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Gran Turismo: Großes Kino in der Boxengasse

Vom Spieler zum Sportler: Der Kinofilm Gran Turismo erzählt auf bewegende Weise von der Traumkarriere eines Playstation-Nerds.
/ Peter Steinlechner
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David Harbour als Chefingenieur Jack Salter in Gran Turismo (Bild: Photo by Gordon Timpen/2023 CTMG)
David Harbour als Chefingenieur Jack Salter in Gran Turismo Bild: Photo by Gordon Timpen/2023 CTMG

Achtung! Wir besprechen in dieser Rezension die Figuren und Teile der Handlung des Kinofilms Gran Turismo. Wer nichts darüber wissen will, sondern erst selbst schauen will, sollte ab hier nicht weiterlesen.

"Verdammte Spieler!" : Die hauptberuflichen Rennfahrer im Kinofilm Gran Turismo sind überhaupt nicht begeistert von der neuen Konkurrenz: Piloten, die jahrelang in Rennspielen über die Pisten gesaust sind – und nun in echten Autos über echten Asphalt mit ihnen um die Wette fahren.

Der Film Gran Turismo erzählt die über weite Strecken wahre Geschichte des mit Abstand bekanntesten und erfolgreichsten dieser Fahrer: Jann Mardenborough. Der aus einer Arbeiterfamilie stammende Brite war einfach nur Fan des Computerspiels Gran Turismo, inzwischen ist er erfolgreicher Pilot mit über 200 Rennen in Serien wie der GP2, der GP3 und der Formel 3.

Mardenborough hat als Stuntfahrer bei der Verfilmung seiner Biografie geholfen, dargestellt wird er aber von einem jungen Schauspieler namens Archie Madekwe. Andere wichtige Figuren sind der Chefingenieur Jack Salter (David Harbour aus Stranger Things) und ein von Orlando Bloom (Fluch der Karibik) gespielter Marketing Manager.

Der von Regisseur Neill Blomkamp (District 9) gedrehte Film Gran Turismo ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich: Er erhält gleichzeitig eine Sportler- und Spielergeschichte, dazu ein bisschen Dokumentation und Independent – und protzt dabei mit aufwendigen und gut gemachten Spezialeffekten.

Tatsächlich haben sich die Macher jedoch entschieden, vor allem eine packende Geschichte zu erzählen. Schafft es Mardenborough, sich für die GT Academy zu qualifizieren – wo er erstmals nicht am Computer, sondern in einem echten Sportauto fahren könnte? Bekommt er eine Fahrerlizenz für die FIA, für die er in einem Rennen mindestens auf Platz vier fahren muss?

Kann er sich trotz seiner Herkunft aus der Arbeiterklasse gegen die Sprösslinge von Millionären durchsetzen, die eigentlich nur aus Spaß fahren – aber mit riesigem finanziellen Aufwand? Teile der Handlung erinnern (unter anderem) an den ersten Rocky-Film: chancenloser Außenseiter und Trainer mit Herz gegen das Sport-Establishment. Das sorgt immer wieder für große Gefühle.

Archie Madekwe ist als sehr nerdiger und etwas verschlossener Mardenborough in fast jeder Szene zu sehen. Die schauspielerische Leistung ist überzeugend und trägt mit der des ebenfalls wunderbaren David Harbour den Film emotional im wahrsten Sinne des Wortes bis über die Ziellinie.

Blick hinter die Motorsport-Kulissen

Ein weiterer wichtiger Hauptdarsteller: der Rennzirkus. Es gibt ausgedehnte und toll gefilmte Blicke in die Boxengasse, in die Werkstätten, in Teambesprechungen. Dazu kommen schicke Kamerafahrten über die Pisten – inklusive Hockenheimring und Nürburgring.

Aber auch die Herkunft aus dem Gaming bleibt präsent: Immer wieder ist wie in Gran Turismo (dem Spiel) die eingeblendete Ideallinie zu sehen – nicht nur als Gag, sondern auch als handlungstragendes Element. Platzierungen in Rennen werden wie auf der Playstation angezeigt, dazu kommen weitere schicke Effekte (ein paar davon wären Spoiler).

Gran Turismo – Trailer (Kinofilm)
Gran Turismo – Trailer (Kinofilm) (02:33)

Allerdings wirkt Gran Turismo (der Film) teils durchaus wie Werbung – wie viele Autorennspiele. Besonders das zu Sony gehörende Entwicklerstudio Polyphony Digital wird glorifiziert, aber auch die Playstation und zwei, drei Autohersteller sind immer irgendwie präsent.

Der Film Gran Turismo(öffnet im neuen Fenster) läuft ab dem 10. August 2023 vorerst nur im Kino. Golem.de hat die englischsprachige Originalversion mit Untertiteln gesehen. In Trailern wirkt die deutsche Synchronfassung gelungen. Der Film hat eine Länge von 134 Minuten, die FSK hat eine Freigabe ab 12 Jahre erteilt.

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Fazit

Für Fans von Rennspielen sollte die Sache klar sein: Sobald wie möglich das nächstbeste Kino ansteuern und Gran Turismo anschauen. Der Film ist von der ersten bis zur letzten Kurve fast durchgehend spannend, er bietet tolle Aufnahmen aus der Welt des Racing und sehenswerte Spezialeffekte.

Die Inszenierung finden wir gelungen, auch wenn es gelegentlich ganz schön kitschig zugeht. Wer ein Herz für sportliche Underdogs hat und damals bei Rocky das eine oder andere Tränchen verdrückt hat, wird garantiert auch bei Gran Turismo schlucken.

Der Cast ist klasse, Hauptdarsteller Archie Madekwe als Jann Mardenborough und David Harbour als väterlicher Chefingenieur erledigen ihren Job hervorragend. Aber auch Orlando Bloom macht das Bestmögliche aus der wenig dankbaren Rolle des Marketing Managers.

Ein besonderes Lob verdient die Art und Weise, wie Grafik- und andere Stilelemente aus den Rennspielen im Film verwendet werden. Ob Ideallinie oder Platzierung, stets ergibt es Sinn und sieht gleichzeitig cool aus. Unterm Strich ist Gran Turismo ein Muss für Genrefans – aber auch eine Empfehlung für alle, die mit Rad oder U-Bahn zum Kino kommen.


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