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Grausame Videos: Ehemaliger Content-Moderator verklagt Youtube

Nach fast zweijähriger Tätigkeit als Content-Moderator bei Youtube hat eine Mitarbeiterin starke psychische Probleme entwickelt – und verklagt daher Youtube.
/ Tobias Költzsch
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Youtube wird in den USA wegen Vernachlässigung seiner Content-Moderatoren verklagt. (Bild: ROBYN BECK/AFP via Getty Images)
Youtube wird in den USA wegen Vernachlässigung seiner Content-Moderatoren verklagt. Bild: ROBYN BECK/AFP via Getty Images

In den USA hat eine Anwaltsgemeinschaft eine Klage gegen Youtube eingereicht. Der Grund der Klage ist mangelnder Schutz der Mitarbeiter vor den psychischen Auswirkungen, die durch das stundenlange Begutachten von hochgeladenen Videos verursacht werden. Die Klage angestoßen hat eine ehemalige Mitarbeiterin eines Unternehmens, das Youtube sogenannte Content-Moderatoren zur Verfügung stellt, wie The Verge berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Die Frau hat zwischen Januar 2018 und August 2019 als Angestellte des Unternehmens Collabera gearbeitet und mit zahlreichen Kollegen Videos aussortiert, die den Richtlinien von Youtube nicht entsprachen. Während dieser Zeit habe die Geschädigte der Klage zufolge auch Videos anschauen müssen, in denen unter anderem kannibalistische Handlungen, Selbstmorde, Vergewaltigungen, Tierquälereien und Schießereien an Schulen zu sehen gewesen seien.

Infolgedessen habe die Frau schwere psychische Probleme entwickelt, die mit denen einer posttraumatischen Belastungsstörung vergleichbar seien. Sie leide unter Schlafstörungen, da sie die gesehenen Bilder nicht vergessen könne. Zudem könne sie sich nicht in Umgebungen aufhalten, in denen sich viele Menschen befinden, da sie Angst vor Schießereien entwickelt habe.

Moderatoren hatten keine professionelle psychologische Begleitung

Die Klägerin wirft Youtube vor, sie und ihre Kollegen nicht ausreichend vor den Auswirkungen der Videos geschützt zu haben. So sollten die Content-Moderatoren eigentlich pro Tag nur vier Stunden derartige Inhalte begutachten müssen, aufgrund von Unterbesetzung sei die tatsächliche Zeit aber länger gewesen. Auch versprochene Pausen seien im Endeffekt nicht eingehalten worden.

Sogenannte Wellness-Coaches sollten den Mitarbeitern die Arbeit durch psychologischen Beistand erleichtern. In der Realität sollen diese Coaches allerdings keine psychologische Ausbildung gehabt haben und der Klägerin zur Nutzung illegaler Drogen geraten haben.

Alle Content-Moderatoren sollen stets die Angst gehabt haben, bei Beschwerden entlassen zu werden. Nach ersten Recherchen zum Thema Arbeitsschutz bei Content-Moderatoren seitens The Verge soll Youtube in die Arbeitsverträge einen Passus inkludiert haben, in dem die Unterzeichnenden akzeptieren, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln können.


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