Great Firewall: China lockert die Internetzensur in Landesteil
China lockert die Internetzensur im südlichen Landesteil Hainan. Wie die South China Morning Post (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf staatliche Stellen berichtet, wurde in der Inselprovinz ein Pilotprogramm für Firmen gestartet, weil Hainan zum globalen Freihandelshafen ausgebaut wird. Beschäftigte von in Hainan registrierten und tätigen Unternehmen können sich laut der Agentur, die dem staatlichen Hainan Big Data Development Centre untersteht, über das Hainan International Data Comprehensive Service Centre (HIDCSC) für den Mobilfunkdienst Global Connect bewerben.
Nur wer einen 5G-Tarif bei einem der drei großen staatlichen Mobilfunkanbieter China Mobile, China Unicom oder China Telecom gebucht hat, kann Global Connect nutzen. Der Prozess bis zur Freischaltung kann laut HIDCSC-Mitarbeitern jedoch bis zu fünf Monaten dauern, berichtet die South China Morning Post. Restriktionen bezüglich der Unternehmensgröße soll es nicht geben.
Youtube, X und Tiktok freigegeben
Plattformen wie Youtube, X und Tiktok wären zwar zugänglich, einige Websites blieben jedoch weiterhin gesperrt, teilten Nutzer der Zeitung mit.
Im WLAN von internationalen Hotels wird die Great Firewall des Regimes landesweit bereits teilweise umgangen, indem die Betreiber Virtual Private Networks (VPNs) einrichten, ergaben auch Recherchen von Golem.de. Hier ist unklar, ob es offizielle Regelungen gibt oder ob dafür Zahlungen an lokale Behörden fließen. Einige eSIMs für ausländische Reisende wie Airalo, die für China verfügbar sind, umgehen ebenfalls die Great Firewall. eSim erlaubt den Zugriff auf das Mobilfunk-Roaming-System, in dem gibt es traditionellerweise keine Firewalls.
100 Millionen Chinesen nutzen VPNs
Der unerlaubte Verkauf oder die Nutzung von VPNs zur Umgehung der Großen Firewall ist in China weiterhin illegal. Laut Informationen von Golem.de nutzen dennoch rund 100 Millionen Chinesen VPNs, mit mehr oder minder stark verlangsamten Zugriff.
Wer blockierte Inhalte oder Dienste in China nutzen will, erhält keine Warnung, sondern wird mit unendlichem Laden und anderen Meldungen zu Timeout, Verbindungsfehler oder Netzwerkproblemen hingehalten.
Die Great Firewall, die offiziell Golden Shield Project heißt, setzt die staatliche Zensur technisch mehrstufig um: Genutzt werden DNS-Poisoning/Spoofing, Blockieren des IP-Zugriffs, URL-Analyse und -Filterung nach Schlüsselwörtern, Deep Packet Inspection und das Blockieren von VPNs.
Bei der Einrichtung der Great Firewall soll der US-Netzwerkausrüster Cisco die chinesischen Behörden mit Hardwarelieferungen unterstützt haben. Auch Google betrieb bis zum Jahr 2010 eine Suchmaschine in China , die die politischen Vorgaben der Regierung mit aufwendig manipulierten Suchergebnissen unterstützte.
China: Oppositionelle Kommunisten in Haft
Zu den vielen verbotenen Themen im chinesischen Internet gehören auch Streiks, politische Proteste, Umweltzerstörung oder Enthüllungen über den gigantischen Reichtum der Staats- und Parteiführung, die sich "kommunistisch" nennt. Auch eine linke Opposition ist verboten und wird streng verfolgt: So wurden Aktivisten, die im Jahr 2018 bei dem Unternehmen Shenzhen Jiashi Technology versuchten, eine unabhängige Gewerkschaft aufzubauen, verhaftet. Viele der Arbeiter und oppositionelle marxistische Studenten, die dies unterstützten, verschwanden in der Haft(öffnet im neuen Fenster) .
Die Herrschenden in China wollen Hainan für umgerechnet knapp zwei Milliarden US-Dollar (13,8 Milliarden Yuan) zum landesweit größten Freihandelshafen ausbauen, weitere sollen folgen. Nach der Fertigstellung können Waren zollfrei ein- und ausgeführt werden, um Handel, Tourismus und ausländische Investitionen zu fördern. Auch die Sonderverwaltungszone Hongkong steht nicht innerhalb der Great Firewall. Für viele Firmen, auch chinesische, erschwert die staatliche Internetzensur die tägliche Arbeit, weil Suchmaschinen nicht zugänglich und Chatdienste blockiert sind.
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