Grand-Inga-Damm: Gigantischer Damm zur afrikanischen Energieversorgung
In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) soll der 80 Milliarden Dollar teure Grand-Inga-Damm(öffnet im neuen Fenster) entstehen. Das Megaprojekt soll Millionen von Menschen mit Strom versorgen und übersteigt sogar die Drei-Schluchten-Talsperre in China.
Während der chinesische Damm eine Stromerzeugungskapazität von 22,5 Gigawatt erreicht – mehr als 15 Atomreaktoren zusammen(öffnet im neuen Fenster) -, soll die afrikanische Talsperre 40 Gigawatt erzeugen können.
Der gigantische Kongo-Fluss
Damit könnte im Kongo das größte Wasserkraftwerk der Welt entstehen, das sich die Kraft eines der mächtigsten Flüsse der Welt zunutze macht: des Kongo-Flusses. Er ist der zweitgrößte Fluss der Welt und durchquert die vier Länder Sambia, Demokratische Republik Kongo, Angola und die Republik Kongo.
Aufgrund seiner Länge von 4.374 Kilometern durchläuft er den Äquator zweimal und ist mit einer Wasserführung von 41.800 m³/s der wasserreichste Fluss des Kontinents. Zudem ist er mit seinen 220 Metern Tiefe der tiefste Fluss der Welt.
Inga I und II: Zwei Wasserkraftwerke gibt es bereits
An den Inga-Fällen gibt es bereits zwei Staumauern, die mit den Laufwasserkraftwerken Inga I und II versehen sind. Inga I wurde bereits im Jahr 1972 unter Diktator Mobutu Sese Seko in Betrieb genommen, zehn Jahre später folgte Inga II.
Während das ältere Kraftwerk mit sechs Turbinen auf 58,5 MW Leistung kommt, erreicht Inga II mit acht Turbinen 178 MW. Ab 2005 erfolgte die Instandsetzung, wodurch die Kraftwerke eine Leistung von 1.750 MW erreichen sollten. Die Realität, auch infolge der zunehmenden Verschlammung, lag im Mai 2008 jedoch bei weniger als einem Viertel der erhofften Leistung.
Der Grand-Inga-Damm als Wirtschaftsmotor?
Nach langen Diskussionen wurde im August 2020 schließlich das Wasserkraftprojekt Inga III weiter vorangetrieben, das zukünftig 11.050 MW produzieren soll. Doch anders als Inga I, II und III soll das davon losgelöste Staudammprojekt Grand Inga nicht durch Kanäle das Wasser des Kongo abzweigen, sondern eine komplette Umleitung und Aufstauung des Flusses ermöglichen. Der Grand-Inga-Damm wird aus einer Reihe miteinander verbundener Dämme und Stauseen bestehen. Insgesamt sind sechs Wasserkraftwerke geplant.
Das 40-Gigawatt-Wasserkraftwerk könnte zum Wirtschaftsmotor der Region werden. Etwa die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung, also rund 600 Millionen Menschen(öffnet im neuen Fenster), leidet unter der afrikanischen Energiekrise. Viele Länder sind mit ständigen Stromausfällen konfrontiert, die das Wirtschaftswachstum behindern. Doch mit dem neuen Staudamm könnten Millionen von Menschen Zugang zu Elektrizität erhalten.
Länder wie Nigeria, Südafrika und Ägypten haben zudem bereits ihr Interesse bekundet, die erzeugte Energie zu kaufen. Dadurch könnten Industrie, Unternehmen und sogar Technologie-Start-ups in der gesamten Region gefördert werden.
Finanzierung und weitere Probleme
Doch das Megaprojekt steht unter starkem finanziellen Druck. Fachleute gehen davon aus, dass die angestrebten Kosten von 80 Milliarden US-Dollar überschritten werden und sich eher auf 155 Milliarden US-Dollar belaufen werden. Dennoch bemüht sich die Demokratische Republik Kongo nicht nur um die Unterstützung der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank, sondern möchte auch private Investoren zur Teilnahme einladen.
Neben den finanziellen Problemen stehen aber auch ethische und umwelttechnische Überlegungen im Raum. Die Auswirkungen auf das lokale Ökosystem sind noch unbekannt. Es gibt zum Beispiel Tier- und Pflanzenarten, die nur im Bundi-Tal vorkommen, was Umweltschützern große Sorgen bereitet(öffnet im neuen Fenster). Außerdem müssten für das Megaprojekt 30.000 Menschen umgesiedelt werden. Ob es dafür eine Entschädigung gibt, wie sie beispielsweise bei Umsiedlungsprojekten in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen) durch den Energiekonzern RWE gängig ist, ist unklar.
Hinzu kommen noch Probleme wie Korruption oder technische Herausforderungen. Damit ist die Zukunft des Megaprojekts noch lange nicht gesichert. Falls die Finanzierung und Umsetzung jedoch gelingen sollten, könnte die Demokratische Republik Kongo eine neue Rolle auf dem afrikanischen Kontinent einnehmen.
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