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Gotham Knights im Test: Superhelden im Schatten von Batman

Nicht so großartig wie Batmans Arkham-Serie, dennoch unterhaltsam: In Gotham Knights treten wir als Robin und drei weitere Superhelden an.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Gotham Knights (Bild: Warner Bros)
Artwork von Gotham Knights Bild: Warner Bros

"Wenn ihr das hier seht, bin ich tot": Das sagt, unmittelbar am Anfang von Gotham Knights, kein geringerer als Batman in einer Videobotschaft. Der Dunkle Ritter, unter anderem Hauptfigur der hervorragenden Arkham-Serie, macht im schick inszenierten Intro den Abgang.

Seine Nachfolge treten vier junge Superhelden an, die wir in dem von WB Games Montréal(öffnet im neuen Fenster) entwickelten Gotham Knights steuern: Robin, Batgirl, Red Hood und Nightwing. Das Quartett erbt gemeinsam den Glockenturm als Hauptquartier sowie Butler Alfred, der in der Kampagne relativ oft zu sehen ist.

Mit den vier Helden sollen wir in der Handlung herausfinden, wer hinter dem Tod von Batman steckt. Das scheint zuerst recht offensichtlich, aber im Zuge der an Detektivgeschichten erinnernden Ermittlungen müssen wir immer tiefer in den Untergrund von Gotham City einsteigen.

Wir treffen altbekannte Bösewichte wie Harley Quinn und Oswald "Pinguin" Cobblepot – der die Superhelden-Azubis allerdings nicht ernst nimmt, bis wir uns seiner würdig erweisen.

Die Handlung wird in gut gemachten Zwischensequenzen und während des Spiels durch Gespräche erzählt. Batman ist zwar tot, aber sehr präsent: Die Helden trauern um ihn und erzählen immer wieder von Treffen oder seinen Besonderheiten.

Anfangs müssen wir uns entscheiden, ob wir mit Robin, Batgirl oder einem der beiden anderen Helden antreten. Nach ungefähr einer Stunde dürfen wir im Glockenturm auch mit einer anderen Figur antreten, indem wir in der Garderobe das entsprechende Kostüm anklicken.

Ab dann lässt sich immer wieder ein anderer Held auswählen – aber nur im Glockenturm, also zwischen den Einsätzen. Erfahrungspunkte sammeln wir für alle, so dass wir durch ständige Rotation keine Nachteile beim Fortschritt in den Talentbäumen haben.

Gotham Knights – Trailer (Launch)
Gotham Knights – Trailer (Launch) (03:02)

Dort schalten wir für jeden der Vier separate Verbesserungen wie mehr Lebenspunkte oder kritischen Schaden frei. Es gibt auch einige etwas speziellere Extras: Für Robin etwa lässt sich eines auswählen, durch das er Gegner ausschalten und an einem Aussichtspunkt aufhängen kann. Batgirl können wir beibringen, dass sie Elektrokästen per Hack in Näherungsminen umprogrammiert, die bei ankommenden Feinden explodieren.

Die Helden spielen sich also ein bisschen unterschiedlich, dennoch müssen wir uns nicht bei jedem Wechsel auf einen völlig anderen Spielstil einstellen. Abgesehen von den genannten Extras fühlt sich Red Hood etwas kräftiger an, entsprechend braucht er weniger Schläge für das Ausschalten eines Feindes. Nightwing kann besonders gut ausweichen und Robin muss beim Schleichen kaum eine Entdeckung fürchten.

Das Kampfsystem erinnert auf den ersten Blick an die Arkham-Serie: Unser Protagonist springt halbautomatisch in Richtung der Feinde und führt auf Tastendruck seine Schläge aus – kurz drücken für schnell, länger drücken für hart und für das Wegboxen von Schilden.

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Die ausgefeilten Kombos von Batman gibt es aber nicht, so dass sich Gotham Knights etwas besser für Einsteiger eignet – auch dank des jederzeit umstellbaren Schwierigkeitsgrads. Die einfachste Stufe ist wirklich superleicht.

Neben den Nahkampfattacken besitzt jeder Held eine Fernkampfwaffe, Batgirl etwa die Batarangs und Red Hood zwei Pistolen. Nach und nach kommen noch ein paar Spezialangriffe mit Abklingzeiten dazu. Wir können sie also nur alle paar Augenblicke ausführen, was wir auf dem Gamepad über die gedrückte rechte Schultertaste machen.

Die linke Schultertaste ist allerdings wichtiger: Wir verwenden damit den Enterhaken, mit dem wir uns an markierten Stellen auf Häuserdächer, Laternenpfahle, Brücken und andere Stellen in die Höhe ziehen können.

