Googles Alphabet: Bei Project Loon ist die Luft raus

Mit Project Loon wollte Google hoch hinaus und die ganze Welt mit Internet versorgen. Was fehlte: das Geschäftsmodell - und am Ende auch der Bedarf.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Alphabet beendet Ballonprojekt: Opportunitätskosten im Blick behalten
Alphabet beendet Ballonprojekt: Opportunitätskosten im Blick behalten (Bild: Denis Kozhevnikov/TASS)

Es war ein ehrgeiziges Projekt: Ballone, die in der Stratosphäre schweben und dort schnelles Internet hinbringen, wo keine Telekommunikationsinfrastruktur vorhanden ist, in unterentwickelte Regionen etwa oder in Katastrophengebiete. Technisch hat das funktioniert. Es gibt auch einen kommerziellen Dienst. Dennoch beendet Alphabet das Project Loon.

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Die Ballone sind schwebende Kommunikationsstationen, die mit der entsprechenden Hardware sowie Solarzellen ausgestattet sind, die die Systeme mit Strom versorgen. Ein solcher Ballon schwebt in etwa 29 Kilometern Höhe über einem bestimmten Gebiet und deckt ein Gebiet mit einem Durchmesser von etwa 40 Kilometern ab.

Loon brachte Internet nach Kenia

Gedacht war es vor allem für entlegene Regionen. In Kenia startete 2020 ein kommerzieller Dienst. Um die Zulassung zu weiteren Märkten zu bekommen, vereinbarte Loon im gleichen Jahr eine Kooperation mit AT&T.

Die ist mit dem Beschluss zu Einstellung obsolet. Der Vorschlag kam von Astro Teller selbst, dem Chef der Abteilung X, Alphabets geheimen Entwicklungslabor. Auch Loon wurde bei X ersonnen, bevor es in ein eigenes Unternehmen ausgegründet wurde. Er habe kein Geschäftsmodell mehr gesehen, sagte Teller dem US-Technikmagazin Wired.

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Seit dem Start von Loon im Jahr 2011 hat sich die Netzabdeckung auf der Welt deutlich verbessert: 2014 hatten nach Angaben der GSM Association (GSMA) noch 26 Prozent der Menschen keinen Zugang zu mobilem Internet. Inzwischen sind es nur noch sieben Prozent. Hinzu kommen demnächst Satelliteninternet-Dienste wie Starlink, die potenziell weitere Löcher in der Netzabdeckung schließen.

In den Regionen könnten oder wollten die Bewohner sich die LTE-Smartphones nicht leisten, die für die Nutzung des Balloninternets gebraucht werden, sagte Teller. Oder sie seien nicht oft nicht an Internet interessiert, weil es keine Inhalte in ihrer Sprache gebe.

Loon bringt keine Gewinne

Weil er zu der Einsicht gekommen sei, dass der Dienst nie zu Alphabets Gewinnen beitragen könne, habe er sich zur der Einstellung entschlossen, sagte Teller. Aus Unternehmenssicht ist das sicher verständlich. Und es ist auch nicht das erste Mal. Vor einem Jahr hat Alphabet Makani Power geschlossen, weil der Konzern nicht mehr daran glaubte, dass mit einem stromerzeugenden Flugdrachen Geld zu verdienen sei. Aber für die diejenigen unter den sieben Prozent, die doch gern Internet gehabt hätten, bedeutet das Ende von Loon wohl, dass sich der Digital Divide auf absehbare Zeit nicht schließen wird.

Loon war nicht Alphabets erstes Projekt mit Internet vorn oben, das wieder gestoppt wurde: Google hatte Vergleichbares mit Solardrohnen als fliegenden Kommunikationsstationen vor. Dafür hatte Google 2014 eigens das Unternehmen Titan Aerospace gekauft, das automatische, mit Solarstrom betriebene Flugzeuge baute.

Doch 2017 wurde das Projekt eingestellt - nicht zuletzt zugunsten von Loon. Das Projekt Loon verspreche, ökonomischer und technisch leichter zum Erfolg zu führen, sagte damals ein Alphabet-Sprecher.

Ein Trugschluss: Das Projekt erwies sich als technisch sehr aufwendig: Da Ballone fahren und nicht fliegen, musste das Loon-Team eine lernfähige Software für die Steuerung entwickeln. Sie wertet automatisiert Wetterprognosen und Echtzeitdaten aus, die die Ballone sammeln, und erstellt Karten der sich ändernden Winde. Durch Steigen oder Sinken wechseln die Ballone in eine Luftschicht, in der sie der Wind ans Ziel bringt.

Dieses KI-System wird sich möglicherweise auch anderswo einsetzen lassen. Die für Loon entwickelte optische Datenübertragung wird bereits in einem anderen Projekt namens Taara eingesetzt. Ganz wird Loon also nicht verschwinden.

Moonshots nennt X große Projekte wie Loon oder auch Waymo. Diese hätten die Möglichkeit, die das Leben sehr vieler Menschen zu verändern - daran arbeite X. Aber solche Projekte seien eben auch immer riskant, schreibt Teller in einem Beitrag im Blog von X. "Bei X konzentrieren wir uns zwar auf die Entwicklung toller, vielversprechender Technik, beachten dabei aber gleichzeitig die Opportunitätskosten jeder einzelnen Investition."

Das Team sei traurig über das Ende des Projekts, schloss Teller. "Wir hoffen, dass Loon für andere weiterlebt als Inspiration, um kühne und radikale Ideen auszuprobieren."

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TomTomTomTom 23. Jan 2021

Möglicherweise ist das Konzept aber auch einfach überholt. Zum Preis eines Ballons (im...

AlexanderSchork 23. Jan 2021

Google hat bis jetzt 1 1/2 Produkte selber entwickelt die erfolgreich waren. Die Google...

TomTomTomTom 22. Jan 2021

Den Grund hast du ja schon genannt. Starlink macht Loon obsolet. Da Alphabet einer der...



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