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Googles Chromecast Audio im Test: WLAN-Streaming für die Musikanlage

Mit dem Chromecast Audio wird die Musikanlage WLAN-tauglich. Damit wird Musikstreaming in das heimische Wohnzimmer geholt. Allerdings macht es Google dem Käufer dabei unnötig schwer.
/ Ingo Pakalski
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Googles Chromecast Audio (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Googles Chromecast Audio Bild: Martin Wolf/Golem.de

Der Chromecast Audio ist Googles abgespeckte Variante des normalen Chromecast , er ist nur für die Musikwiedergabe geeignet und kann keine Videoinhalte anzeigen. Während es den normalen Chromecast schon in der zweiten Generation gibt, hat die Audiovariante kein Vorgängermodell.

Chromecast (2015) und Chromecast Audio – Demo
Chromecast (2015) und Chromecast Audio – Demo (13:00)

Die beiden aktuellen Chromecast-Modelle stecken in kreisrunden Gehäusen, die sich optisch ähneln. Das Gehäuse des Chromecast Audio ähnelt einer Langspielplatte und verfügt daher auf der Oberseite über entsprechende kreisrunde Rillen.

Anders als beim aktuellen HDMI-Chromecast liefert Google die Audiovariante mit einem Kabel aus, das auf beiden Seiten einen 3,5-mm-Klinkenstecker aufweist. Dadurch kann es etwa in Aktivboxen sehr bequem eingestöpselt werden. Andere Kabeltypen werden nicht mitgeliefert, das ist schade.

Das passende Kabel fehlt manchen

Wer an seiner Musikanlage keine Eingangsbuchse für einen 3,5-mm-Anschluss hat, muss sich also erst ein passendes Kabel besorgen, falls er es nicht schon hat. Die meisten Käufer hätten sicherlich ein Kabel mit Cinch-Anschluss bevorzugt, um es bequemer in eine Wohnzimmer-Musikanlage zu integrieren. Der Audio-Puck kann auch mit einem optischen Datenkabel verwendet werden, aber auch das liegt eben nicht bei. Skurrilerweise bietet Google diese alternativen Kabel auch gar nicht als Zubehör im eigenen Store an.

Wenn also das passende Audio-Verbindungskabel gefunden wurde, muss der Puck noch mit Strom versorgt und mit dem heimischen WLAN verbunden werden, damit darüber das Musikstreaming läuft. Wie auch der aktuelle HDMI-Chromecast unterstützt der Audio-Puck Dual-Band-WLAN nach 802.11 a/b/g/n/ac, WPS-Anmeldung wird nicht unterstützt und es gibt keinen Ethernet-Anschluss.

Chromecast Audio vs. Bluetooth-Dongle

Wie auch beim HDMI-Chromecast ist ein weiteres Gerät zur Steuerung erforderlich. Zu den möglichen Geräten gehören Smartphones und Tablets wahlweise mit Android oder iOS sowie Windows- und OS-X-Computer mit installiertem Chrome-Browser. Inhalte aus dem Internet werden dann auf dem Chromecast Audio ausgegeben.

Die Steuerung der Musik erfolgt dann etwa vom Smartphone, während die Streaming-Wiedergabe komplett vom Chromecast Audio übernommen wird. Das hat den Vorzug, dass etwa Hinweistöne vom Smartphone nicht die Musikwiedergabe stören und das Smartphone auch nicht weiter mit dem Streaming beschäftigt ist, so dass die Akkubelastung entsprechend niedrig ist.

Das alles gilt aber auch nur, wenn kein lokales Musikstreaming verwendet wird. Ansonsten sind die Hinweistöne über die Lautsprecher auch beim Einsatz des Google-Pucks zu vernehmen.

In jedem Fall hat der Chromecast Audio im Vergleich zum Einsatz eines Bluetooth-Dongles den Vorteil, dass die Reichweite zwischen Smartphone und Zuspieler praktisch unbegrenzt ist. Im Falle des Audio-Pucks müssen sich beide Geräte lediglich im gleichen WLAN-Netzwerk befinden, was in den heimischen vier Wänden meist gewährleistet sein dürfte. Umgekehrt ist bei Bluetooth-Technik nach einigen Metern Schluss, dann beginnen Störungen oder die Verbindung bricht ganz ab.

Chromecast Audio merkt sich nur das letzte WLAN-Netzwerk

Umgekehrt hat ein Bluetooth-Dongle den Vorteil, dass es mit Akku betrieben wird und nicht zwingend an eine Steckdose angeschlossen werden muss. Das ist beim Chromecast Audio anders, der keinen Akkubetrieb erlaubt und mit der Steckdose verbunden oder zumindest an einen entsprechend bestückten USB-Anschluss angesteckt werden muss.

Anders als beim HDMI-Chromecast kommt die Audioausführung besser damit klar, wenn das WLAN-Netzwerk gewechselt wird. Es ist kein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen erforderlich, allerdings ist der Einrichtungsvorgang dann identisch. Auch Chromecast Audio merkt sich immer nur den zuletzt verwendeten WLAN-Zugang.

Audiostreaming aus allen Apps

Sobald ein anderes WLAN-Netzwerk verwendet wird, müssen wieder alle Zugangsdaten eingegeben werden, auch wenn das Gerät im betreffenden Netzwerk bereits verwendet wurde. Wir finden es schade, dass sich auch die Audioausführung des Chromecast nur eine WLAN-Konfiguration merkt. Immerhin verlief das Einrichten in einem neuen WLAN-Netzwerk mit dem Audiomodell mit weniger Problemen als bei der HDMI-Variante.

