Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Enertrag will auch ohne Zaffra weitermachen

Enertrag hofft allerdings, das Projekt trotz dieser ungeplanten Entwicklung weiterzuverfolgen. Rassinger sagte Golem, dass das Unternehmen weiterhin davon ausgehe, das Projekt "Brandenburg eSAF" zu realisieren. Der Förderbescheid ist demnach weiterhin gültig, da er nicht an Enertrag und Zaffra, sondern an ein gemeinsam gegründetes Projektentwicklungs-Unternehmen ausgestellt wurde. Zudem plant das Unternehmen weiterhin, die Fischer-Tropsch-Technologie von Sasol einzusetzen.

Vom Wirtschaftsministerium Brandenburg hieß es auf Anfrage: "Es gibt einen bestandskräftigen Zuwendungsbescheid. Es ist jetzt die Verantwortung der am Projekt beteiligten Unternehmen, hier nach einer Lösung zu suchen, wie das Projekt weiterhin und wie geplant umgesetzt werden kann."

"Grundsätzlich sind Gesellschafterwechsel im Rahmen einer Zuwendung möglich, sofern die neue Gesellschafterkonstellation die zuwendungsrechtlichen Anforderungen erfüllt. Wir sind hier in Gesprächen", teilte das Bundeswirtschaftsministerium Golem mit. "Bei der Frage um Fördergeld handelt es sich um sensible Informationen. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir diese Informationen nicht teilen. Im Rahmen einer solchen Zuwendung werden Fördermittel nur ausgezahlt, wenn der Zuwendungsempfänger neben der Erfüllung weiterer zuwendungsrechtlicher Anforderungen mögliche Rückforderungsansprüche absichert."

Auch E-Fuels für Flugzeuge sind teuer und ineffizient

Die Produktion von E-Fuels ist vor allem deshalb umstritten, weil sie extrem ineffizient ist, und das in doppelter Weise. Jeder Prozessschritt bei der Produktion führt zu Energieverlusten. Dazu kommt die inhärente Ineffizienz von Verbrennungsmotoren: Ein Großteil der Energie geht als Abwärme verloren. Der effiziente Verbrennungsmotor schaffte es zwar bereits in Wahlprogramme, ist allerdings mit den Gesetzen der Physik nicht vereinbar.

Vor allem in Deutschland wird immer wieder über die Möglichkeit diskutiert, auch in Pkw E-Fuels einzusetzen. Es ist allerdings weitgehend eine Phantomdiskussion. Weder werden E-Fuels für Pkw in nennenswerten Mengen produziert, noch gibt es ernst zu nehmende Investitionen oder Pläne in diesem Bereich.

Allerdings vernahm man häufig die Position, dass E-Fuels zwar in Sektoren, in denen eine Elektrifizierung möglich sei, wenig Sinn ergäben, aber dass sie für den Flug- und Schiffsverkehr auf langen Strecken unverzichtbar seien. Doch auch das wird zumindest in dieser naiven Form immer mehr in Frage gestellt. Denn auch der Schiffs- und Flugverkehr kommt an den Gesetzen der Physik und den unvermeidbaren Ineffizienzen nicht vorbei.

E-Kerosin kostet 7- bis 11-mal mehr

E-Fuels wären vergleichsweise teuer, und für E-Kerosin gilt das ganz besonders, da hier besonders viele Umwandlungsschritte nötig sind. In der Branche ist inzwischen die Rede davon, dass Abnahmeverträge für E-Kerosin angeboten würden, die den 7- bis 11-fachen Preis von fossilem Kerosin vorsähen(öffnet im neuen Fenster). Vor einigen Jahren war man hier noch optimistischer.

Der hohe Energiebedarf bei der Produktion von E-Fuels für den Flugverkehr spricht dafür, neben alternativen Kraftstoffen auf eine Reduktion des Flugverkehrs zu setzen. Zu diesem Schluss kommt etwa eine Studie von Wissenschaftlern der ETH Zürich aus dem Jahr 2023(öffnet im neuen Fenster).

Wenn man Technologien wie E-SAF nutzen will, stellt sich die Frage, wo dafür ein geeigneter Standort wäre. Da sich Wasserstoff nur schlecht transportieren lässt, wäre es naheliegend, entsprechende Technologien dort aufzubauen, wo erneuerbare Energien reichlich vorhanden und besonders günstig sind, etwa in sonnenreichen Regionen in Afrika oder Australien oder in dünn besiedelten Regionen mit viel Wasserkraft und dem Potenzial für einen ambitionierten Ausbau von Windenergie in Schweden oder Norwegen.

Ob solche Projekte in Deutschland sinnvoll sind, kann man in Frage stellen. Selbst dort, wo grüner Strom vergleichsweise günstig verfügbar ist, sind sie kein Selbstläufer.

Es stellt sich möglicherweise viel grundlegender die Frage, ob die Idee, aus Kohlendioxid und Wasser, die keinerlei nutzbare Energie enthalten, energiereiche Treibstoffe und Chemikalien herzustellen, von vornherein fehlgeleitet ist.

Klassische Biokraftstoffe sind allerdings ebenfalls keine Lösung, da sie auf Rohstoffen wie Fetten und Zucker basieren, die entweder nur in geringen Mengen verfügbar sind, etwa Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion, oder die bei ihrem Anbau gigantische Flächen benötigen. Beides ist nicht skalierbar und Letzteres auch nicht klimafreundlich.


Relevante Themen