Investitionsrückstände und Netzqualität
Die Studie geht davon aus, dass die gestiegenen Kosten nicht vollständig an die Endkunden weitergegeben werden können. Betreiber würden daher gezwungen, ihre Investitionen real zu reduzieren. Dies könnte den Ausbau von Standalone-5G- und Glasfasernetzen verzögern und den bestehenden Investitionsrückstand Europas bei digitaler Infrastruktur – der laut GSMA bereits 205 Milliarden Euro beträgt – weiter vergrößern.
Ein weiterer in der Studie thematisierter Punkt ist die Umweltbilanz: Der Austausch noch funktionsfähiger Hardware würde erhebliche Mengen an Elektroschrott erzeugen. Zudem weisen Betreiberbefragungen in der Studie darauf hin, dass die verbaute Technologie bestimmter Anbieter wie Huawei über teilweise erhebliche Energieeffizienzvorteile gegenüber Alternativen verfügt – ein Aspekt, der im Kontext der europäischen Klimaziele Relevanz erlangen könnte.
Brüsseler Thinktank will es anders darstellen
Die GSMA-Angaben stoßen jedoch auch auf Kritik. Bei Politico(öffnet im neuen Fenster) kritisierte Hosuk Lee-Makiyama, Direktor des belgischen Thinktanks ECIPE, dass die Schätzungen Bruttokosten darstellen und nicht die tatsächlich zusätzlich anfallenden Ausgaben im Falle einer Austauschverpflichtung. Würden reguläre Ersatzinvestitionen, die ohnehin anfielen, herausgerechnet, käme man auf ähnliche Größenordnungen wie die Kommissionsschätzung, so Lee-Makiyama. Die EU-Kommission äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den neuen Zahlen.
Brancheninsider verwiesen gegenüber Golem allerdings auch auf weitere Kostenrisiken, die in der GSMA-Studie nicht abgedeckt sind: Huawei hat den schwedischen Staat nach seinem dortigen Ausschluss 2020 auf Schadensersatz vor einem internationalen Handelstribunal verklagt(öffnet im neuen Fenster), weil es sich in seinen Rechten als Investor auf Basis des bilateralen schwedisch-deutschen Investitionsschutzabkommens verletzt sieht.
Ein Urteil ist in der Sache noch nicht gesprochen, aber fast alle EU-Länder inklusive Deutschland haben ähnliche Handelsschutzabkommen mit China geschlossen. Sollten die Handelstribunale für den Investor und gegen die staatlichen Verbote entscheiden, könnten weitere Milliardenkosten auf die EU-Länder und ihre Steuerzahler zukommen, um den entgangenen wirtschaftlichen Verlust der chinesischen Technologieanbieter zu ersetzen.
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