GPD Win Max 2 im Test: Das Netbook auf Speed

"Ein erstaunliches Stück Technik" nannten wir den Mikro-Laptop beim Test des ersten GPD Win . Crysis in der Hosentasche, das war 2016 trotz Knopftastatur, dickem Bildschirmrand und eher mickrigem Sound eine ziemliche Leistung. Inzwischen sind unsere Ansprüche gestiegen - und auch der Platzbedarf der neueren GPD-Win-Modelle. Ob die Leistung einen ähnlichen Sprung gemacht hat, wollen wir in unserem Test herausfinden. Außerdem stellen wir uns die Frage, ob in Zeiten des Steam Deck ein solcher Mini-Gaming-Laptop überhaupt noch sinnvoll ist - zumal er preislich weit über Valves Handheld liegt.
Die Maße des GPD Win Max 2 entsprechen ziemlich exakt denen eines Netbooks . Die inzwischen nahezu ausgestorbene Gerätekategorie war dicker und kleiner als normale Notebooks, dafür aber auch leichter und robuster. Diese Vorteile bietet auch der GPD Win Max 2: Mit 1.024 Gramm ist er nur rund 100 Gramm schwerer als ein alter Asus-Eee-PC. Das ist auch in Zeiten der Ultrabooks ein angenehmes Gewicht.
Klappen wir den Mini-Laptop auf, sehen wir aber sofort einen Unterschied zu normalen Rechnern. Unter dem hochauflösenden Display sitzen links und rechts Steuerungseinheiten für Spiele. Die Controller mit Hall-Sensoren(öffnet im neuen Fenster) und die Knöpfe sowie Schultertasten sind hochwertig verarbeitet. Ihre Position ist genau richtig, wenn wir mit dem Win Max 2 unterwegs oder auf der Couch eine Runde zocken wollen. Das Gerät liegt gut in der Hand, wenn wir uns auf den Knien oder einem Tisch abstützen. Freihändig ist es uns allerdings auf Dauer doch zu schwer.
Unter der Gaming-Sektion liegt die Tastatur, dazwischen das kleine Touchpad. Letzteres würden wir nur in Ausnahmefällen benutzen, schließlich gibt es ja auch noch den Touchscreen.

Das beleuchtete Keyboard ist hingegen absolut praxistauglich - ein großer Fortschritt gegenüber der Tastatur des Pocket (g+) vom gleichen Hersteller ist spürbar. Hinzu kommt, dass unser Testmuster vom deutschen Vertrieb Dragonbox Shop(öffnet im neuen Fenster) mit einem QWERTZ-Layout samt deutschen Umlauten ausgestattet ist. So tippen wir unterwegs ganz gern mit dem Win Max 2. Für das Programmieren sind die fehlenden Vergleichszeichen auf der Tastatur hingegen hinderlich. Mit den Powertoys von Microsoft kann man natürlich die Belegung anpassen.
Das kleine Gerät mauserte sich bei uns unerwartet zum Arbeitstierchen, auch dank seiner leistungsfähigen Innereien.
Business in the front, party in the back
Zum Tippen ist uns nämlich die Ausstattung mit 32 GByte RAM, dem schnellen Ryzen-7-6800U-Prozessor und seiner Radeon 680M GPU viel zu schade. Darum nehmen wir den Kleinen mit auf die Elektronikmesse CES nach Las Vegas. Wir bearbeiten Fotos und schneiden Videos, wie wir es mit einem größeren Laptop machen würden.
Diese Feuerprobe besteht der GPD Win Max 2 ohne Probleme. Das vorinstallierte Windows 11 ist nicht jedermanns Sache , aber abseits davon haben wir keinerlei Leistungsprobleme.
Lediglich der helle und winzige Bildschirm mit seiner absurd hohen Auflösung von 2.560 × 1.600 Pixeln ist für unsere gealterten Augen eine Herausforderung. Daher schließen wir wann immer möglich ein externes Display an. Hier machen sich auch die unerwartet vielseitigen Anschlussmöglichkeiten bezahlt.
