GTAT: Saphirglas war auch für Display des iPhone 6 geplant

Die Insolvenz des Saphirglas-Herstellers GTAT war laut US-Berichten lange vorhersehbar. Missmanagement und Qualitätsprobleme sollen dazu geführt haben, nachdem Apple erst im Sommer 2014 entschied, auch die Bildschirme von iPhone 6 und 6 Plus mit dem harten Glas zu versehen.

Artikel veröffentlicht am ,
Apples iPhone 6 und 6 Plus sollten Saphirglas-Displays erhalten.
Apples iPhone 6 und 6 Plus sollten Saphirglas-Displays erhalten. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Die Probleme mit der Herstellung von Saphirglas, das Apple für künftige Produkte verwenden wollte, waren beim Unternehmen GTAT schon lange bekannt, bevor das Unternehmen Gläubigerschutz beantragte. Dies geht aus einem Bericht des Wall Street Journals hervor, der vor allem auf einem von Apple bereitgestellten Brief basiert, den der iPhone-Anbieter an die Gläubiger von GTAT schickte. Dieses Schreiben stellte Apple dem Journal zur Verfügung, es soll kurz nach der Pleite verschickt worden sein.

Stellenmarkt
  1. SAP Junior Business Consultant - Treasury und Darlehen (m/w/d)
    Allianz Technology SE, Unterföhring
  2. Senior (Lead) QA Engineer
    BAADER, Lübeck, Hamburg
Detailsuche

Darin betont Apple, die Pleite sei "völlig auf GTATs Missmanagement" zurückzuführen gewesen. Gestützt wird diese Aussage von ehemaligen Beschäftigten des Saphirglas-Herstellers, mit denen das Journal unabhängig von Apples Brief gesprochen hat. Sie geben an, dass nach dem Auftrag für eine große Menge des Materials GTAT geradezu panisch neue Kollegen eingestellt habe.

Diese hätten aber zum Teil nichts zu tun gehabt und auch keinen Vorgesetzten zugeteilt bekommen. 700 Mitarbeiter sollen allein im Sommer 2014 eingestellt worden sein, als Apple den Startschuss für die Abdeckungen von iPhone 6 und 6 Plus gab. Ausdrücklich für die Displays dieser Smartphones sollte Saphirglas hergestellt werden, bisher waren nur die Gläser vor der Hauptkamera und dem Fingerabdrucksensor aus dem kratzfesten Material gefertigt worden.

Rund 100 der neuen Mitarbeiter hätten aber anfangs gar keine Führung gehabt, so dass sie vor allem immer wieder die Fabrik geputzt hätten, berichtet das Wall Street Journal. Nicht einmal Arbeitszeiten seien festgelegt gewesen, so dass viele Angestellte sich einfach krank meldeten, geben die früheren GTAT-Mitarbeiter an.

Nur 50 Prozent Ausbeute

Golem Karrierewelt
  1. Airtable Grundlagen: virtueller Ein-Tages-Workshop
    31.08.2022, Virtuell
  2. Elastic Stack Fundamentals – Elasticsearch, Logstash, Kibana, Beats: virtueller Drei-Tage-Workshop
    26.-28.09.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Währenddessen soll sich die Qualität des Saphirglases aber nicht so verbessert haben, dass die Ausbeute Apples geforderte Stückzahlen erfüllen konnte. Rund die Hälfte der Einkristalle, die als erster Schritt hergestellt werden, sollen unbrauchbar gewesen sein. Und was verwendbar war, soll auch nicht besonders sorgfältig behandelt worden sein. Aus den Einkristallen hat GTAT dem Journal zufolge sogenannte "Bricks" - Ziegelsteine - gesägt, und zwar in der Form der iPhone-6-Displays. Jeder der gut 35 Zentimeter dicken Bricks war offenbar für Dutzende Displayabdeckungen vorgesehen, wenn er dann in feine Scheiben zerteilt wird. Einmal sollen aber 500 der Bricks versehentlich nicht an andere beteiligte Unternehmen geschickt worden sein, sondern zum Recycling. "Wir haben gesehen, wie da einfach Geld aus dem Fenster geworfen wurde", fasst ein Exmitarbeiter von GTAT die Situation zusammen.

