Gratis-Versand: Amazon umgeht Verbot in Frankreich
Erst vor wenigen Tagen feierten die traditionellen Buchhändler in Frankreich einen Etappensieg in der Auseinandersetzung mit Amazon: Das Parlament hatte in einem Gesetzesbeschluss den kostenlosen Versand preisreduzierter Bücher verboten und damit vor allem auf Amazon gezielt. Doch jetzt scheint der Online-Händler einen Weg gefunden zu haben, das Verbot zu umgehen.
Laut einem Bericht des französischen Fernsehsenders France 24(öffnet im neuen Fenster) berechnet der US-Konzern für den Versand rabattierter Bücher ab sofort standardmäßig 1 Cent. Das geht aus einer FAQ-Seite(öffnet im neuen Fenster) hervor, die Amazon pünktlich zum neuen Gesetz ins Netz stellte. Mitglieder von Amazons Prime-Angebot müssen demnach weiterhin keine Extra-Versandkosten zahlen.
Hintergrund für den Gesetzesbeschluss war der Versuch Amazons , die Buchpreisbindung zu umgehen. So hatte der Konzern die in Frankreich zulässigen Rabatte von fünf Prozent mit einem kostenlosen Versand gekoppelt. Buchhändler kritisierten das als unlauteren Wettbewerb. Auch Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti warf dem US-Konzern vor, französische Buchläden mit einer "Strategie des Dumpings" ausschalten zu wollen. In Frankreich gibt es rund 3500 Buchläden, von denen zwischen 600 und 800 keiner Kette angehören.
Amazon bezeichnet das Gesetz als "diskriminierend"
Das neue Gesetz sieht deshalb vor, dass Buchhändler nur Rabatte bis maximal fünf Prozent auf die von den Verlagen festgelegten Preise geben dürfen. Zudem darf nur der Versand selbst rabattiert werden, muss aber stets kostenpflichtig bleiben. Amazon bezeichnete das Gesetz als "diskriminierend" .
Der Gesetzestext war von der konservativen Opposition eingebracht und vom Senat einstimmig angenommen worden. Die Regierung hatte dem Konzern mehrfach vorgeworfen, in Frankreich kaum Steuern zu zahlen. Amazon hat seinen europäischen Sitz in Luxemburg.
In Deutschland hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels im April Beschwerde gegen den Konzern beim Bundeskartellamt eingereicht. Der Branchenverband behauptete, der Onlinehändler verzögere bewusst die Auslieferung gedruckter Bücher der schwedischen Verlagsgruppe Bonnier, um höhere Rabatte beim Einkauf von E-Books zu erzwingen. So werde die Marktmacht Amazons als Einkäufer elektronischer Bücher missbraucht.
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