Erstaunliche Anschlussvielfalt
Neben einem vollwertigen HDMI-2.1-Port sind drei USB 3.2 Gen 1 und eine weitere USB-C-Buchse des gleichen Standards und eine mit USB 4 verbaut. Darüber ist Laden mit 100 Watt möglich.
Außerdem gibt es eine Klinkenbuchse, einen Fingerabdrucksensor im Netzschalter sowie zwei Kartenslots für SD und Micro-SD. Die Lesegeschwindigkeit von 160 MByte pro Sekunde überrascht uns positiv. Unserem Testmuster liegt auch noch ein aktiver Stylus bei, der sich dank des 180-Grad-klappbaren Bildschirms gut nutzen lässt.
Diese Ausstattung sucht man bei aktuellen Notebooks namhafter Hersteller vergeblich. Wer überlegt, seinem Arbeitgeber den GPD Win Max als neuen Laptop schmackhaft zu machen, oder auf seriöses Auftreten Wert legt, kann mit zwei cleveren magnetischen Abdeckungen auch die Controller verstecken und hat somit ein vielseitig einsetzbares Arbeits- und Spielgerät - sogar eine Option für ein 4G-Modem existiert.
Starten wir Steam oder einen anderen Spiele-Client, können wir mit einem Schalter unter dem Display die Controller vom Mausersatz in ein X-Input(öffnet im neuen Fenster) -kompatibles Gamepad verwandeln.
Die Grafikleistung liegt wie zu erwarten über der des Steam Deck , ist allerdings nicht durchgehend um 30 Prozent besser, wie es die Benchmark-Ergebnisse vermuten lassen würden. Das liegt auch daran, dass der GPW Win Max 2 mit Windows 11 anstatt einer angepassten Linux-Variante kommt, die feinere Leistungseinstellungen auf Systemebene ermöglicht.
Steam OS lässt sich allerdings nachinstallieren, womit man eine Art Steam Deck Pro bekommt. Der Nachteil: Andere Dienste wie Ubisoft Connect, Epic oder GOG sind nicht mehr so einfach verfügbar.





















Unter Windows konnten wir beispielsweise problemlos Titel wie Uncharted 4 auf mittleren Einstellungen bei 720p spielen, ältere Titel wie Rise of the Tomb Raider liefen auch in 1080p und mit hohen Einstellungen flüssig. Die native Auflösung des Bildschirms ist für die meisten Titel zu hoch, um spielbar zu sein.
Wir haben kaum Kritikpunkte
Gut funktionieren auch eine Reihe von Emulatoren. So läuft die Playstation 2 in 1080p, auch andere Konsolen bis hin zur siebten Generation sind mit einigen Einschränkungen spielbar.
Der Klang aus den Stereolautsprechern unter der Tastatur ist nicht großartig, aber wir haben schon weitaus schlechteren Ton aus Notebooks gehört. Positiv werten wir auch das spürbare Feedback der Vibrationsmotoren. Ebenfalls wahrnehmbar ist bei hoher Leistungsaufnahme aber auch der Lüfter, der glücklicherweise nach hinten pustet. Das Gerät wird nie unangenehm warm.
Spielen reduziert die Akkulaufzeit von guten acht Stunden bei mittlerer Displayhelligkeit und leichter Last auf magere 100 Minuten unter Volllast bei maximaler Helligkeit - auch das ist allerdings zu erwarten und liegt fast gleichauf mit dem Steam Deck.
Ein bisschen Kritik
Unsere Kritikpunkte sind marginal. So stellen wir beispielsweise fest, dass die an der Unterseite angebrachten Tasten bei versehentlichem Druck Zeichen produzieren. Sie lassen sich mit einem merkwürdigen vorinstallierten Tool aber deaktivieren.
