Spannender Nebenschauplatz statt Grundsatzfragen

Eine weitere Position von VMware, die wohl genutzt wird, um die geringen Beiträge von Hellwig zu unterstreichen, lässt sich aber erahnen. So behauptet das Unternehmen in seiner Argumentation mehrfach in voneinander verschiedenen Erklärungen geradezu nebenbei, dass Treiber für Hardware durch deren Hersteller geschrieben und vertrieben werden. Die Marktsituation habe VMware in der Vergangenheit gezwungen, mit Hardwareherstellern zusammenzuarbeiten, deren Treiber zu benutzen und Esxi seinen Kunden so auf einer Vielzahl von Rechnern verfügbar zu machen.

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Der Beitrag, der in diesem Fall dem Linux-Kernel beigemessen wird, scheint von VMware absichtlich als gering dargestellt zu werden, wie der für seine erfolgreichen GPL-Klagen bekannte Harald Welte in seinem Blog schreibt. Welte ist in seinen Verfahren wie nun Hellwig von Rechtsanwalt Till Jaeger vertreten worden und nahm ebenfalls als Gast an der Verhandlung teil.

Dass VMware mehrfach von Herstellern und ihren Treiber für Hardware spricht, unterstützt die Meinung Weltes. Immerhin ist diese Erklärungsweise etwa für einen Druckertreiber unter Windows noch teilweise nachvollziehbar. Die Entstehungsweise eines Linux-Kernel-Treibers ist aber wie beschrieben deutlich komplexer, zumal diese auch auf mehrere Subsysteme in Kernel selbst zugreifen. Es gibt außerdem Privatpersonen und mit Free Electrons oder auch Pengutronix sogar Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, Linux-Treiber für die Hardware anderer zu erstellen.

Diese entstehen mitunter auch durch Reverse Engineering, wodurch unterschiedliche konkurrierende Treiber für dieselbe Hardware eines Herstellers entstehen oder den Einsatz gar erst ermöglichen, da der Hersteller selbst keine Linux-Treiber bereitstellt. Große und kommerziell erfolgreiche Linux-Distributoren wie etwa Red Hat und Suse haben eigene Entwicklungsabteilungen, die fast ausschließlich derartigen Arbeiten nachgehen. Letztlich müsste dann auch hier erörtert werden, wie groß und wichtig der Anteil des Linux-Kernels und Hellwigs Code an Esxi ist. Auch hier könnte ein Sachverständiger helfen.

Keine Grundsätze geklärt

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Über eine mögliche Schnittstellen-Definition ist dann aber immer noch nicht gesprochen worden, ebenso wenig inwiefern, wie von Hellwig behauptet, VM-Kernel und VMK-Linux als eine Einheit verstanden werden müssen oder als getrennte Produkte, was VMware behauptet. Bedeutend wäre hier die Funktion von Build-Werkzeugen wie Compiler und Linker, sowie von Symbolen, dem genutzte Adressraum oder der Kontrollfluss der Programme. Die technischen Argumente beider Seiten dazu sind in der Verhandlung aber noch nicht besprochen worden und damit leider auch noch nicht öffentlich.

Aber eben daraus ergeben sich die Grundsätze, die Hellwig gerichtlich geklärt wissen will. Die Richter räumen dabei ein, dass, falls die Sichtweise der Einheit von Hellwig Bestand haben sollte, VM-Kernel wohl tatsächlich unter der GPL stehen und damit frei verfügbar sein müsste. Da VMware diesen Teil aber als proprietären Code gemeinsam mit den freien Bestandteilen von VMK-Linux vertreibt, wären Hellwigs Rechte verletzt. Falls dem so ist, kann der Kläger VMware gerichtlich dazu zwingen, diese Art der Verbreitung zu unterlassen. Möglich wäre dann eine Offenlegung von VM-Kernel oder eventuell auch der Vertrieb von Esxi ohne VMK-Linux. Hellwig sieht es als "einen guten Start", dass die Richter seine Argumentation so verstanden haben.

Die beiden Parteien haben nun bis Mitte April noch einmal Zeit, sich schriftlich zu der Diskussion zu äußern. Am 19. Mai möchte das Gericht dann eine Entscheidung verkünden. Dies könnte eine Klageabweisung, ein Urteil oder auch die Entscheidung zu weiteren Verhandlungen mit eventuell Sachverständigen und Zeugen umfassen.

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Moe479 01. Mär 2016

zu einem geringen anteil verletzt zu werden, bedeutet doch auch verletzt zu...

schily 29. Feb 2016

Dabei ist es unerheblich, ob die beiden Teile eine logische Einheit bilden. Wichtig ist...

schily 29. Feb 2016

Ich möchte auch mal meine Zustimmung äußern: Der Artikel wäre bei Heise niemals so...

Anonymer Nutzer 27. Feb 2016

Ein Beweisbeschluss ergeht ja nur, wenn überhaupt ein Parteivortrag bestritten wird...



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