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Greenwashing: Rechenzentren setzten trotz Gesetzesvorgaben auf Gas

Trotz gesetzlicher Vorgaben setzen neue Rechenzentren auf fossile Gasversorgung. Die Betreiber wissen, wie man Greenwashing betreibt und das Gesetz umgeht.
/ Achim Sawall
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Gastrasse des Gaskraftwerks Irsching (Bild: GAS- UND WASSERSTOFF­WIRTSCHAFT)
Gastrasse des Gaskraftwerks Irsching Bild: GAS- UND WASSERSTOFF­WIRTSCHAFT

Trotz gesetzlicher Vorgaben für erneuerbare Energien planen Betreiber von Rechenzentren eigene fossile Gaskraftwerke. Einer Recherche des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) zufolge begünstigen fehlende Netzkapazitäten die lokale Stromversorgung mit fossiler Energie. "Das Stromnetz bietet nicht genügend Netzanschlusskapazitäten an den Orten, an denen Rechenzentren errichtet werden sollen" , sagte Ralph Hintemann, der die Versorgung von Rechenzentren beim Borderstep Institut analysiert.

So gibt es verschiedene Beispiele für Gaskraftwerke, die aktuell in der Planung oder im Bau sind und die Stromversorgung von Rechenzentren sichern sollen. Der Betreiber Edgeconnex in Maintal bei Frankfurt etwa plant ein Rechenzentrum mit 170 Megawatt Leistung. Bis zum Anschluss ans Stromnetz im Jahr 2037 soll ein eigenes Gaskraftwerk den Strom liefern.

Greenwashing wird staatlich gefördert

Eon baut gemeinsam mit Cyrusone ein Kraftwerk mit 61 Megawatt (MW). In Mainz entsteht eine Anlage mit 54 Megawatt für die Notstromversorgung eines Rechenzentrums des Anbieters Green Mountain. In Birstein (Hessen) soll die Frank Cube Power Station der Argaman Group die Stromversorgung eines Rechenzentrums mit 200 MW Kapazität sichern.

Bis 2030 dürfte sich der Energiebedarf der Rechenzentren in Deutschland auf über 30 TWh pro Jahr erhöhen. "Die knappe Verfügbarkeit leistungsfähiger Stromnetzanschlüsse verzögern die Realisierung neuer Projekte und begrenzen das mögliche Wachstumstempo" , hieß es in der Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little im Auftrag des Branchenverbands Eco, die am 30. September 2025 vorgelegt wurde.

Die Bundesregierung will die Kapazitäten bis 2030 auf sechs Gigawatt verdoppeln. Dennoch müssen ab 2027 Rechenzentren ihren Strom rein bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen. Betreiber können ihren Verbrauch jedoch über Zertifikate ausgleichen. Kritiker bemängeln oft, dass rein bilanzielle Lösungen ein Greenwashing erlauben. Ein Rechenzentrum kann nachts mit Kohlestrom laufen, solange es genug Solar-Zertifikate für den Tag kauft.

Bilanziell bedeutet das, dass für jede Megawattstunde Strom, die aus erneuerbaren Quellen kommt, ein Zertifikat ausgestellt wird. Der Strom wird an der Börse verkauft und fließt in den allgemeinen Strommix ins Netz. Das Zertifikat wird separat gehandelt. Der Betreiber des Rechenzentrums kauft für jede verbrauchte Megawattstunde Graustrom aus dem allgemeinen Netz ein Grünstrom-Zertifikat. Damit darf er den Strom als "grün" deklarieren, da die ökologische Eigenschaft der Erzeugung erworben wurde.


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