Der Bildschirm zeigt in einigen Situationen Lichthöfe und könnte blickwinkelstabiler sein. Die Verarbeitungsqualität ist nur solide anstatt herausragend und die Kamera ist unter dem Bildschirm angebracht und zeigt daher alles in Froschperspektive.
GPD Win Max 2: Verfügbarkeit und Fazit
Der GPD Win Max 2 kann bei einer Reihe von Onlineshops(öffnet im neuen Fenster) oder exklusiv mit deutschem Tastaturlayout im Dragonbox Shop(öffnet im neuen Fenster) ab einem Basispreis von 1.270 Euro bestellt werden.
Fazit
Der GPD Win Max 2 ist eigentlich ein Windows-Spielehandheld - aber wir haben ihn die meiste Zeit zum Arbeiten genutzt. Videoschnitt mit Davinci Resolve , Fotoentwicklung und -bearbeitung und nicht zuletzt das Tippen von Texten gehen mit dem Kleinen gut von der Hand.
Gerade Letzteres ist ein Kompliment an den Hersteller wert, der mit dem Pocket (g+) ein ähnliches Konzept probiert hat und scheiterte. Die Tastatur mit den deutschen Umlauten ist absolut praxistauglich. Im Gegensatz zu einigen seiner Vorläufer erfüllte das Gaming-Netbook die meisten unserer Ansprüche spielend.
Die verbauten Controller sind hochwertig und lediglich die Aktionsknöpfe könnten manchen zu klein geraten sein. Dafür gibt es jede Menge Anschlüsse sowie eine 4G-Modem-Option und zwei Kartenleser sowie eine sehr schnelle und große SSD. Das alles kombiniert mit der Möglichkeit, die Controller unter magnetischen Abdeckungen zu verstecken, machen den Spiele-Laptop auch als Arbeitstier interessant.
Gaming ist dank potenter Hardware natürlich auch kein Problem, selbst aktuelle Titel laufen mit angepassten Grafikeinstellungen gut. Auch wenn man mitunter die Auflösung reduzieren muss, ist das bei der relativ geringen Bildschirmgröße verschmerzbar.
| GPD Win Max 2 | |
|---|---|
| Prozessor | AMD R7-6800U mit Radeon 680M |
| Arbeitsspeicher | 16GB/32GB, LPDDR5-6400 MT/s/ LPDDR5 5200 MT/ |
| SSD | 1 TByte/2 TByte M.2 NVMe SSD (bis 3.600 MB/s Lesegeschwindigkeit gemessen) |
| Anschlüsse | 2 x USB Type-C (3.2 Gen2, USB 4), 3 x USB Type-A (3.2 Gen2), microSD Slot (U3, V30), SD Slot (UHS-Ⅱ V90), HDMI (2.1), Klinke |
| Display | 10.1 Zoll, 10 Punkte-Touch, 2.560 × 1.600 Pixel, Gorilla-Glass |
| Funk | Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2 |
| Akku | 67 Wh, 100 W Netzteil für Schnellladen |
| Preis | ab 1.270 Euro mit dt. Tastenlayout |
| Benchmark 3D Mark Timespy | Score: 2556/Graphics: 2292/CPU: 7367 |
| Cinebench R23 Multicore | CPU Multicore: 10.125, Single Core: 1.528 |
| Systeme | Windows 11 (mitgeliefert), Steam OS, Linux |
Auch die Akkulaufzeit ist angemessen: Unter Volllast sind es 100 Minuten, bei geringer Leistung und halber Helligkeit rund 8 Stunden.
Kritik üben wir nur am klitzekleinen Touchpad und der unter dem Bildschirm angebrachten Kamera, außerdem entwickelten die abschaltbaren Zusatztasten an der Unterseite bei uns manchmal ein Eigenleben. Nichts davon ist gravierend.
Der GPD Win Max 2 ist zwar rund doppelt so teuer wie ein Steam Deck - aber in unserem Anwendungsszenario auch doppelt so nützlich.



