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Govecs Flex 2.0 im Test: Der robuste Roller für Elektromoped-Einsteiger

Der neue Govecs Flex ist ein flinker, sehr gut verarbeiteter Elektroroller . Gefertigt wird der Roller in der EU – was sich auf den Preis auswirkt.
/ Tobias Költzsch
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Der Govecs Flex im Einsatz (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der Govecs Flex im Einsatz Bild: Martin Wolf/Golem.de

Govecs Elektroroller Flex 2.0, zunächst nur für Lieferdienste und Sharing-Anbieter erhältlich gewesen, ist bald auch für Privatpersonen zu haben. Golem.de hat sich den Nachfolger des ersten Flex für eine Probefahrt geliehen und überprüft, ob er den Preis ab 4.000 Euro wert ist.

Govecs vermarktet das neue Modell wieder als Flex(öffnet im neuen Fenster) , der Vorgänger wird nicht mehr hergestellt. Der neue Flex ist ein Kleinkraftrad der Klasse L1e, das mit einem Führerschein der Klasse AM, A1 oder B gefahren werden darf. Es ist auf 45 km/h gedrosselt, was für die Stadt vollkommen ausreicht, für Fahrten auf Landstraßen aber zu wenig sein dürfte. Entsprechend sehen wir den Einsatzzweck des Flex wie den anderer Roller mit 45-km/h-Beschränkung in der Stadt.

Der Flex hat ein modernes Design, das allerdings nicht übertrieben futuristisch und kantig wirkt. Unser Testfahrzeug ist cremefarben, die Panels sind aus komplett durchgefärbtem Kunststoff gefertigt. Kratzer sind kaum sichtbar, da sich kein Lack ablösen kann – in der Stadt ein nicht unerheblicher Vorteil, wie wir aus Erfahrungen mit anderen Rollern wissen. Die Panels sind zudem sehr flexibel, weshalb sie weniger leicht brechen sollen.

Stabiler Rahmen, kein Klappern

Auffällig bei der Konstruktion des Flex ist der deutlich sichtbare Stahlrohrrahmen: Er zieht sich über beide Seiten des Rollers, der auch dadurch sehr stabil und widerstandsfähig wirkt. Unter der geräumigen Sitzbank für zwei Personen ist auf jeder Seite jeweils ein Bumper verbaut, der den Roller vor Stößen schützen soll. Auch beim Fahren ist die hochwertige Verarbeitung spürbar: Selbst bei grobem Kopfsteinpflaster mit Schlaglöchern klappert am Roller nichts.

Govecs Flex 2.0 Probe gefahren
Govecs Flex 2.0 Probe gefahren (02:24)

Der Flex wird von einem in der Nabe des hinteren Rades verbauten 2,3-kW-Motor angetrieben, zum Einsatz kommt ein von Govecs selbst entwickeltes Aggregat. Das Grundmodell des Rollers wird mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgeliefert, der 33,5 Ah hat und auf dem Papier eine Reichweite von 57 Kilometern. Im Alltag sind es eher 50 Kilometer. Unser Testfahrzeug kommt mit zwei Akkus, was für 90 bis 100 Kilometer ausreicht.

Die Akkus des Flex können entnommen und geladen werden, was für Nutzer in der Stadt unabdingbar ist. Alternativ können die Aggregate auch direkt im Roller geladen werden. Eine Ladestation, in die die Akkus zum Laden einfach eingeschoben werden, ist nur gegen Aufpreis erhältlich. Damit die Akkus nicht versehentlich verkehrt in den Roller geschoben werden, sind sie an einer Seite etwas dicker als an der anderen – eine clevere Idee, finden wir. Mit unter zehn Kilogramm sind die Akkus zudem leicht auch mehrere Stockwerke hochzutragen. Die Ladezeit für einen Akku beträgt 4,5 Stunden, bei zwei Akkus sind es lange acht Stunden.

Der Govecs Flex braucht nur für das Akkufach einen Schlüssel, ansonsten wird er komplett schlüssellos bedient. Viel Platz ist im Staufach nicht, gegen Aufpreis gibt es ein Topcase, das automatisch mitverriegelt wird. Zum Starten des Rollers drücken wir lediglich einen Knopf, entsperrt und fahrbereit gemacht wird der Roller anschließend über eine Schlüsselkarte. Sie wird an die Unterseite des fünf Zoll großen Displays gehalten, auf dem alle wichtigen Informationen angezeigt werden.

Akkufach lässt sich mit Schlüssel öffnen

Govecs hat glücklicherweise nicht den gleichen Fehler begangen wie Unu, die auch für das Fach mit den Akkus auf eine elektronische Verriegelung setzen. Sind die Akkus sowie die interne Backup-Batterie beim Unu leer, kommen Nutzer nicht mehr an die Akkus heran – dann muss der Kundendienst helfen. Beim Flex ist das ausgeschlossen.

