Viele tolle, aber auch teure Objektive
Wer im bezahlbaren Bereich sucht, landet deshalb schnell bei manuellen Festbrennweiten. Ein (für mich) interessantes Beispiel ist das Meike 12 mm T2.2 für MFT, das um die 300 Euro kostet. Es besitzt einen manuellen Fokus und eine direkt am Objektiv einstellbare Blende und passt damit konzeptionell zur ILS.
Mit aktiviertem Hypersmooth ergibt sich durch den ungefähr dreifachen Crop ein Bildwinkel, der etwa 36 mm an Vollformat entspricht. Das ist weniger weitwinklig als das mitgelieferte 7,5-mm-Laowa und eignet sich damit besser für Personen, Tiere oder Produktaufnahmen. Gleichzeitig eröffnet die längere Brennweite mehr Möglichkeiten, Vorder- und Hintergrund optisch voneinander zu trennen.
Gopro verweist auf eine von B&H zusammengestellte Auswahl(öffnet im neuen Fenster) kompatibler Cinema-Objektive. Sie umfasst weit über 200 Modelle und reicht von manuellen Festbrennweiten über Makro- und anamorphotische Objektive bis zu professionellen Cine-Zooms.
Wer möchte, kann für das Glas vor seiner kleinen Gopro problemlos mehr Geld ausgeben als für die Kamera – und bei einigen professionellen Optiken auch ein Vielfaches davon.
Ein Beispiel ist das DZOFilm 10-24 mm T2.9. Das ist ein vollständig manuell bedienbares, parfokales MFT-Cine-Zoom: Fokus, Brennweite und Blende werden direkt am Objektiv eingestellt, und beim Zoomen bleibt die einmal gewählte Entfernung im Fokus. An der ILS ergibt sich grob der Bildwinkel eines 30- bis 72-mm-Zooms an Vollformat. Das DZOFilm kostet allerdings über 1.500 Euro und wiegt rund 1,1 Kilogramm.
Auch bei der Stabilisierung gibt es eine Einschränkung. Hypersmooth unterstützt laut Gopro rektilineare Festbrennweiten zwischen 6 und 500 mm, wobei der Hersteller solche Objektive bis 50 mm auf garantierte Leistung getestet hat.

Dazu kommen einige ausdrücklich unterstützte Fisheye-Modelle. Ein beliebiges Zoomobjektiv sollte man daher nicht automatisch mit derselben unkomplizierten Stabilisierung erwarten wie das 7,5-mm-C-Dreamer.
Der Preis dieser Freiheit ist Arbeit. Autofokus gibt es nicht. Ich muss vor der Aufnahme überlegen, wo meine Schärfe liegen soll, und sie von Hand einstellen. Gopro hat dafür zwei gute Hilfsmittel eingebaut. Focus Peaking markiert scharfe beziehungsweise besonders kontrastreiche Kanten farbig.
Mit Focus Assist lässt sich die Vorschau bis auf das Achtfache vergrößern. Damit kann ich beispielsweise auf einen entfernten Baum zoomen, am Objektiv drehen und den Punkt maximaler Schärfe recht zuverlässig finden.
Auf dem kleinen Display funktioniert das ordentlich, verlangt aber Aufmerksamkeit. Auf einem Smartphone oder Tablet mit der Mission-Monitor-App lässt sich die Schärfe wesentlich angenehmer beurteilen. Alternativ kann ein externer Field Monitor angeschlossen werden. Bei professionellen Drehs sind solche separaten Kontrollmonitore ohnehin üblich.
Ausgerechnet deshalb vermisse ich bei der ILS das Klappdisplay weniger als bei der normalen Mission 1 Pro. Bei der ILS wäre es zwar weiterhin praktisch, aber wer mit manuellem Fokus, Rig und sorgfältig eingerichtetem Bild arbeitet, wird häufig ohnehin einen größeren Monitor verwenden.
Für Fotos empfinde ich die fehlende Automatik als weniger problematisch. Das Motiv läuft mir – abgesehen von Charly – im Idealfall nicht weg, ich kann die Vorschau vergrößern, den Fokus in Ruhe setzen und notfalls einen zweiten Versuch machen. Beim Video sieht das anders aus. Läuft ein Mensch auf die Kamera zu, bleibt die einmal eingestellte Schärfeebene schließlich dort, wo sie ist.
Das kann ein Problem oder ein Gestaltungsmittel sein. Stelle ich bei f/2 beispielsweise auf einen Punkt knapp vor der Kamera scharf und fahre mit dem Fahrrad darauf zu, komme ich zunächst unscharf ins Bild, werde für einen Moment scharf und verschwinde beim Vorbeifahren wieder in der Unschärfe.
Solche echten Fokusverlagerungen versuchen Smartphones und Bildbearbeitungsprogramme seit Jahren künstlich zu erzeugen. Die Simulationen werden immer besser, perfekt sind ausgeschnittene Haare, Hunde oder komplizierte Kanten aber längst nicht immer. Ein echtes Objektiv muss die Unschärfe nicht berechnen, sie entsteht optisch.
Trotzdem hätte ich gegen Autofokus nichts einzuwenden. Gerade weniger erfahrene Nutzer könnten damit wesentlich spontaner arbeiten. Die Mission 1 Pro ILS ist eben keine Fire-and-forget-Actioncam. Wer sie einschaltet, aufs Fahrrad klemmt und erwartet, dass anschließend automatisch alles stimmt, ist mit der normalen Mission 1 Pro besser bedient.
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