Greenpeace: Amazon zerstört weiter Neuwaren

Ein Greenpeace-Aktivist hat Bilder von Destroy-Stationen bei Amazon gemacht. Durch diese Bereiche läuft jede Woche mindestens eine Lkw-Ladung.

Artikel veröffentlicht am ,
Warenboxen im Destroy-Bereich von Amazon
Warenboxen im Destroy-Bereich von Amazon (Bild: Greenpeace)

Amazon soll weiter regelmäßig neuwertige Ware, darunter Kleidung, Spielzeug, T-Shirts, Bücher und Elektro-Artikel vernichten. Das berichtet die Umweltschutzorganisation Greenpeace am 20. Mai 2021 unter Berufung auf Filmaufnahmen eines ihrer Aktivisten aus dem Amazon-Logistikzentrum im niedersächsischen Winsen (Luhe). Nicht verkaufte Ware wird dort von Amazon zur Zerstörung aussortiert.

In Winsen würden an acht Arbeitsplätzen, die Amazon Destroy-Stationen nennt, originalverpackte Produkte für die Vernichtung vorsortiert. Amazon entsorge so an dem Standort jede Woche mindestens eine Lkw-Ladung nicht verkaufter Ware, von T-Shirts über Bücher bis hin zu fabrikneuen Elektroartikeln.

"Amazon setzt allein auf schnellen Umsatz und hält deshalb den Platz im Regal für wichtiger als das Produkt darin - eine klimaschädliche Ressourcenverschwendung", sagte Viola Wohlgemuth, Konsum-Expertin von Greenpeace.

Der Greenpeace-Rechercheur hatte den Angaben zufolge mehrere Wochen als Angestellter im Amazon-Logistikzentrum in Winsen gearbeitet und die Vorgänge dokumentiert.

Gesetz gegen Warenzerstörung sieht bisher keine Strafen vor

Amazon Deutschland hat die Vorgänge auf Anfrage von Golem.de bisher nicht kommentiert.

Vernichtet wird laut Informationen von Panorama und Zeit in Winsen vor allem nicht verkaufte Ware von Dritthändlern, die über Amazon verkaufen. Amazon bietet ihnen die Entsorgung an, wenn etwa ihre bei Amazon gelagerten Waren über einen bestimmten Zeitraum nicht gekauft wurden. Das bestätigt Christian Pietsch, dessen Unternehmen über Amazon Lederwaren anbietet, Panorama und Zeit. Man müsse die Artikel bei Amazon binnen einer gewissen Zeit verkaufen, weil sonst hohe Langzeitlagergebühren anfielen. Eine öffentlich zugängliche Preisliste von Amazon für Dritthändler, "gültig ab April 2021", belegt das. Darin heißt es: "Die Langzeitlagergebühr wird nicht berechnet, wenn vor der Erhebung der Gebühr eine Entfernung oder Entsorgung der Einheiten angefordert wurde." Der Preisliste ist auch zu entnehmen: Amazon erhebt für die Entsorgung eine Gebühr.

Das Bundeskabinett beschloss am 12. Februar 2020 ein Gesetz, das die Vernichtung von Rücksendungen im Onlinehandel angeblich stoppen soll. Amazon nutze jedoch aus, dass es bisher keine Rechtsverordnung zur Obhutspflicht gibt, weshalb keine Strafen verhängt werden, erklärte Greenpeace. Der Konzern bereitet sich laut Greenpeace bereits darauf vor, dass laut Gesetz Entsorgungsunternehmer nur noch kaputte Ware abholen dürfen. Greenpeace liegen Informationen vor, dass Amazon künftig originalverpackte T-Shirts zerschneiden wollte, bevor sie in die Abfalltonne geworfen werden. Ein Testlauf, bei dem Textilien mit der Schere zerstört wurden, fand bereits statt.

