GSM-R: Fehlerhaftes Update hat wohl den Bahnfunk lahmgelegt
Die Ursache für den deutschlandweiten Ausfall bei der Deutschen Bahn (DB) am späten Dienstagabend ist ein fehlerhaftes Update gewesen, das den Bahnfunk GSM-R lahmlegte. Das hat der Sender RBB(öffnet im neuen Fenster) erfahren. Die Sicherheitsbehörden gehen demnach nicht von Sabotage aus.
Um 00:50 Uhr meldete die Bahn, dass die Störung des Zugfunks behoben sei, "Verkehr läuft wieder an." Die IT-Experten hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet. Bahnchefin Evelyn Palla sagte der Bild-Zeitung, dass ein Notfallsystem in Betrieb genommen wurde.
Wie Golem erfahren hat, dürfte es sich wegen des bundesweiten Ausfalls um ein Problem im Core des GSM-R Netzwerkes gehandelt haben. Der Bahn-Ausrüster Kontron Transportation liefert und betreut die IP-basierten Core-Komponenten. Ein Problem mit dem Kernnetz muss aber nicht zwingend beim Ausrüster liegen, auch der Betreiber selbst kann hier Fehler machen. Insofern muss die Untersuchung abgewartet werden.
Der Bahnfunk GSM-R ist veraltet
Technisch basiert GSM-R (Global System for Mobile Communications – Railway) auf dem veralteten 2G-Mobilfunkstandard (GSM) und nutzt ein eigenes Frequenzband. Es bietet den betrieblichen Zugfunk für direkte Sprachkommunikation zwischen den Betriebszentralen und den Triebfahrzeugführern und die Datenübermittlung für ETCS Level 2. Über GSM-R werden Notrufe und betriebliche Fahrbefehle abgesetzt. Fällt der Funk aus, bleiben die Züge aus Sicherheitsgründen stehen. Es soll in den kommenden Jahren schrittweise durch FRMCS abgelöst werden. Die Bahn plant, FRMCS zwischen 2026 und 2035 einzuführen.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) wies im WDR2-Interview(öffnet im neuen Fenster) die Verantwortung für die Funkstörung sowie die daraus resultierenden Einschränkungen für Passagiere von sich und kritisierte die Deutsche Bahn. "Das war eine deutschlandweite Störung. Das hat es so noch nicht gegeben und das wird die Deutsche Bahn aufarbeiten müssen, um herauszufinden, was genau die Ursache war", forderte der Minister.
Es dürfe nicht passieren, dass aufgrund einer technischen Störung alle Züge in Deutschland stehen blieben. Zu den genauen Gründen gab Krischer keine Auskunft. "Es muss sichergestellt werden, dass das nicht wieder passiert. Es kann nicht sein, dass Menschen wegen einer Funkstörung die Nacht in Zügen oder an Bahnhöfen verbringen müssen", so Krischer.
In Nordrhein-Westfalen gibt es das größte Zugnetz Deutschlands, dementsprechend groß waren die Probleme im Zuständigkeitsbereich des Verkehrsministers. Zwar sei die Infrastruktur der Bahn in Nordrhein-Westfalen teilweise marode, das sei in diesem Fall aber nicht das Problem gewesen. "Hier handelt es sich um ein technisches System, das offensichtlich ausgefallen ist. Und dafür ist die Deutsche Bahn schon selber für verantwortlich", kritisierte Krischer.
Nachtrag vom 24. Juni 2026, 13:39 Uhr
DB Infrago-Chef Philipp Nagl erklärte: "Ursächlich für die gestrige Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R war aus derzeitiger Sicht der planmäßige Tausch einer technischen Komponente."
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