Einigung oder Urteil

Zusätzlich zu den genannten technischen Fragen, die sich VMware stellen muss, um die Forderungen von Hellwig umsetzen zu können, könnte VMware einer Einigung auch aus einer strategischen Perspektive zustimmen. So wechselte der langjährige Intel-Angestellte und dort für die Open-Source-Sparte Verantwortliche Dirk Hohndel im Juni 2016 zu VMware, wohl um die Open-Source-Bemühungen von VMware zu verbessern.

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Kurz darauf hat das Unternehmen seine Beiträge zur Linux-Foundation mehrfach erhöht und mehrere weitere hochrangige und bekannte Linux-Entwickler angestellt, darunter etwa Steven Rostedt, der den Echtzeitkernel betreut. Ebenso versuchte VMware in den vergangenen Jahren, seine Außendarstellung als Unternehmen zu ändern. Immerhin wird diesem aus der Community immer wieder vorgeworfen, die GPL zu verletzen, was nicht gut zu dem angestrebten Bild eines wichtigen Open-Source-Unterstützers passt.

Ein Vergleich, bei dem beide Seiten sich darauf einigen, dass die infrage stehenden Codeteile nicht mehr vertrieben werden, schafft damit nicht nur die Klage aus der Welt. Vielmehr könnten sich alle Beteiligten wohl auch mehr oder weniger gut mit diesem Ergebnis arrangieren und eventuell auch jeweils als Erfolg darstellen, bei dem Zugeständnisse für das Gegenüber gemacht wurden.

Frage nach Urheberrecht schwierig

Sollte es trotz allem aber nicht zu einer Einigung kommen, bleibt letztlich nur die Entscheidung durch die Richter am OLG. In einem langen einführenden Vortrag, der sich maßgeblich auf das Urteil der Vorinstanz stützt, melden die Richter aber auch in der Verhandlung am OLG schon viele Zweifel an, ob Hellwig überhaupt ausreichend begründet hat, dass er klageberechtigt ist.

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Offenbar sind sowohl VMware als auch den Richtern die vorgelegten Codebestandteile, die das Urheberrecht Hellwigs beweisen sollen, nicht substantiiert genug. VMware hat von Anfang an das Urheberrecht Hellwigs bezweifelt. Immerhin kann Hellwig nur die möglichen Verletzungen seiner einzelnen Beiträge geltend machen. Die Richter müssen hier prüfen, ob die aufgeführten Beiträge von ausreichend hoher Bedeutung sind. VMware meint offenbar, dass dies nicht der Fall sei, da Hellwigs Code höchstens 1 Prozent der Übernahmen in Vmklinux ausmachen.

Zwar könnte es durchaus sein, dass nur einige wenige Zeilen Code von ausreichend großer Bedeutung sind, um Ansprüche geltend machen zu können. Die Frage, die sowohl das LG wie auch nun das OLG beschäftigen, ist aber, ob Hellwig und sein Anwalt Till Jaeger die betroffenen Code-Bestandteile und sein Mitwirken an dem Code für eine Klage ausreichend dargestellt haben. Das hatte das LG in seinem Urteil verneint und die Klage deshalb abgewiesen.

In anderen Urheberrechtsfällen, wie etwa bei widerrechtlichen Übernahmen von Textpassagen anderer in Zeitschriften, Büchern oder auch Doktorarbeiten, ist dies ziemlich einfach darstellbar. Immerhin sind die fraglichen Texte oft statisch, das heißt, sie liegen in einer Version vor, die dauerhaft nicht oder nur minimal verändert werden. Ein Vergleich von Original und vermeintlichem Plagiat ist dann sehr einfach.

Bei Quellcode ist diese Untersuchung, aber auch der Beweis für das eigene Schaffen deutlich schwieriger.

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 GPL-Klage: OLG schlägt Einigung zwischen Hellwig und VMware vorBeiträge schwer zu analysieren 
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