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Greenlyte Carbon Technologies: CO2-Fänger gegen den Klimawandel

Ein Start-up aus Essen kann etwa 100 Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Luft filtern. Zukünftige Anlagen sollen noch mehr schaffen. Dabei ist die Technik umstritten und derzeit (noch) teuer.
/ Patrick Klapetz
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Der CO2-Sauger von Greenlyte Carbon Technologies bei der Einweihungsfeier im vergangenen Jahr (Bild: Greenlyte Carbon Technologies)
Der CO2-Sauger von Greenlyte Carbon Technologies bei der Einweihungsfeier im vergangenen Jahr Bild: Greenlyte Carbon Technologies

Immer mehr Firmen investieren in Technik, die Kohlendioxid aus der Luft filtert. Peter Behr von der Universität Duisburg-Essen arbeitet seit 15 Jahren an einer solchen Direct-Air-Capture-Technik (DAC). Er wurde – neben vielen anderen – von dem Unternehmer und Maschinenbauer Florian Hildebrand angeschrieben, weil Hildebrandt eine emissionsreduzierende Firma gründen wollte, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ)(öffnet im neuen Fenster) .

Gemeinsam mit Niklas Friedrichsen gründeten Hildebrand und Behr in Essen das Start-up Greenlyte Carbon Technologies(öffnet im neuen Fenster) . Im vergangenen Jahr nahmen sie bereits einen Kohlendioxid-Sauger in Betrieb. Das Herausfordernde an der Technik ist, dass der CO 2 -Anteil in der Luft lediglich 0,04 Prozent ausmacht. Das macht es kompliziert, einen kleinen Teil davon effizient aus der Luft zu filtern, erklärt Hildebrand gegenüber der SZ.

Pro Stunde etwa sieben bis zehn Kilogramm Kohlenstoffdioxid absaugen

Die Technik funktioniert, filtert jedoch nur sehr wenig CO 2 aus der Luft und verbraucht dabei zu viel Energie. Wenn der dafür nötige Strom aus nicht regenerativen Energien stammt, lohnt sich die Technik bisher also nicht. Bisweilen kann das Start-up etwa 100 Tonnen CO 2 aus der Luft filtern. Das entspricht der Kapazität von 10.000 Bäumen.

"In Abhängigkeit der Luftfeuchtigkeit, der Temperatur und des Adsorptionsmittels werden zwischen 0,8 und 2 tH2O/tCO 2 im Prozess als Nebenprodukt abgeschieden. Das CO 2 wird anschließend weiter aufbereitet", heißt es in einer Technologie-Komponenten-Analyse(öffnet im neuen Fenster) . Die größte deutsche DAC-Anlage in Essen schafft stündlich etwa sieben bis zehn Kilogramm. Einen Abnehmer hat Greenlyte Carbon Technologies bereits und der sitzt in Kanada.

Neue Anlagen entstehen und bleiben dennoch umstritten

Es ist nicht die einzige Anlage dieser Art. Auf Island steht mit Orca die größte Anlage weltweit . Und Climeworks baut gerade eine noch größere Anlage . Auch in den USA (in Texas und Louisiana) sollen DAC-Anlagen hochgezogen werden. Die amerikanische Regierung will 1,2 Milliarden US-Dollar in die beiden Pilotanlagen investieren .

Die Technik bleibt umstritten. DAC ist laut der Internationalen Energieagentur (IEA)(öffnet im neuen Fenster) die teuerste Möglichkeit, um Kohlendioxid zu filtern. Bis zum Jahr 2030 sollen der Luft jährlich 75 Megatonnen CO 2 entzogen werden. Derzeit filtern 27 weltweite DAC-Anlagen jährlich etwa 0,01 Megatonnen an Kohlendioxid. Bei weiteren 130 geplanten Anlagen wird sich daran wenig ändern.

Im Erstbericht von  The State of Carbon Dioxide Removal(öffnet im neuen Fenster) (CDR; Der Stand der Kohlendioxid-Entfernung) werden unter anderem drei Szenarien vorgestellt, die zeigen, wie viel CO 2 tatsächlich bis wann aus der Luft gefiltert werden muss. Golem.de hat darüber bereits berichtet .

Bei Greenlyte Carbon Technologies liegen die Kosten pro gefilterte Tonne zwischen 400 und 500 Euro. Das Unternehmen hofft, dass sie die Kosten auf 100 bis 150 Euro pro abgesaugte CO 2 -Tonne senken können.


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