Direkt mit guter Beschleunigung losfahren

Haben wir den Flex entsperrt, können wir sofort losfahren – einen zusätzlichen Sicherheitsschalter oder eine komplette Motorabschaltung wie beim MQi GT von Niu, den wir für gewöhnlich fahren, gibt es nicht. Beim Anfahren fällt uns sofort die gute Beschleunigung auf: Wir kommen wesentlich schneller vom Fleck als mit dem MQi GT. An die Beschleunigung einer E-Schwalbe im Boost-Modus kommt der Flex zwar nicht heran, dafür klingt der Roller aber auch nicht wie ein startendes Flugzeug – im Gegenteil: Er macht beim Fahren gar kein Geräusch.

Nach der guten anfänglichen Beschleunigung ist der Flex schnell bei den maximalen 45 km/h angelangt. Die Motorsteuerung gefällt uns sehr gut: Bei dauerhafter Beschleunigung ruckelt der Antrieb nicht, auch eine Zwischenbeschleunigung etwa von 30 auf 45 km/h hat einen guten Zug. Verschiedene Fahrmodi hat der Flex nicht – die sind für unseren Geschmack aber auch nicht nötig: Wie bereits beim Elmoto Loop von Govecs finden wir den einzigen Fahrmodus sehr gut, da er zum einen eine ordentliche Beschleunigung bietet, sich zum anderen aber auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten gut steuern lässt.

Volle Beschleunigung bei halber Umdrehung des Griffs

Der Beschleunigungsgriff hat einen für unseren Geschmack unnötig großen Drehbereich: Die volle Geschwindigkeit ist bereits nach einer recht kurzen Drehung erreicht, wir können den Griff aber noch mindestens einmal so weit drehen. Beim MQi GT ist der drehbare Bereich kürzer, was uns besser gefällt. Hat man aber beim Flex einmal verstanden, dass man den Griff nicht komplett drehen muss, um die volle Leistung abzurufen, fährt sich der Roller entspannter.

Und entspanntes Fahren ist durchaus Programm beim Flex: Dank des breiten Lenkers und der großen 16-Zoll-Reifen fährt sich der Roller nicht nur leicht, sondern auch sehr stressfrei. Unebenheiten sind auch dank der großen Reifen weniger problematisch, den Rest übernimmt die Federung des Rollers. Vorne ist eine hydraulische Gabel mit 80 mm Federweg verbaut, hinten ein Öldruck-Stoßdämpfer mit einem Federweg von 75 mm. Mit einer Batterie wiegt der Flex knapp 105 Kilogramm, mit zwei Batterien knapp unter 115 Kilogramm – ein angenehmes Gewicht. Die Spiegel bieten einen guten Blick nach hinten, sind aber nur mit Werkzeug zu verstellen.

Sowohl vorne als auch hinten sind Scheibenbremsen verbaut, die gut zupacken. Ein unterstützendes Bremssystem hat der Flex nicht – weder ABS noch CBS. Bei unserem Testfahrzeug war die vordere Bremse deutlich zu hören – es handelt sich Govecs zufolge aber auch nicht um das fertige Seriengerät, das für Privatnutzer erhältlich ist. Der Roller hat Rekuperation, allerdings nur, wenn wir die hintere Bremse verwenden.

Auf dem auch bei hellem Tageslicht gut ablesbaren Display wird uns neben der Geschwindigkeit der Ladestand angezeigt, ebenso die Restreichweite, die Rekuperation, der Gesamtkilometerstand sowie der Kilometerstand des aktuellen Trips. Dieser lässt sich über einen mit "Mode" beschrifteten Button am linken Handgriff zurücksetzen. Verwenden wir zwei Akkus, wird uns auch angezeigt, welcher Akku gerade in Benutzung ist. Nachts schaltet das Display automatisch in einen dunklen Modus um, der beim Fahren entsprechend nicht stört.

Blinker ohne Ton

Neben dem nicht automatisch zurücksetzenden Blinker, der leider keinen Ton von sich gibt, und der Hupe hat der Flex nur noch einen Knopf zur Aktivierung des Fernlichtes an Einstellungsmöglichkeiten. Am Display selbst können wir nichts bedienen, es handelt sich nicht um einen Touchscreen – eine vernünftige Entscheidung, um Ablenkungen zu verhindern. Der Flex schaltet während der Fahrt immer wieder zwischen den Batterien hin und her. Verwenden wir zwei Batterien, lässt sich der Roller ab einem Ladestand von acht Prozent nur noch mit verringerter Höchstgeschwindigkeit fahren; bei Verwendung eines Akkus erfolgt das bei zehn Prozent.

