Abo
  • Services:

Großbritannien: Wenn HTTPS zu Terrorismus wird

Großbritannien bewirbt sich um die absurdeste Auslegung von Anti-Terror-Gesetzen. Einem angeblichen Terroristen wird vorgeworfen, dass er sein Blog mit HTTPS verschlüsselt hat. Hoffentlich haben die Richter nicht verstanden, was sie getan haben.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die Flagge des Daesh.
Die Flagge des Daesh. (Bild: Gemeinfrei/Wikimedia Commons)

Großbritannien und der Rechtsstaat - das ist schon seit vielen Jahren eine problematische Beziehung. Denn in einem Land, das auf bloßen Verdacht und ohne Beweise Terrorverdächtige auf Wochen festhalten kann und Journalisten oder deren Angehörige zur Herausgabe von Passwörtern zwingen kann, oder einer der wichtigsten Zeitungen des Landes befiehlt, einem Macbook mit einem Winkelschleifer zu Leibe zu rücken kann mit dem Rechtsstaat nicht alles in Ordnung sein.

Stellenmarkt
  1. Technische Universität Berlin, Berlin
  2. Bosch Gruppe, Abstatt

In diesem Land gibt es nun einen neuen, absurden Fall: Einem 33-jährigen Mann wird in Großbritannien vorgeworfen, für die Terrororganisation Daesh (Islamischer Staat) Training im Umgang mit Verschlüsselungstechnologien angeboten zu haben, wie Ars Technica berichtet. Damit soll er, so der Vorwurf, den Terrorismus direkt unterstützt haben. Außerdem soll er ein nicht näher bezeichnetes "Computerprogramm" auf einem als Manschettenknopf getarnten USB-Stick versteckt haben.

Einer der konkreten Anklagepunkte lautet "Vorbereitung von Terrorismus", durch "die Suche nach einem Verschlüsselungsprogramm, die Entwicklung einer verschlüsselten Version seines Blogs und durch die Veröffentlichung von Anleitungen rund um die Nutzung des Programms und seines Blogs". Die Adresse dieses unter Terrorverdacht stehenden Blogs ist derzeit unbekannt.

Einführung von HTTPS ist strafbar

Die Einführung von HTTPS auf seinem privaten Blog wird dem Mann als vermeintliche Straftat vorgehalten. Innenminister sprechen immer wieder über ein Verbot von Kryptographie, oder fordern sogenannte "Hintertüren", um einen Zugriff auf verschlüsselte Informationen durch Strafverfolgungsbehörden zu ermöglichen. Hier soll Verschlüsselung offenbar durch die "Hintertür" kriminalisiert werden.

Zuletzt gab es eine gemeinsame Erklärung der Innenminister von Deutschland und Frankreich, deren Inhalt aber offenbar nicht einmal die deutsche Delegation richtig verstand.

Was hier beschrieben wird, ist komplett normales Verhalten aufgeklärter Internetnutzer. Wer das als "Unterstützung des Terrorismus" auslegt hat nicht verstanden, wie das Netz funktioniert. Scotland Yard kriminalisiert hier im Zusammenhang mit ohnehin fast beliebig auslegbaren Anti-Terror-Gesetzen eine Praxis, die für die Gesamtheit der Webnutzer von großem Vorteil ist.

Entweder wollen die zuständigen Beamten eine neue Rechtspraxis schaffen, die noch nicht einmal von den bisherigen Gesetzen gedeckt ist. Oder die Richter haben einfach nicht verstanden, worüber sie entschieden haben. Es bleibt zu hoffen, dass es sich um letzteres handelt.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 12,99€
  2. 45,99€ (Release 19.10.)
  3. 59,98€ mit Vorbesteller-Preisgarantie (Release 12.10.)
  4. 4,99€

Sylvester Smith 20. Okt 2016

I don't think HTTPs will badly affect the website so in place of some pages it is good...

Atalanttore 15. Okt 2016

Falsch konfigurierte Mailserver.

Atalanttore 15. Okt 2016

Amerikanische Wanzen gibt es in der EU schon genug.

ptepic 14. Okt 2016

Liest sich wie ein Scherzartikel von denen. Ne, mal ehrlich. Gibt es echt so...

My1 13. Okt 2016

dann wird man wohl auch verhaftet wenn man laufen /dev/urandom ins internet hochlädt...


Folgen Sie uns
       


Vayyar Smart Home - Hands on

Vayyar hat auf der Ifa 2018 Vayyar Home vorgestellt. Die Box kann in einem Raum eine gestürzte Person erkennen und Hilfe rufen.

Vayyar Smart Home - Hands on Video aufrufen
Gesetzesentwurf: So will die Regierung den Abmahnmissbrauch eindämmen
Gesetzesentwurf
So will die Regierung den Abmahnmissbrauch eindämmen

Obwohl nach Inkrafttreten der DSGVO eine Abmahnwelle ausgeblieben ist, will Justizministerin Barley nun gesetzlich gegen missbräuchliche Abmahnungen vorgehen. Damit soll auch der "fliegende Gerichtsstand" im Wettbewerbsrecht abgeschafft werden.
Von Friedhelm Greis


    Zukunft der Arbeit: Was Automatisierung mit dem Grundeinkommen zu tun hat
    Zukunft der Arbeit
    Was Automatisierung mit dem Grundeinkommen zu tun hat

    Millionen verlieren ihren Job, aber die Gesellschaft gewinnt dabei trotzdem: So stellen sich die Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens die Zukunft vor. Wie soll das gehen?
    Eine Analyse von Daniel Hautmann

    1. Verbraucherschutzminister Kritik an eingeschränktem Widerspruchsrecht im Online-Handel
    2. Bundesfinanzminister Scholz warnt vor Schnellschüssen bei Digitalsteuer
    3. Sommerzeit EU-Kommission will die Zeitumstellung abschaffen

    Segelflug: Die Höhenflieger
    Segelflug
    Die Höhenflieger

    In einem Experimental-Segelflugzeug von Airbus wollen Flugenthusiasten auf gigantischen Luftwirbeln am Rande der Antarktis fast 30 Kilometer hoch aufsteigen - ganz ohne Motor. An Bord sind Messinstrumente, die neue und unverfälschte Daten für die Klimaforschung liefern.
    Ein Bericht von Daniel Hautmann

    1. Luftfahrt Nasa testet leise Überschallflüge
    2. Low-Boom Flight Demonstrator Lockheed baut leises Überschallflugzeug
    3. Elektroflieger Norwegen will elektrisch fliegen

      •  /