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Gründe für Otellinis Rücktritt: Intel hat den mobilen Trend verschlafen

Der weltgrößte Chiphersteller hat mehr Probleme, als es die aktuelle Bilanz ausweist: Im immer wichtigeren Mobilgeschäft spielt Intel bis heute keine Rolle – hier dominiert US-Rivale Qualcomm .
/ Michael Kroker (Wirtschaftswoche)
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Intel-Konzernchef Paul Otellini (Bild: Justin Sullivan/Getty Images)
Intel-Konzernchef Paul Otellini Bild: Justin Sullivan/Getty Images

Es erschütterte das Unternehmen, als der weltgrößte Chiphersteller Intel am Montagnachmittag verkündete, der langjährige Vorstandschef Paul Otellini werde auf der nächsten Hauptversammlung im Mai zurücktreten . Immerhin ist Otellini, der seit Ende 2005 als CEO amtiert, erst der fünfte Chef in der 45-jährigen Geschichte des US-Unternehmens.

Einen Nachfolger hat Intel ebenso wenig parat wie eine Begründung für den überraschenden Schritt. Letzteres ist jedoch gar nicht so schwer auszumachen: Bereits im Mai schrieb ich eine Analyse(öffnet im neuen Fenster) mit dem zugegebenermaßen provokanten Titel: "Intel – bereits ein Tech-Dinosaurier?" .

Otellinis Versäumnis

Denn trotz vordergründig positiver Quartalszahlen hatte Weltmarktführer im Prozessorbereich bis zu jenem Zeitpunkt keine Antwort auf die tektonischen Verschiebungen innerhalb der PC-Industrie weg von PCs hin in Richtung Mobile gefunden – ein Versäumnis auch und gerade von Chef Otellini.

Genau das erachten Marktbeobachter auch heute als größte Schwäche von Intel: Erst Anfang November, also wenige Tage vor dem Otellini-Rücktritt, hat das US-Magazin MIT Technologie Review eine Story(öffnet im neuen Fenster) mit dem Titel "Der Druck auf Intel steigt" veröffentlicht. Während Intel im Jahr 2000 noch rund 80 Prozent aller weltweit verkauften Prozessoren produziert hat, fiel jener Anteil bis Ende 2011 auf gut 30 Prozent.

Hauptgrund dafür ist der Übergang in die sogenannte Nach-PC-Ära(öffnet im neuen Fenster) : Zwar konnte Intel seinen Anteil an PC-Prozessoren stabil bei über 80 Prozent halten. Durch den Siegeszug von Mobilgeräten wie Tablets und Smartphones sank der Anteil von PC-Chips am gesamten Prozessormarkt aber gleichzeitig von 96 auf zuletzt gut 38 Prozent.

Genau im Segment von Smartphones und Tablets – von denen laut einer Prognose des Marktforschungshauses IDC im Jahr 2016 bereits dreimal so viele Geräte weltweit verkauft wurden wie herkömmliche Computer – spielt Intel jedoch bisher keine Rolle: Ende 2011 entfiel der Großteil der Umsätze bei Smartphoneprozessoren auf den US-Wettbewerber Qualcomm(öffnet im neuen Fenster) .

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Intel-Aktie in der vergangenen Dekade weitgehend seitwärts marschiert ist: Anfang 2003 notierte der Kurs bei rund 20 Dollar – was ziemlich genau dem Schlusskurs von Dienstagabend, nämlich 20,25 Dollar, entspricht(öffnet im neuen Fenster) .

Qualcomm überholt Intel

Damit aber nicht genug: Erst Anfang November hat Qualcomm den Erzrivalen Intel erstmals beim Börsenwert überholt(öffnet im neuen Fenster) – der Mobilchip-Primus hatte zuvor positive Zahlen fürs Geschäftsjahr 2012 vorgelegt. Qualcomm hat im Ende September abgelaufenen Fiskaljahr gut 19 Milliarden Dollar Umsatz und rund 6 Milliarden Dollar Nettogewinn erzielt(öffnet im neuen Fenster) (PDF).

Das dürfte für den langjährigen Weltmarktführer nicht weniger als einer Demütigung gleichkommen: Schließlich war Intel 2011 mit rund 54 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn von fast 13 Milliarden Dollar gut zweieinhalbmal so groß(öffnet im neuen Fenster) . Trotzdem bewertet die Börse das künftige Potenzial von Qualcomm höher.


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