Biogenes CO2 aus einer Papierfabrik
Im Januar 2026 wurde bekanntgegeben(öffnet im neuen Fenster), dass das Projekt nicht mehr in Rüdersdorf, sondern an der Raffinerie PCK in Schwedt gebaut werden soll. Später erfolgte auch ein neuer Projektname – aus Concrete Chemicals wurde Brandenburg eSAF. Als Partner hinzu kam die Firma Leipa, die in Schwedt eine Papierfabrik betreibt.
Bei der Produktion von Papier werden Reststoffe häufig verbrannt, um Prozessenergie zu gewinnen, so ist es auch in Schwedt. Auf dem Gelände von Leipa befindet sich ein Kraftwerk, in dem Prozessdampf gewonnen wird. Da es sich hierbei um CO2 handelt, das bei der Verbrennung von biologischen Reststoffen entsteht, gilt das als klimaneutral. Ob es das tatsächlich ist, hängt allerdings von der Herkunft des verwendeten Holzes ab und davon, ob die dabei betriebene Forstwirtschaft nachhaltig ist und nicht zu dauerhaften Kohlenstoffverlusten des Waldes führt.
Laut der Ankündigung von Enertrag sollen in der Anlage später 30.000 Tonnen Kerosin und 7.000 Tonnen Naphtha, das als Rohstoff in der chemischen Industrie verwendet werden kann, hergestellt werden.
Zum Vergleich der Größenordnung: Insgesamt produziert die Raffinerie Schwedt etwa 10 Millionen Tonnen an Treibstoffen und anderen ölbasierten Produkten. Das Projekt von Enertrag würde, selbst wenn es realisiert wird, davon nur 0,3 Prozent ersetzen.
Etwas weniger drastisch klingt das allerdings, wenn man es mit dem in Schwedt hergestellten Kerosin vergleicht. Das sind etwa 300.000 Tonnen(öffnet im neuen Fenster). Immerhin ein Zehntel davon würde Brandenburg eSAF ersetzen.
Die Zukunft der PCK-Raffinerie ist in der Landespolitik ein großes Thema
Die Ankündigung, dass an der PCK-Raffinerie in Schwedt ein Projekt für grüne Flugkraftstoffe entstehen solle, dürfte für die Brandenburger Landesregierung erfreulich sein, denn wie es um die Zukunft der Raffinerie bestellt ist, ist in der Region seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ein heißes Thema.
Die Raffinerie verarbeitete lange Zeit vor allem Öl aus Russland, das über die Pipeline Druschba (Deutsch: Freundschaft) geliefert wurde. Hauptanteilseigner ist Rosneft Deutschland, ursprünglich ein Tochterunternehmen des russischen Rosneft-Konzerns. Das Unternehmen steht inzwischen unter Treuhandverwaltung des Bundes. Kein Geheimnis ist, dass manche in der Region und in Brandenburg nach wie vor darauf hoffen, dass die Öllieferungen aus Russland wieder aufgenommen werden, wenngleich das weder realistisch noch ethisch verantwortbar erscheint.
Wie es mit der Raffinerie langfristig in einer klimaneutralen Zukunft weitergehen soll, dafür gibt es bislang lediglich diffuse Pläne und kleinere Pilotprojekte. Insofern war die Meldung, dass Enertrag eine Anlage zur Produktion grüner Flugtreibstoffe in Schwedt plane, für die Landespolitik positiv. Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) teilte im Januar mit(öffnet im neuen Fenster), dadurch könne sich "für die PCK-Raffinerie ein Tor in die Zukunft öffnen".
Kurz nach der symbolischen Übergabe des Förderbescheids kamen jedoch erste Fragen auf. Neben der in Treuhandverwaltung befindlichen Rosneft Deutschland sind die Ölkonzerne Eni und Shell Anteilseigner der PCK-Raffinerie. Laut einem Bericht des Tagesspiegels Ende Mai(öffnet im neuen Fenster) war demnach noch unklar, ob die Flächen für den Bau der Anlage von den Eigentümern freigegeben würden.
Der Bericht des Tagesspiegels bezieht sich dabei auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Christian Görke an die Bundesregierung. In der Antwort heißt es laut Bundestagsprotokoll (PDF)(öffnet im neuen Fenster): "Bei der PCK-Raffinerie muss eine Grundstückbereitstellung von den Gesellschaftern (Shell, Eni und Rosneft Deutschland) gebilligt werden. Die Bundesnetzagentur wird die Prüfung des Antrages von Rosneft Deutschland abschließen, sobald alle erforderlichen Dokumente vorliegen. Derzeit ist das noch nicht der Fall. Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor, ob andere Gesellschafter der PCK-Raffinerie bereits ihre Zustimmung gegeben haben."
Wir fragten bei Enertrag nach, ob diese Zustimmung inzwischen erteilt worden sei, erhielten darauf jedoch keine Antwort.
Neben Enertrag war das Unternehmen Zaffra an Brandenburg eSAF beteiligt, ein Gemeinschaftsunternehmen des südafrikanischen Energiekonzerns Sasol und des dänischen Anlagenbauers Topsoe. Deren Technologien sollten eine wichtige Rolle spielen.
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