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Gopro Mission 1 Pro ILS im Test: Auf diese Actioncam warte ich seit der Hero 6

Mit Wechselobjektiven bietet die Gopro Mission 1 Pro ILS deutlich mehr gestalterische Freiheit – macht das Filmen aber auch anspruchsvoller.
/ Peter Steinlechner
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Golem-Autor Peter Steinlechner mit der Gopro Mission 1 Pro ILS (Bild: Peter Steinlechner / Golem)
Golem-Autor Peter Steinlechner mit der Gopro Mission 1 Pro ILS Bild: Peter Steinlechner / Golem
Inhalt
  1. Gopro Mission 1 Pro ILS im Test: Auf diese Actioncam warte ich seit der Hero 6
  2. Viele tolle, aber auch teure Objektive
  3. Gopro Mission 1 Pro ILS: Verfügbarkeit und Fazit

Meine erste Gopro war 2017 die Hero 6. Schon damals störte mich etwas, das eigentlich zu den großen Stärken einer Actioncam gehört: Fast alles ist scharf. Person vorne, Baum dahinter, Berge am Horizont – die kleinen Kameras bilden ihre Umgebung mit enormer Schärfentiefe ab.

Fast zehn Jahre später habe ich mit der Mission 1 Pro ILS erstmals eine Gopro in der Hand, bei der das nicht so sein muss. Ich kann einen Gegenstand im Vordergrund scharf abbilden und die Landschaft dahinter verschwimmen lassen.

Oder den Fokus auf den Hintergrund legen und einen Menschen oder Hund davor unscharf durchs Bild laufen lassen. Und ich kann während einer Bewegung gezielt von Unschärfe in Schärfe und wieder zurück wechseln.

Technisch basiert die ILS auf der Mission 1 Pro. Beide haben einen 1-Zoll-Sensor mit 50 Megapixeln und den GP3-Prozessor. Video ist unter anderem mit bis zu 8K bei 60 fps und 4K bei 240 fps möglich, dazu kommen 10 Bit, GP-Log2 und hohe Bitraten.

Der entscheidende Unterschied steckt vorne: Statt einer fest eingebauten Optik besitzt die ILS einen Micro-Four-Thirds-Anschluss. Micro Four Thirds (MFT) ist ein ursprünglich von Panasonic und Olympus entwickelter, herstellerübergreifender Standard für Kameras und Wechselobjektive.

Datenblatt Gopro Mission 1 Pro ILS
Gopro Mission 1 Pro ILS
Sensor1-Zoll-Sensor ("1.0-Type")
Blende / Crop-Faktorabhängig vom Objektiv / ca. 2,7x (ca. 3x mit Hypersmooth)
ProzessorGP3
Größe89,6 × 58,7 × 46,1
Gewicht197 Gramm (ohne Objektiv)
Max. Videoauflösung8K60 16:9 (Mission 1: 8K30)
Open Gate8K30 + 4K120 (Mission 1: nur 4K120)
Zeitlupebis 32x Zeitlupe: 4K240 kontinuierlich und 1080p960 Burst-Modus (Mission 1: maximal 8x Zeitlupe)
Fotoauflösung / Pixelmaße50 MP oder 12 MP / 8.192 × 6.144 oder 4.000 × 3.000
RAW-Fotos50 MP RAW oder 12 MP RAW HDR
HDR / FarbprofileHLG HDR, 10-Bit, GP-Log2
Max. Bitrate240 MBit/s, mit Gopro Labs bis 300 MBit/s
BildstabilisierungHypersmooth, abhängig vom verwendeten Objektiv
Mikrofone4
Audio32-Bit-Float, Bluetooth 5.3, USB-C-Audio
Displays2,59-Zoll-OLED hinten + 1,4-Zoll-Frontdisplay
Akku / Laufzeit2.150-mAh-Enduro-2-Akku (lt. Hersteller über 5 Stunden bei 1080p30)
MountsMicro-Four-Thirds-Bajonett, Magnet-Mount, Gopro-Finger, 1/4-20-Gewinde
Wasserdichtnur wetterfest, nicht wasserdicht

Das klingt zunächst nach einer riesigen Auswahl, hat aber einen wichtigen Haken. Dem Anschluss fehlen elektrische Kontakte. Die ILS kann deshalb weder einen Autofokus steuern noch die Blende eines elektronischen Objektivs einstellen. Ein MFT-Bajonett allein bedeutet also ausdrücklich nicht, dass ein MFT-Objektiv an dieser Gopro sinnvoll funktioniert.

Das Objektiv muss einen manuellen Fokus besitzen und seine Blende muss ebenfalls direkt am Objektiv einstellbar oder fest vorgegeben sein. Bei einer festen Blende nennt Gopro maximal f/4,5. Wer ein Objektiv kauft, dessen Fokus oder Blende elektronische Befehle vom Kameragehäuse benötigt, kann damit an der ILS nichts anfangen.

Mein Testmuster kam mit einem Laowa C-Dreamer 7,5 mm f/2. Die Festbrennweite ist eine ausgesprochen sinnvolle Wahl: Das extrem kurze Objektiv erhält einen weiten, Actioncam-ähnlichen Blickwinkel. Ein Fisheye ist es trotzdem nicht.

Aufgrund des kleineren 1-Zoll-Sensors beträgt der Crop-Faktor der ILS rund 2,7 beziehungsweise mit Stabilisierung ungefähr 3. Aus 7,5 mm werden damit vom Bildwinkel her grob 20 bis 22,5 mm an einer Vollformatkamera.

Vor allem kann ich am C-Dreamer selbst einstellen, was scharf sein soll. Der große Ring regelt den Fokus, ein zweiter die Blende zwischen f/2 und f/22. Die Blende bestimmt nicht nur, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Sie beeinflusst auch die Schärfentiefe: Bei weit geöffneter Blende f/2 lässt sich ein Motiv eher vom unscharfen Hintergrund trennen. Abgeblendet auf f/5,6 oder f/8 wächst der scharf erscheinende Bereich stark an.

Bei einem Ultraweitwinkel wie dem 7,5-mm-Laowa ist die Schärfentiefe ohnehin groß. Für klassische Actionaufnahmen ist das praktisch. Ich kann beispielsweise auf eine mittlere Entfernung fokussieren, etwas abblenden und bekomme einen großen Bereich vor der Kamera bis weit in den Hintergrund ausreichend scharf. Das kommt dem gewohnten Draufhalten einer Gopro am nächsten.

Für gezielte Unschärfe muss ich dagegen mit Plan arbeiten. Bei f/2 und kurzer Entfernung zum Motiv ist der Effekt gut sichtbar. Steht mein Hund Charly drei Meter entfernt vor einem nur wenig weiter entfernten Hintergrund, kann selbst f/2 keine Wunder vollbringen.

Das extrem kurze Objektiv produziert konstruktionsbedingt viel Schärfentiefe. Ein längeres und lichtstarkes Objektiv würde ihn wesentlich deutlicher freistellen.

Genau darin liegt der Reiz des Systems. Ein anderes Objektiv kann aus derselben kleinen Gopro eine völlig andere Kamera machen. Allerdings müssen Käufer genau auf die Anforderungen achten.


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