Google: Youtubes Bandbreitenbedarf bringt Telcos "mehr Geschäft"
Ein hochrangiger Google-Manager hat sich zu den Forderungen der europäischen Netzbetreiber nach einer Infrastrukturabgabe für große Content and Application Providers (CAPs) geäußert. Jens Redmer, Director Business Development Google EMEA, sagte auf dem Buglas-Jahreskongress am 19. Oktober 2023 in Berlin(öffnet im neuen Fenster): "In der Vergangenheit hat die Breitbandlastigkeit verschiedener Angebote – nicht nur von Youtube oder Netflix – dazu geführt, dass die Breitbandanbieter, die Telcos, bessere Chancen hatten, mehr Geschäft zu machen."
Technologieunternehmen, die vermeintlich einen hohen Traffic erzeugten und am meisten vom Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur profitierten, sollten sich an den Ausbaukosten beteiligen. Das forderten zuletzt 20 europäische Netzbetreiber. EU-Kommissar Thierry Breton arbeitet dazu für die Netzbetreiber am Entwurf für einen Telecom-Act, der Anfang 2024 fertig sein soll. "Das ist ein bisschen eine verdrehte Diskussion", betonte Redmer.
Der Begriff Sending-Party-Pays, mit dem die Telcos argumentieren, ist zudem technisch fraglich: Den Datenverkehr erzeugen die zahlenden Kunden der Internetprovider, die Streaminginhalte abrufen. Laut Netzneutralität müssen Daten unabhängig von Herkunft, Inhalt, Anwendung, Absender und Empfänger in Netzen gleichbehandelt werden.
Google will 200 Milliarden US-Dollar für Infrastruktur ausgegeben haben
Allein Google habe in den vergangenen drei Jahren weltweit 200 Milliarden US-Dollar in Internetinfrastruktur investiert, betonte Redmer. "Einen guten Teil des Internet-Backbones bauen wir selber aus. Wir haben Interconnection-Vereinbarungen mit den Telcos dieser Welt. Wir sind ein guter Teil eines sehr gesunden Ökosystems." Diese Partnerschaften seien für beide Seiten profitabel.
Konzerne wie Google tätigten erhebliche Investitionen, um das Internet stabiler zu machen. Redmer sagte: "Da wird gedrosselt, da wird komprimiert, Daten von Youtube in unseren Rechenzentren zwischengespeichert, sodass der eigentliche Traffic nicht über ein Telco-Netzwerk laufen muss. Er läuft über unser eigenes Netzwerk und wird dann verteilt und komprimiert."
Alle großen Content and Application Providers (CAPs) investierten in den vergangenen Jahren stark in eigene Telco-Infrastruktur. Das erklärte Stefan Lechler, Deputy Head der Unit DG Connect bei der Europäischen Kommission, im Mai 2023 auf der Branchenmesse Anga Com in Köln. "Sie bilden die größten Seekabelkonsortien, haben Backbones und terrestrische Netze."
Wenn sie dies der Öffentlichkeit zur Verfügung stellten, gehörten diese Konzerne "zu den größten TK-Unternehmen der Welt", betonte Lechler. Die vier Unternehmen Meta, Alphabet, Amazon oder Microsoft besäßen bis zum Jahr 2024 gemeinsam Anteile an mehr als 30 bedeutenden Seekabeln.
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