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GOVSATCOM und IRIS²: EU nimmt Iris² ohne Satelliten in Betrieb

Die EU-Kommission behauptet, die militärischen Frequenzen von Iris² würden bereits genutzt. Doch kein einziger Iris²- Satellit ist in der Umlaufbahn.
/ Achim Sawall
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Modelle verschiedener Satelliten beim Ministerrat der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) (Bild: EU GOVSATCOM)
Modelle verschiedener Satelliten beim Ministerrat der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Bild: EU GOVSATCOM

Die EU-Kommission hat erklärt(öffnet im neuen Fenster) , sichere und souveräne Satellitenkommunikation mit Govsatcom und Iris² voranzubringen. EU Govsatcom habe den Betrieb aufgenommen und ermögliche allen Mitgliedstaaten den Zugang zu gesicherter Satellitenkommunikation für Regierungs- und Militärzwecke. "Govsatcom ist nun bereit, diese wichtige Verbindung herzustellen. Indem wir unsere eigenen sicheren Satellitendienste aufbauen, befreien wir uns von Abhängigkeiten und übernehmen die volle Kontrolle über unsere digitale Sicherheit" , sagte Henna Virkkunen, Executive Vice President für Technologie-Souveränität.

Laut Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Raumfahrt und Verteidigung, sei Govsatcom sogar nur "erst der Anfang" in Richtung souveräner, sicherer Satellitenkommunikation unter voller europäischer Kontrolle. Beim Projekt Iris² würden "die militärischen Frequenzen von Iris² bereits genutzt" und schafften die Grundlage für "langfristig sichere Regierungsdienste" .

Soweit die Selbstdarstellung, die einige Medien auch entsprechend wiedergeben(öffnet im neuen Fenster) . Doch tatsächlich ist Govsatcom kein neues einzelnes Satellitensystem, sondern ein koordiniertes Programm, über das mehrere EU-Mitgliedstaaten sowie kommerzielle Betreiber Kapazitäten der Satellitenkommunikation bündeln und für staatliche Nutzer bereitstellen. "Die eingebrachten Kapazitäten stammen überwiegend von geostationären Satelliten, ergänzt durch bislang ein einziges nicht-geostationäres System, nämlich die O3b-Konstellation von SES im MEO" , sagte Satellitenexperten Christian von der Ropp Golem auf Anfrage.

Die ITU-Regeln im Bring-into-use sind eindeutig

Die Aussage, dass Iris²-Militärfrequenzen in Gebrauch seien, hält er schlicht für eine Plattitüde. "Im Satelliten-Breitbandbereich existieren keine exklusiv Frequenzzuweisungen im Sinne einer alleinigen Nutzung durch einen einzelnen Akteur oder ein einzelnes System. Die für Iris² vorgesehenen Ka-Band-Bereiche – einschließlich der militärischen – werden seit Jahrzehnten weltweit von zahlreichen staatlichen Systemen genutzt, unter anderem durch Betreiber aus China, Russland und den USA."

Eine formale Inbetriebnahme im Sinne der ITU-Regeln (Bring-into-use) ist für Iris² jedoch gerade nicht erfolgt. Dafür wäre erforderlich, dass zumindest ein funktionsfähiger Satellit der Konstellation in der vorgesehenen nicht-geostationären Umlaufbahn stationiert ist und den Sendebetrieb auf den koordinierten Frequenzen aufnimmt. "Dieser Schritt steht jedoch noch aus" , betonte er.

Selbst wenn erste Satelliten bis zum Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen sollten, ist laut von der Ropp eine durchgehend resiliente und global verfügbare Versorgung – wie sie insbesondere militärische Nutzer erwarten – realistisch erst mit einer weitgehend ausgebauten Konstellation zu erreichen, was eher gegen Mitte der 2030er Jahre zu erwarten sei.

Hohe finanzielle Herausforderungen

Zudem müsse der zentrale private Iris²-Konsortiumpartner Eutelsat parallel zu seiner Investitionsverpflichtung bei Iris² in Höhe von rund zwei Milliarden Euro auch "erhebliche Investitionen in die Erneuerung seiner alternden Oneweb-Flotte von 600 Satelliten stemmen" , was den finanziellen und operativen Spielraum stark beanspruche.

Das Spacerise-Konsortium besteht aus öffentlichen und privaten Akteuren wie dem Satellitennetzbetreiber SES, Eutelsat und Hispasat. Es will Iris² entwickeln, bereitstellen und betreiben. Auch die Deutsche Telekom erklärte im Juni 2025 ihre Teilnahme.


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