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Gopro Mission 1 Pro ILS: Verfügbarkeit und Fazit

Das wirft die Frage auf, für wen Gopro diese Kamera eigentlich gebaut hat. Ein 1-Zoll-Sensor klingt neben Vollformatkameras zunächst wenig beeindruckend, für professionelle Filmaufnahmen reicht die Sensorgröße allein aber nicht als Qualitätsmaßstab.

Dynamikumfang, Farbtiefe, Codec, Bitrate, Objektiv, Licht und die Anforderungen einer konkreten Einstellung spielen ebenfalls eine Rolle. Eine ILS wird deshalb kaum die große Hauptkamera einer Kinoproduktion ersetzen.

Sie kann aber Aufnahmen ermöglichen, für die eine solche Kamera schlicht ungeeignet wäre. Gopro nennt etwa enge Einbauorte wie den Innenraum eines Autos. Ich kann die ILS an ein Fahrzeug, in ein kleines Rig oder dicht an einen Stunt bringen.

Geht bei einer riskanten Aufnahme etwas schief, steht nicht zwangsläufig eine Filmkamera im Wert von Zehntausenden Euro direkt in der Gefahrenzone. Gleichzeitig lassen sich die Bilder mit 10-Bit-Farbe, GP-Log2, Timecode-Synchronisation und hohen Bitraten wesentlich besser in professionelle Workflows integrieren als typisches Actioncam-Material.

Für Profis ist die ILS deshalb weniger eine billige Kinokamera als eine ungewöhnlich kleine Spezialkamera. Für ambitionierte Amateure ist sie dagegen eine Gelegenheit, mit Dingen zu experimentieren, die eine klassische Gopro weitgehend versteckt: Brennweite, Blende, Fokus und Schärfentiefe werden plötzlich zu bewussten gestalterischen Entscheidungen.

Auch die Bildqualität lässt sich dadurch schwieriger bewerten. Bei der normalen Mission 1 Pro teste ich Kamera und Optik als Einheit. Bei der ILS hängt ein erheblicher Teil des Ergebnisses davon ab, welches Glas vorne steckt und ob ich es richtig eingestellt habe.

Mit dem C-Dreamer und sauber gesetztem Fokus sehen die Aufnahmen hervorragend aus und können gegenüber der normalen Mission 1 Pro noch einmal sichtbar gewinnen. Mit falsch gesetztem Fokus produziert dieselbe Kamera dagegen problemlos beeindruckend unscharfes 8K-Material.

Die Gopro(öffnet im neuen Fenster) Mission 1 Pro ILS kostet rund 700 Euro ohne Objektiv; für das von uns verwendete Laowa C-Dreamer 7,5 mm f/2 werden rund 500 Euro fällig. Die normale Mission 1 Pro kostet ebenfalls rund 700 Euro, bringt ihre Optik aber bereits mit.

Wichtig für Actioncam-Nutzer: Anders als die bis 20 Meter wasserdichte Mission 1 Pro ist die ILS wegen des Wechselobjektivanschlusses nur wetterfest. Für Unterwasseraufnahmen ist ein separates Gehäuse nötig.

Fazit

Auf die Mission 1 Pro ILS habe ich seit meiner Hero 6 gewartet. Ich kann mit echter optischer Unschärfe arbeiten, ungewöhnliche Brennweiten einsetzen, extreme Nahaufnahmen machen oder die Kamera mit Spezialobjektiven für einen einzigen, genau geplanten Shot konfigurieren.

Diese Freiheit hat eine Kehrseite. Ohne Autofokus muss ich verstehen, was Brennweite, Blende und Fokus miteinander machen. Vor einer Videoaufnahme sollte ich wissen, wo sich mein Motiv bewegen wird und welcher Teil des Bildes scharf sein soll. Focus Peaking und die starke Vergrößerung helfen sehr, nehmen mir diese Entscheidung aber nicht ab.

Wer einfach nur eine möglichst gute Actioncam einschalten und losfilmen möchte, braucht die Mission 1 Pro ILS deshalb nicht. Dafür ist die normale Mission 1 Pro die unkompliziertere Kamera.

Für klar umrissene Spezialaufgaben ist die ILS dagegen eine außergewöhnliche Kamera und bekommt von mir eine klare Empfehlung. Profis erhalten eine winzige, robuste Spezialkamera, die sich mit sehr unterschiedlichem Glas in bestehende Produktionen integrieren lässt.

Experimentierfreudige Nicht-Profis bekommen etwas vielleicht noch Spannenderes: eine Gopro, bei der man plötzlich wieder lernen muss und darf, wie ein Objektiv eigentlich funktioniert.


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