Beim Fahren ist der ursprüngliche Einsatzzweck des Flex gut bemerkbar: Als Sharing-Roller sollte das Gefährt möglichst auch für ungeübte Fahrer gut zu steuern zu sein, ohne sie mit zu vielen Einstellungen zu überfordern. Der Flex eignet sich unserer Meinung nach entsprechend gut für Rollerneulinge, aber auch für Nutzer, die sich einfach auf einen Roller setzen wollen, ohne sich vorher zwischen Fahrmodi entscheiden zu müssen.

Da der neue Flex auch als Roller für Lieferdienste entwickelt wurde, hat er zudem eine hohe Gesamtnutzlast. Govecs gibt bei Verwendung eines Akkus eine maximale Nutzlast von 172,5 Kilogramm an, mit zwei Akkus sind es 163,5 Kilogramm. Das sollte für zwei durchschnittliche Personen locker ausreichen. Für Mitfahrer gibt es ausklappbare Fußrasten.

Weniger Extras als die Konkurrenz aus China

Verglichen mit dem MQi GT bietet der Flex deutlich weniger Extras: Es gibt weder ein Warnblinklicht noch einen Tempomaten, der in 30er-Zonen oder auf langen Straßen ohne Ampeln durchaus praktisch ist. Auch eine App-Anbindung gibt es nicht; diese ist aber technisch möglich und wohl auch angedacht – der Vorgänger hatte auch eine App. Aktuell noch nicht verfügbar sind eine Alarmanlage und Tracking per GPS. Im Datenblatt wirbt Govecs bereits mit der Alarmanlage, sie ist aber noch nicht implementiert.

Einen Zeitrahmen, wann Käufer mit neuen Funktionen rechnen können, wollte uns Govecs nicht verraten. Denkbar ist, dass der Hersteller von Unu gelernt hat, bei denen es lange dauerte, bis die versprochene App endlich kam. Das bedeutet, dass der Flex verglichen mit günstigeren Rollern chinesischer Hersteller wie Niu aktuell weniger Zusatzfunktionen hat – was für manche Interessenten ein wichtiger Faktor sein könnte.

Verfügbarkeit und Fazit: Govecs Flex

Der Govecs Flex ist in den Farben Cremeweiß und Gelb erhältlich und kostet mit einem Akku 3.990 Euro. Ein zweiter Akku kostet 1.190 Euro, das Topcase 119 Euro. Die Ladestation für bis zu zwei Akkus kostet 199 Euro. Das Gesamtpaket, das auch unserer Leihstellung entsprochen hat, kostet entsprechend 5.498 Euro.

Fazit

Der neue Govecs Flex ist ein sehr angenehm zu fahrender, robuster Elektroroller. Vor allem die gute Beschleunigung, der leise Motor und der angenehm breite Lenker machen beim Fahren Spaß. Die Reichweite ist bereits mit einem Akku gut, wenn man bedenkt, wie klein und verhältnismäßig leicht das Aggregat ist. Für den Stadtverkehr in Berlin empfinden wir den Flex als ideal.

Die Konstruktion des Rollers ist hochwertig, vor allem der Stahlrahmen macht einen stabilen Eindruck. Die seitlichen Panels lassen sich einfach austauschen, gegen Kratzer und Stöße ist der Flex gut geschützt. In einer Stadt wie Berlin ist das ein weiterer Vorteil. Das Design ist dabei funktional und durchaus gefällig. Die Bedienung ohne Schlüssel funktioniert in unserem Test problemlos und zuverlässig.

Käufer des Flex müssen allerdings bei den Zusatzfunktionen Abstriche machen. Zusätzliche Softwarefunktionen können in Zukunft noch kommen, wir beurteilen den Roller aber nach dem Ist-Zustand – vor allem auch, weil Govecs uns keinen Zeitrahmen für mögliche Erweiterungen geben will.

Mit einem Grundpreis von 3.990 Euro ist der Flex fast genauso teuer wie der MQi GT von Niu, der direkt mit zwei Akkus kommt und eine Reichweite von bis zu 80 Kilometern hat. Außerdem hat der Niu eine Alarmanlage, GPS-Tracking, einen Tempomaten und eine App-Anbindung.

Dass der Flex ohne diese Funktionen fast genauso viel kostet, liegt unter anderem daran, dass Govecs seine Roller zu 95 Prozent in der EU fertigen lässt. Die Fertigung ist Govecs zufolge zudem zu 100 Prozent klimaneutral. Mit einem einzelnen Akku soll der Flex auf eine Fahrleistung von 50.000 Kilometern kommen, mit zwei Akkus auf 100.000 Kilometer.

Zusammen mit der Fahrleistung, der hochwertigen Verarbeitung und dem unkomplizierten Nutzungsansatz finden wir den Grundpreis des Flex gerade noch ok. Etwas schmerzhaft finden wir allerdings die 1.190 Euro für den zweiten Akku – vielleicht sollte Govecs hier noch einmal in sich gehen und darüber nachdenken, den Flex mit zwei Akkus in einem preiswerteren Bundle anzubieten.


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