Von dort aus können wir uns auf Feinde stürzen oder durch Gotham City reisen. Die Stadt besteht aus mehreren leicht unterschiedlichen Vierteln, vom Bürodistrikt mit schicken Hochhäusern bis zur Altstadt mit engen Gassen. Das klingt allerdings nach mehr Unterschied, als es letztlich ist: Im Großen und Ganzen sehen die Umgebungen erstaunlich gleich aus, es gibt nur sehr wenig wirklich markante Bauten.

Das Reisen geschieht mit einer Mischung aus dem schnellen Enterhaken und etwa Sprüngen. Dazu kommt das Batmobil – hier ein Motorrad, das sich ganz ordentlich steuern lässt. Später gibt es noch mehr Optionen, die wir allerdings freischalten müssen, was teils sehr zeitaufwendig ist. Zum Glockenturm können wir auf Tastendruck schnellreisen.

Die generelle Struktur orientiert sich an anderen Offene-Welt-Games: Wir wählen auf der Übersichtskarte die jeweils nächste Hauptmission oder einen Nebenauftrag aus und begeben uns dann per Enterhaken oder mit dem Batmobil dorthin. Zwischendurch müssen wir in den Glockenturm, weil oft nur dort die Handlung weitergeht.

Gotham Knights: Verfügbarkeit und Fazit

Technisch macht Gotham Knights eine ordentliche Figur. Zwar läuft das Programm auf den Konsolen nur mit einer Bildrate von 30 fps und das merkt man durchaus, weil es eben nicht superflüssig ist. Aber sehr störend fanden wir das nach kurzer Eingewöhnung nicht, echte Ruckler oder andere Fehler haben wir nicht erlebt. Die offiziellen PC-Systemanforderungen(öffnet im neuen Fenster) sind gehoben.

In Gotham Knights können wir alleine antreten oder über eine Onlineverbindung im Koop mit einem zweiten Spieler (nicht lokal, kein Crossplay, Plus oder Gold auf Konsole nötig). Ausprobieren konnten wir das mit unserer Testversion nicht. Nach Angaben des Herstellers sollen Einstieg und Ausstieg jederzeit möglich sein.

In Missionen müssen die Spieler den offiziellen Angaben zufolge nahe beieinander bleiben, sonst sind größere Abstände erlaubt. Der Schwierigkeitsgrad der Gegner soll sich für jeden Teilnehmer individuell anpassen lassen.

Gotham Knights erscheint am 21. Oktober 2022 für Windows-PC (Steam und Epic Games Store, rund 60 Euro), Xbox Series X/S und Playstation 5 (jeweils rund 75 Euro). Die deutsche Synchronisation finden wir gelungen, die Stimmen ähneln sehr den englischen Sprechern.

Abgesehen vom genannten Koop soll Ende November 2022 ein separater Modus namens Heroic Assault erscheinen, in dem bis zu vier Spieler im Koop in Arenen gegen Feinde kämpfen. In Gothic Knights gibt es keine Mikrotransaktionen. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 16 Jahre erhalten.

Fazit

Es ist schon ein tolles Gefühl, in Gotham Knights nach all den Jahren wieder in der Metropole aus den Batman-Spielen zu stehen und die Fäuste fliegen zu lassen. Auch wenn es nicht als Dunkler Ritter, sondern als einer seiner Superhelden-Azubis ist.

Es dauert dann ein bisschen, bis man merkt, dass Gotham Knights trotz Stadt und weiteren vertrauten Elementen doch kein neues Arkham ist, sondern ein anderes Spiel mit anderen Schwerpunkten.

Das vereinfachte Kampfsystem etwa ist effektvoll umgesetzt und animiert, Fans von komplizierten Kombos werden aber unterfordert. Uns macht es wegen des Fokus auf Timing und Taktik dennoch Spaß, zumal es mit den vier spielbaren Helden für uns genug Abwechslung gibt.

Was wir schmerzlich vermissen, sind die ruhigen Abschnitte aus den Batman-Spielen, in denen wir im Schatten von der Decke oder von Vorsprüngen hängend einen Feind nach dem anderen ausschalten.

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Die Story von Gotham Knights finden wir gut. Das Abenteuer fängt wie eine Detektivgeschichte an und führt dann in die neue und doch vertraute Unterwelt von Gotham City, die Treffen mit den Bösewichten sind interessant.

Auch Missionen und die Nebenaufgaben wirken gelungen, sind aber stellenweise ein bisschen kurz geraten. Vermutlich ist das ein Zugeständnis an den Koop, wo sehr lange Einsätze ein Problem sein können. Sonst merkt man als Solist eigentlich nicht, dass man auch zu zweit antreten könnte.

Deutlich mehr haben wir von der offenen Welt erwartet. Sie sieht zwar schön aus, ist aber trotz umherirrender Passanten zu leblos und generisch. Auch das Reisen mit Batmobil oder dem Enterhaken macht nur mittelmäßig Spaß.

Wer ein spannendes, auch für Einsteiger geeignetes und schön düsteres Actionspiel sucht, sollte den jungen Superhelden mit Gotham Knights ruhig eine Chance geben.


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