Lange müssen die Probleme wohl vor Apple verborgen worden sein, so dass das Unternehmen wegen ausbleibender Lieferung seinem Zulieferer den Geldhahn zudrehte. Erst am 1. Oktober 2014 - das iPhone 6 und 6 Plus war längst ohne Saphirglas-Display im Verkauf - soll Apple die Restsumme des bisher zurückgehaltenen Kredits an GTAT teilweise ausgezahlt haben. 100 von 139 Millionen US-Dollar sollen damals geflossen sein, und für den 7. Oktober hatte wurde dem Bericht zufolge ein neuer Termin für Gespräche vereinbart. Retten konnte das GTAT aber nicht mehr, denn am 6. Oktober 2014 beantragte die Firma Gläubigerschutz, was für Apple letztlich überraschend kam.

Die Darstellung des Berichts widerspricht dabei aber nur teilweise dem, was GTAT im Insolvenzverfahren vorbrachte. Dabei legte das Unternehmen auch große Teile der Verträge mit Apple vor, die auf sehr knappe Margen und weitreichende Kontrolle durch den Partner hinweisen. Das Journal zitiert dazu einen langjährigen asiatischen Zulieferer von Apple, der meint: "Das ist kein leichtverdientes Geld." Auch "Margen, so dünn wie eine Rasierklinge", schwankende Auftragsvolumen und kaum Spielraum für Fehler sollen laut dem Bericht für alle Lieferanten von Apple gelten, schreibt das Wall Street Journal.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Einsparverordnungen
So sollen Verwaltung, Bürger und Firmen Energie sparen

Reduzierte Raumtemperaturen und ungeheizte Swimmingpools: Die Regierung fordert eine "nationale Kraftanstrengung" wegen des Gasmangels.

Einsparverordnungen: So sollen Verwaltung, Bürger und Firmen Energie sparen
Artikel
  1. Bildverkleinern in C#: Eine Windows-App zur Verkleinerung von Bilddateien
    Bildverkleinern in C#
    Eine Windows-App zur Verkleinerung von Bilddateien

    Wir zeigen mit Visual Studio, wie Drag-&-Drop funktioniert, klären, ob unter Windows runde Fenster möglich sind, und prüfen, wie aufwendig eine mehrsprachige Bedienungsoberfläche ist (ziemlich).
    Eine Anleitung von Michael Bröde

  2. Geheimgespräche: Apple wollte angeblich Anteil an Facebooks Werbeeinnahmen
    Geheimgespräche
    Apple wollte angeblich Anteil an Facebooks Werbeeinnahmen

    Apples höherer Datenschutz macht Facebook inzwischen das Leben schwer. Zuvor soll es geheime Gespräche über eine Umsatzbeteiligung gegeben haben.

  3. Nachhaltigkeit: Thüringens Reparaturbonus weiter stark nachgefragt
    Nachhaltigkeit
    Thüringens Reparaturbonus weiter stark nachgefragt

    Der Reparaturbonus wird in Thüringen weiter gut genutzt. Eine Stärkung der Gerätereparatur in ganz Deutschland wird noch geprüft.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • LG 38WN95C-W (UWQHD+, 144 Hz) 933,35€ • Sharkoon Light² 180 22,99€ • HyperX Cloud Flight 44€ • BenQ Mobiuz EX3410R 499€ • MindStar (u. a. AMD Ryzen 5 5600X 169€, Intel Core i5-12400F 179€ und XFX RX 6800 XT 699€) • Weekend Sale bei Alternate (u. a. AKRacing Master PRO 353,99€) [Werbung]
    •  /