Grünes Kerosin: 350 Millionen Euro für ein E-Fuels-Projekt mit vielen Fragezeichen
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Einen Förderbescheid über knapp 350 Millionen Euro übergab Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche symbolisch am 11. Mai(öffnet im neuen Fenster) für den Bau einer E-Fuels-Produktionsanlage für nachhaltige Flugkraftstoffe an der Ölraffinerie PCK Schwedt. Neben Reiche stand Jan Toschka, der CEO von Zaffra, ein Unternehmen, das wenige Wochen später abgewickelt werden soll. Es ist nicht die einzige Frage, die sich bei diesem Projekt stellt, das Hoffnung für eine nachhaltige Zukunft der Ölraffinerie schaffen soll.
Die Geschichte des Projekts begann vor mehreren Jahren. 2021 kündigte das Unternehmen Enertrag(öffnet im neuen Fenster) ein Projekt mit dem Namen Concrete Chemicals an. Geplant war zunächst, Kohlendioxidemissionen aus einem Zementwerk der Firma Cemex in Rüdersdorf östlich von Berlin abzufangen und daraus mit Hilfe von Wasserstoff chemische Rohstoffe und Treibstoffe herzustellen.
Enertrag ist vor allem als Betreiber von Windparks bekannt. Doch das Unternehmen gehört auch zu den frühen Pionieren bei der Produktion von grünem Wasserstoff. Bereits 2011 nahm das Unternehmen in Prenzlau einen Elektrolyseur zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus überschüssigem Windstrom in Betrieb(öffnet im neuen Fenster).
In den frühen 2020ern wurde Wasserstoff zum Hypethema in Deutschland und der Europäischen Union. In dieser Zeit fing Enertrag an, eine Reihe weiterer wasserstoffbasierter Projekte zu planen, darunter das Projekt in Rüdersdorf. Die Idee, aus Kohlendioxid und Wasserstoff Treibstoffe oder Chemikalien zu erzeugen, ist als Carbon Capture and Utilization (CCU) bekannt. Bei so erzeugten Treibstoffen spricht man auch von E-Fuels.
Solche E-Fuels sind Gegenstand zahlreicher Kontroversen. Die Umwandlung von Strom zunächst in Wasserstoff und dann in langkettige Kohlenstoffmoleküle sowie eine anschließende Verbrennung sind extrem verlustbehaftet und ineffizient.
Bei einem Projekt wie dem geplanten in Rüdersdorf stellt sich zudem die Frage nach der Gesamtklimabilanz. Kohlendioxid aus einem Zementwerk entsteht vor allem durch die Umwandlung von Kalziumcarbonat aus Kalkstein zu Kalziumoxid.
Pläne mit Zementwerk bei Berlin wurden aufgegeben
Wird dieses Kohlendioxid anschließend zu E-Fuels umgewandelt und werden diese verbrannt, landet der vorher geologisch gebundene Kohlenstoff weiterhin als Kohlendioxid in der Atmosphäre. In der Gesamtbilanz ist damit maximal eine Emissionsreduktion um etwa die Hälfte möglich, klimaneutral ist es nicht.
Cemex plant inzwischen in einem Projekt namens CO2LLECT(öffnet im neuen Fenster), die Emissionen des Zementwerks abzuscheiden und unterirdisch zu lagern, was auch als Carbon Capture and Storage (CCS) bezeichnet wird.
Denkbar wäre eine Kombination gewesen, bei der der Anteil an geologischen und fossilen Emissionen der Zementproduktion mittels CCS unterirdisch gelagert und, beim Einsatz von biologischen Brennstoffen, der biologische Anteil des CO2s für die Produktion von E-Fuels und Chemikalien genutzt wird.
Letztendlich nahm das Projekt jedoch einen anderen Weg und wird jetzt an einem neuen Standort mit einer anderen Kohlendioxidquelle geplant.
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