Amazon-Dementi geht an den meisten Vorwürfen vorbei

Ein Amazon-Sprecher erklärte Golem.de: "Tatsächlich liegt die Zahl der von Amazon verkauften und versandten Produkte, die entsorgt werden müssen, im Promillebereich - und wir geben alles, diese Zahl weiter zu reduzieren." Doch Greenpeace wirft Amazon vor, nicht verkaufte Neuwaren von Marketplace-Händlern zu vernichten, weil den viel kleineren Unternehmen sonst hohe Lagergebühren entstünden. Zum Volumen dieser Warenvernichtung werden keine Angaben gemacht.

Dass Amazon künftig originalverpackte T-Shirts zerschneiden wolle, bevor sie in die Abfalltonne geworfen werden, weise man entschieden zurück. "Es gibt keinen Prozess zum Zerschneiden von Modeartikeln vor der Übergabe an ein Entsorgungsunternehmen und es gab und gibt keinerlei Planungen, ein solches System einzuführen. Wir weisen diese Vorwürfe entschieden zurück. Wir hatten Ende 2020 einen ersten Testlauf mit einem neuen Partner in Winsen, um sicherzustellen, dass er die von uns bereitgestellten Stoffe recyceln kann. Für diesen Test mussten wir einmalig unbrauchbare Ware zur Verfügung stellen", erklärte der Sprecher.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


johnripper 24. Mai 2021

Boar alles eingängige unter den Blinden hier unterwegs. Das Problem der Lagerhaltung ist...

Gryphon 24. Mai 2021

Tjaaaa, das ist wohl die große ungelöste Frage der Menschheit. (Nicht, dass in anderen...

forenuser 23. Mai 2021

Gibt es auch heute noch, wenn wohl auch nicht bei jedem Bäcker. Anderseits versuchen die...

Benutztername12345 23. Mai 2021

Weil die Leute die dann ein tshirt von so einer Organisation bekommen keins kaufen?



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Solarenergie
Berlin fördert Balkonkraftwerke mit bis zu 500 Euro

Neben anderen Städten und Bundesländern unterstützt nun auch Berlin die Anschaffung von kleinen Solaranlagen. Jedoch nicht für alle Bürger.

Solarenergie: Berlin fördert Balkonkraftwerke mit bis zu 500 Euro
Artikel
  1. Der Herr der Ringe: Lego bringt Bruchtal aus 6.100 Teilen und mit 15 Figuren
    Der Herr der Ringe
    Lego bringt Bruchtal aus 6.100 Teilen und mit 15 Figuren

    Die gesamte Gemeinschaft des Ringes versammelt sich in den Hallen von Bruchtal, das als Lego-Diorama Herr-der-Ringe-Fans erfreuen kann.

  2. Navigation und GPS: Google Maps baut 3D-Städte und Inneneinrichtungen mit KI
    Navigation und GPS
    Google Maps baut 3D-Städte und Inneneinrichtungen mit KI

    Google Maps wird mit diversen neuen Funktionen ausgestattet - etwa mit Navigation per Augmented Reality oder 3D-Modellen bekannter Städte.

  3. Stress reduzieren: Runter mit der Hasskappe!
    Stress reduzieren
    Runter mit der Hasskappe!

    Viele ITler stehen unter enormen Stress und ruinieren sich damit die Gesundheit und den Spaß an der Arbeit - und anderen den Tag. Psychologen empfehlen als Lösung: mit Affirmationen die eigenen Gedanken umprogrammieren.
    Ein Bericht von Marc Favre

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Powercolor RX 7900 XTX 1.119€ • WSV-Finale bei MediaMarkt • Samsung 980 Pro 2TB (PS5-komp.) 174,99€ • MSI RTX 4080 1.349€ • Samsung 55" 4K QLED Curved Gaming-Monitor -25% • Asus RX 7900 XT 939,90€ • DAMN-Deals: AMD CPUs zu Tiefstpreisen • PCGH Cyber Week nur bis 9.2. [Werbung]
    •  /