Google: Youtube-Gründer beschwert sich über neues Kommentarsystem

Zwischen den beiden Beiträgen auf dem Youtube-Kanal von Jawed Karim liegt eine halbe Internet-Ewigkeit. Am 23. April 2005 lud Karim das erste Video(öffnet im neuen Fenster) auf das neu gegründete Portal hoch. Seitdem hat er dort geschwiegen. Bis er nun seinen zweiten Beitrag postete(öffnet im neuen Fenster) : "Warum zum Teufel brauche ich einen Google+-Account, um ein Video zu kommentieren?" Diese Frage haben sich in den vergangenen Tagen Tausende Youtube-Nutzer gestellt(öffnet im neuen Fenster) . Eine Onlinepetition(öffnet im neuen Fenster) , um das alte System zurückzubringen, hat schon mehr als 50.000 Unterstützer gefunden.
Bereits im September hatte Google angekündigt , sein Kommentarsystem umstellen zu wollen. Das wurde in dieser Woche nun umgesetzt(öffnet im neuen Fenster) . Vorgeblich geht es darum, die Kommentare besser nach ihrer Relevanz gewichten zu können. Während früher der neueste Kommentar jeweils oben stand, stehen nun Beiträge des Kanalbetreibers, von bekannten Personen sowie von Mitgliedern der Google+-Kreise ganz vorne. Allerdings lassen sich die Kommentare weiterhin nach der Aktualität sortieren. Auch gibt es die Möglichkeit, Kommentare vor der Veröffentlichung zu kontrollieren, bestimmte Wörter zu blockieren oder Fans für Kommentare freizuschalten. Diskussionen können wie bei Google+ für bestimmte Nutzergruppen freigeschaltet werden. Weitere Details erläutert Google auf einer eigenen Seite(öffnet im neuen Fenster) .
Aber nur wer einen Google+-Account besitzt, kann überhaupt noch kommentieren. Genau das ist es aber, was – wie im Falle von Karim – viele Nutzer verärgert. Das neue Konzept dient sicher nicht nur dazu, die berüchtigten Nutzerbeiträge in dem Videoportal stärker zu regulieren. Offensichtlich will der Konzern damit sein soziales Netzwerk gegen den übermächtigen Konkurrenten Facebook stärken, der weltweit auf rund 1,2 Milliarden aktive Nutzer(öffnet im neuen Fenster) kommt. Medienberichten zufolge(öffnet im neuen Fenster) hat Google+ derzeit 540 Millionen aktive Nutzer, die in irgendeiner Form monatlich mit dem Netzwerk interagieren. Wie viele Nutzer tatsächlich Inhalte auf plus.google.com nutzen, ist aber unklar. Selbst bei den 300 Millionen Accounts, die Google als "in stream" -Nutzer bezeichnet, reicht es aus, wenn sie einmal im Monat das Benachrichtigungssymbol anklicken(öffnet im neuen Fenster) . Jeder Kommentar bei Youtube wird in Zukunft dann als Nutzung von Google+ gewertet.
Für sein zweites Youtube-Posting erhielt Karim übrigens in kurzer Zeit schon etliche Kommentare(öffnet im neuen Fenster) . Und eine barsche Antwort auf die Frage, warum er nun einen Google+-Account haben muss: "Weil Sie Ihr Sch... Unternehmen an Google verkauft haben. Was sonst haben Sie gedacht, würden die damit machen, außer es zu ruinieren. Trottel."