Gründung von Algorithm Watch: Achtgeben auf Algorithmen

Eine neue Initiative will untersuchen, wie Algorithmen sich auf die Gesellschaft auswirken. Für den Auftakt dient die Netzkonferenz Re:publica, auf der über die Zukunft der digitalen Gesellschaft diskutiert wird. Wir haben mit den Machern gesprochen.

Artikel von veröffentlicht am
Algorithm Watch will mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Algorithmen.
Algorithm Watch will mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Algorithmen. (Bild: Hauke Gierow/Golem.de)

Algorithmen spielen eine immer größere Rolle im gesellschaftlichen Zusammenleben - doch die Gesellschaft bekommt oft nur wenig davon mit. Die Initiative Algorithm Watch möchte verstehen, wie wichtige Algorithmen funktionieren und was sie regeln sollen. Der Startschuss fällt auf der diesjährigen Re:Publica.

Stellenmarkt
  1. Software Engineer / Senior Software Engineer (w/m/d) - Backend
    NEXPLORE Technology GmbH, Darmstadt, Essen oder München
  2. Business Continuity Manager:in (w/d/m)
    Haufe Group, Freiburg im Breisgau
Detailsuche

"Ich will wissen, was der Facebook-Algorithmus optimieren soll. Wenn Facebook sagt, dass es Ziel des Algorithmus ist, die Leute möglichst lange auf der Seite zu halten, dann ist das gut. Dann kann ich das überprüfen", sagt Katharina Zweig. Zweig ist Informatik-Professorin an der Technischen Universität Karlsruhe und gehört zu den vier Mitgründern der Initiative. Neben Zweig stehen der Unternehmer und Journalist Matthias Spielkamp, die Internet-Governance-Expertin Lorena Jaume-Palasí und der Datenjournalist Lorenz Matzat hinter der Initiative.

Algorithm Watch plädiert nicht für eine Offenlegung aller Algorithmen, wie es zum Beispiel von Google immer mal wieder gefordert wird. "Das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, und es bringt auch viel weniger, als von vielen angenommen wird", sagt Zweig im Gespräch mit Golem.de. "Es geht uns nicht um Alarmismus, sondern um eine wichtige gesellschaftliche Debatte".

In dem Manifest der Initiative heißt es: "Algorithmische Entscheidungsprozesse (Algorithmic Decision Making, ADM) sind niemals neutral. Die Schöpfer von ADM-Prozessen sind verantwortlich für ihre Resultate. ADM-Prozesse werden nicht nur von ihren Entwicklern erschaffen. ADM-Prozesse müssen nachvollziehbar sein, damit sie demokratischer Kontrolle unterworfen werden können."

Die Gesellschaft soll über Algorithmen nachdenken

Golem Karrierewelt
  1. Jira für Anwender: virtueller Ein-Tages-Workshop
    17.01.2023, virtuell
  2. AZ-500 Microsoft Azure Security Technologies (AZ-500T00): virtueller Vier-Tage-Workshop
    30.01.-02.02.2023, virtuell
Weitere IT-Trainings

Letztlich müsse die Gesellschaft eine Entscheidung treffen, in welchen Bereichen Maschinen die Entscheidungsfindung unterstützen könnten und wo die menschliche Einschätzung wichtig bleibe. "Nehmen Sie den hypothetischen Fall eines Hartz-IV-Empfängers", sagt Zweig. "Er wohnt in einer Wohnung, die nach dem Gesetz eigentlich 5 Euro im Monat zu teuer ist, doch er ist in dem Stadtviertel verankert, die Kinder gehen dort zur Schule." Würde der Algorithmus entscheiden, sei der Fall klar. Ein menschlicher Entscheider könnte in diesem Fall ein Auge zudrücken. Wie die Entscheidung ausfalle, habe großen Einfluss auf die individuelle Lebensplanung der Person.

Algorithm Watch will wichtige Algorithmen auch mit Hilfe von Crowdsourcing untersuchen. Der Auftakt auf der Re:publica ist also vor allem eine Einladung zum Mitmachen. Die Initiative will interessierte Experten zusammenbringen und als Plattform fungieren. "Wir glauben, dass das europaweit die erste Initiative dieser Art ist. Wir sind gespannt darauf zu erfahren, welche Algorithmen die Leute am meisten interessieren - und was wir finden werden", sagt Initiator Spielkamp. Mit einem "Mix aus Technologie, Regulierung und geeigneten Aufsichtsinstitutionen" will Algorithm Watch die Auseinandersetzung um die Rolle von Algorithmen in Zukunft mitgestalten.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Loupedeck Live S ausprobiert
Alle Streams an Deck

Das Loupedeck Live S ist eine kleine Hardwaresteuerung für Streaming und Medien. Wir fänden mehr Cloud und weniger Kosten wünschenswert.
Ein Praxistest von Martin Wolf

Loupedeck Live S ausprobiert: Alle Streams an Deck
Artikel
  1. Social Media: EU-Kommissar droht Twitter mit Abschaltung
    Social Media
    EU-Kommissar droht Twitter mit Abschaltung

    Twitter muss sich an EU-Recht halten, stellt EU-Kommissar Thierry Breton klar. Er will sich demnächst mit Elon Musk treffen.

  2. MK-V Founder Series: Monarch-Elektrotraktor mit autonomer Fahrfunktion
    MK-V Founder Series
    Monarch-Elektrotraktor mit autonomer Fahrfunktion

    Der Traktorhersteller Monarch hat eine Landwirtschaftsmaschine mit Elektroantrieb vorgestellt, bei der der Fahrer optional ist.

  3. IT-Projektmanager: Mehr als Excel-Schubser und Flaschenhälse
    IT-Projektmanager
    Mehr als Excel-Schubser und Flaschenhälse

    Viele IT-Teams halten ihr Projektmanagement für überflüssig. Wir zeigen drei kreative Methoden, mit denen Projektmanager wirklich relevant werden.
    Ein Ratgebertext von Jakob Rufus Klimkait und Kristin Ottlinger

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5-Bundle vorbestellbar • Amazon-Geräte bis -53% • Mindstar: AMD-Ryzen-CPUs zu Bestpreisen • Alternate: Kingston FURY Beast RGB 32GB DDR5-4800 146,89€ • Advent-Tagesdeals bei MediaMarkt/Saturn: u. a. SanDisk Ultra microSDXC 512GB 39€ • Thrustmaster Ferrari GTE Wheel 87,60€ [Werbung]
    •  /