-Core-2-Duo-Prozessor mit 2,0 GHz, einen Intel Core i3 oder einen AMD Athlon 64 X2 voraus und braucht 2 GByte RAM. Als Grafikkarte sind mindestens Modelle wie eine Nvidia Geforce 7800, eine ATI Radeon X1800 oder eine Intel HD 3000 nötig – und zwar mit 256 MByte Video-RAM und Unterstützung von Shader Model 3.0; das Spiel unterstützt derzeit nur DirectX-9. Auf der Festplatte müssen 25 GByte frei sein. Wer das Spiel von DVD installiert, muss anschließend noch mehrere große Patches herunterladen, bevor er nach Tyria kann.

Das Programm ist im Handel oder online beim Publisher NC Soft(öffnet im neuen Fenster) für rund 50 Euro erhältlich. Monatliche Abogebühren fallen nicht an. Die USK hat eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt.

Vorläufiges Fazit

Nach dem dramatischen Einstieg in Guild Wars 2 müssen wir erst mal Luft holen – denn was da in gut einer Stunde passiert, bieten andere Online-Rollenspiele an einem ganzen Tag nicht. Das Tempo ist hoch, die Kämpfe wirken dramatisch, trotzdem ist das Ganze fair und ermöglicht einen Einstieg ohne Frust. Allerdings sollte man sich nach dem Start einen Augenblick Pause gönnen und die Menüs und Ingame-Hilfen mal in Ruhe durchgehen, um die Ausrüstung zu sortieren und sich um die Charakterwerte zu kümmern. Die Technik hat bei uns keinerlei Probleme gemacht, von ganz kurzen Pausen etwa beim Betreten neuer Gebiete abgesehen, lief sie auch in heftigen Kämpfen mit vielen beteiligten Figuren stets flüssig. Schwierigkeiten beim Login auf den Servern hatten wir ebenfalls keine. Das ändert sich im Laufe des ersten regulären Spieltags aber möglicherweise noch.

In der Rubrik "60 Minuten" guckt sich Golem.de einen Titel für eine Stunde genau an – Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann und soll dieser erste Eindruck nicht ersetzen. Er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.


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