Wie beim HDMI-Chromecast ist auch die Audioausführung darauf spezialisiert, Streamingdaten aus dem Internet zu empfangen. Nichtsdestotrotz stehen eine Reihe von Apps bereit, um die lokal auf dem Smartphone abgelegte Musik abzuspielen. Alternativ dazu kann aber auch der Lieblings-Musik-Player verwendet werden, indem einfach alle Audioinhalte an den Puck übertragen werden.

Das wird über die Chromecast-App konfiguriert, die für den Betrieb des Audio-Pucks erforderlich ist. Sonderbarerweise findet sich der passende Menüpunkt aber nicht etwa in der Geräteübersicht oder in den Eigenschaften des Chromecast Audio. Stattdessen ist die Funktion dafür im Seitenmenü versteckt, das sich öffnet, indem von links in das Display gewischt wird. Sobald die Option aktiv ist, erfolgen alle Audioausgaben statt über die Lautsprecher am Smartphone über den Chromecast Audio.

Die Verwaltung des Chromecast Audio erfolgt über die betreffende Chromecast-App, in der eine wichtige Funktion standardmäßig abgeschaltet ist. Und zwar ist High Dynamic Range standardmäßig ausgeschaltet. Wer nicht möchte, dass der Klang vom Chromecast Audio verändert wird, sollte diesen Punkt aktivieren. Sobald Chromecast Audio über ein optisches Kabel verbunden wird, erfolgt die Aktivierung automatisch.

Gastzugang eingebaut

Über die Chromecast-App wird auch der Gastmodus konfiguriert. Dann kann der Puck etwa mit einem Smartphone verwendet werden, ohne mit dem betreffenden WLAN-Router verbunden zu sein. Dazu muss das Gerät aber anderweitig Zugang zum Internet haben. Daher ist der Gastmodus auch nicht für Tablets ohne Mobilfunktechnik verwendbar.

Auf dem Gast-Smartphone muss die Chromecast-App installiert sein, die Nutzung des Gastzugangs erfolgt dann aus der App, die zur Wiedergabe bestimmt ist. Das empfanden wir etwas ungewohnt und hätten uns eine Aktivierung des Gastzugangs in der Chromecast-App gewünscht. Damit nur berechtigte Personen Zugang erhalten, muss eine PIN eingegeben werden, die auf dem Gerät angezeigt wird, mit dem der Chromecast Audio konfiguriert wird.

Verfügbarkeit und Fazit

An sich soll es auch ohne PIN-Eingabe durch Übermittlung eines nicht hörbaren Tons funktionieren. Das klappte bei unseren Versuchen aber nicht. Generell ist im Gastmodus das Abspielen lokaler Inhalte nicht möglich.

Auch mit dem Chromecast Audio haben wir in der Chromecast-App keine Suche entdeckt, obwohl diese von Google eigentlich versprochen war. Der Empfehlungsbereich berücksichtigt nicht, wenn nur die Audioausführung des Chromecast verwendet wird und empfiehlt auch eine Reihe von Video-Streaming-Apps, die mit dem Audio-Puck nicht sinnvoll einsetzbar sind. Es ist schade, dass hier nicht stärker auf die Möglichkeiten des Geräts eingegangen wird.

Der Chromecast Audio ist für 39 Euro verfügbar und wird mit einem USB-Kabel und einem passenden Netzteil ausgeliefert. Außerdem liegt ein sehr kurzes Klinkensteckerkabel bei, um den Puck mit der Anlage oder entsprechenden Aktivlautsprechern zu verbinden. Ein optisches Audiokabel oder eines mit Cinch-Anschlüssen liegt dem Paket nicht bei, das müsste bei Bedarf also noch angeschafft werden.

Fazit

Google will mit dem Chromecast Audio Kunden ansprechen, die Musikstreaming über die heimische Musikanlage hören wollen. Allerdings dürfte diese Zielgruppe etwas enttäuscht sein, weil nach dem Kauf für viele erst die Suche nach einem passenden Kabel beginnt. Denn mit dem mitgelieferten Kabel lässt sich der Audio-Puck an vielen Musikanlagen nicht betreiben. Für die meisten Käufer dürfte ein Kabel mit Cinch-Anschlüssen sinnvoller sein und Googles Entscheidung erscheint sonderbar.

Dafür kann ein mobiler Bluetooth-Lautsprecher mit dem Chromecast Audio ohne weitere Kabelsucherei WLAN-tauglich gemacht werden, sofern die Brüllbox einen 3,5-mm-Klinken-Eingang hat. Allerdings gibt es dann den Nachteil, dass für die Wiedergabe ein WLAN-Internetzugang erforderlich, die Mobilität also eingeschränkt ist. Und wenn das WLAN-Netzwerk gewechselt wird, muss lästigerweise alles neu eingerichtet werden. An der Stelle ist die Bluetooth-Technik bezüglich der Mobilität dem Chromecast Audio überlegen.

Wer bereits eine Musikanlage mit HDMI-Eingang besitzt, kann statt der Audioausführung auch einen HDMI-Chromecast einsetzen und ihn zur Musikwiedergabe verwenden. Zumal der Chromecast der ersten Generation derzeit schon für 25 Euro zu haben ist und damit weniger kostet. Ansonsten bleibt der Kauf des HDMI-Chromecast der zweiten Generation, der genauso teuer wie die Audiovariante ist, aber zusätzlich wie auch der erste Chromecast-Stick für Videostreaming genutzt werden kann.

Der Chromecast Audio wirkt wie ein Produkt, das nicht ganz zu Ende gedacht ist. Kunden hätten sicherlich mehr davon, wenn es den Audio-Puck in drei Ausführungen mit dem jeweiligen Wunschkabel geben würde, da es offenbar aus Kostengründen nicht möglich ist, mehr als ein Kabel beizulegen. Dann könnten Käufer genau das Modell wählen, das sie brauchen.


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